Kennt ihr eigentlich schon...

... Konzertveranstalter-Legende Hansi Dobratz?
NW Hansi Dobratz c Konzertburo Konzertveranstalter art
„Hansi Dobratz sagt Tschüß!“ – heißt es seitens seines Konzertbüros. Namensgeber Hansi Dobratz, inzwischen 75 Jahre alt, geht nach 47 Jahren als Event- und Konzertveranstalter in der Unterhaltungsbranche in den wohlverdienten Ruhestand. In all den Jahren hat er viel erlebt, die Liste namhafter Künstler, mit denen er zusammen gearbeitet hat, ist endlos, darunter Superstars wie James Brown, Tina Turner und Tom Jones; Bob Dylan, Chubby Checker und Fats Domino; Deep Purple, Santana und Status Quo; Udo Jürgens, BAP und Westernhagen. Bis zu 100.000 Gäste zählten Hansis größte Events. Als junger Mann hat er mal Schriftsetzer und Reprofotograf gelernt, doch schon in den 60er Jahren schlug Hansis Herz für die Folk-Szene. Aus dem Amateur-Veranstalter wurde ein Profi: 1974 machte er sich mit seinem „Konzertbüro Hansi Dobratz“ schließlich selbstständig. In den folgenden Jahren war er mit den DDR-Stars Karat und City auf BRD-Tour und hat als erster die Puhdys in den Westen geholt. Auch im Plattengeschäft hat er mitgemischt, 1975 das Label „Stockfisch“ gegründet und es im Eigenvertrieb zu zahlreichen Schallplattenpreise gebracht. In Braunschweig hat der gebürtige Wolfenbütteler mitgeholfen das FBZ groß zu machen und die Konzertkasse gegründet. Von 1988 bis 1991 hat Hansi die Domfestspiele Königslutter organisiert und 1989 das erste „Wolters Hoffest“ initiiert, Deutschlands größtes Brauereifest. Hansis Verdienste um die (auch über-)regionale Musik- und Eventwirtschaft sind enorm. Mit einem lachenden und einem weinenden Augen wird er mit dem großen Schlagerfest XXL am 3. Mai seine letzte große Show über die Bühne bringen. Mit dabei unter anderem Florian Silbereisen, Marianne Rosenberg und Jürgen Drews.
Hansi, warum hörst du jetzt auf?
Man muss auch gehen, bevor die Leute pfeifen ...

Mit 75 bist du weit über dem Rentenalter ...
Es hat eben lange Spaß gemacht. Meine Crew hatte mal T-Shirts bedruckt: „Wir wollen nicht Millionär werden – wir wollen Spaß haben!“

Wofür nimmst du dir jetzt besonders viel Zeit?
Aufräumen!

Hast du Sorge, dass dir jetzt langweilig wird?
Kann schon passieren. Ich hoffe auf Freikarten der ehemaligen Kollegen.

Welche Seite des Geschäfts wirst du vermissen?
Glückliche Besucher und ausverkauftes Haus.

Und welche überhaupt nicht?
Konzertabsagen! Ich halte es mit Karel Gott, der sagte: „Das einzige Attest, das zur Absage eines Konzerts berechtigt, ist die Sterbeurkunde.“
Kannst du dich an dein erstes Konzert erinnern?
Genial! Eintracht feierte 1967 Meisterschaft auf dem Altstadtmarkt. Ich hatte um die Ecke ein Konzert. Über 3 000 Leute gingen ein und aus.

Was wolltest du als Kind mal werden?
Ich habe schon mit zehn Jahren im Kellereingang Kasperle-Theater gespielt – gegen Eintritt.

Und wann wusstest du, dass du dich lieber selbstständig machen möchtest, als in deinem Ausbildungsberuf Karriere zu machen?
Als ich meinen Kontostand sah.

Was haben deine Eltern dazu gesagt?
Wenig, ich bin schon mit 18 ausgezogen.

Was würdest du tun, wenn du nochmal 18 wärst?
19 werden.

Was wäre dein Plan B gewesen, wenn es mit dem Konzerte-Machen doch mal bergab gegangen wäre?
Schulden bezahlen und abwarten.

„There’s no business like show business“ – was fällt dir zu diesem Satz als allererstes ein?
Irving Berlin. Er hat den Song für das Musical „Anni Get Your Gun“ geschrieben.

Was für Charaktereigenschaften braucht man für 45 bunte Jahre Showbusiness?
Neugier, Ausdauer und Selbstbewusstsein.

Du bist ein lockerer Typ – wo hört der Spaß auf?
Bombendrohungen während eines Konzertes.
Was für Leute kannst du überhaupt nicht ausstehen?
Besserwisser.

Wie gehst du damit um, wenn eine Show floppt?
Zahlen und weitermachen! Die Veranstalterlegende Fritz Rau hat mal gesagt: „Drei von zehn Veranstaltungen gehen daneben. Wenn ich vorher wüsste welche, würde ich sie nicht machen.

Verlieren Stars ihren Zauber, wenn man sie trifft?
Vielleicht wenn sie ungeschminkt sind – manche verlieren, manche gewinnen.

Welcher Künstler war ganz anders, als du es erwartet hast?
Fats Domino. Der spielte noch nach dem Konzert im Künstlereingang 30 Minuten eine Session mit einer lokalen Amateurband.

Mit dem Puhdys-Keyboarder hast du oft Urlaub gemacht. Gibt es diese Tradition noch?
Auf der privaten Abschiedsfeier der Puhdys vor drei Jahren haben wir uns Tschüss gesagt. Alles hat seine Zeit.

Was ist Florian Silbereisen so für ein Typ?
Ein Kumpeltyp.

Hörst du privat eigentlich auch Schlager?
Ich schalte nicht ab, wenn im Radio Schlager laufen. Ansonsten gern Folk und Jazz.

Backstage – eine Welt für sich. Mal ehrlich, wer hat sich backstage daneben benommen?
Da war ich nie dabei, musste ja abrechnen.
Musstest du auch mal grenzwertige Künstlerwünsche erfüllen?
Vor 40 Jahren „Heineken Bier“ für Fats Domino, das es in der Region nirgends gab und extra aus Hannover geholt werden musste – aber zum Glück hatte der Tourleiter immer eine Kiste im Auto, weil das kaum ein Veranstalter organisiert hatte.

Welcher ausgefallene Rider-Wunsch fällt dir spontan noch ein?
Zwei Flaschen Wein „Opus Nr. 1“. Kosten fast jeweils 200 DM. Beide wurden nicht getrunken.

Bitte noch ein paar Anekdoten, die du nie vergessen wirst, Hansi!
Ein Schweizer Chanson-Sänger hat in seiner Garderobe mal über 50 000 DM vergessen. Ich sollte das Geld dann überweisen, aber sein Konto war gelöscht. Auf einem Jazzfestival gab es extremes Glatteis. Die Show war mit 3 500 Besuchern ausverkauft, aber bis 22 Uhr waren nur etwa 500 Gäste und nur zwei lokale Bands da. Oder Marius Müller-Westernhagen, der sich am Vorabend unserer Show ein Bein brach. Nur durch gute persönliche Verbindungen erreichte mich die Nachricht noch spät in der Nacht und ich konnte noch eine geordnete Verlegung unseres ausverkauften Konzerts organisieren.

Wenn du eine Sache deiner Laufbahn anders machen könntest, was wäre das?
Mehr Zeit für die Familie. Und das Büro sollte nicht im Haus sein.

Interview Benyamin Bahri, Louisa Ferch
Foto Konzertbüro Hansi Dobratz

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