Kennt ihr eigentlich schon ...

... … Gastro-Legende Spitze Wiegandt?
ICH IM MAGNI art
So einen gibt es kein zweites Mal in Braunschweig: Nach 39 Jahren Clubs und Kneipen ist Hans-Herbert „Spitze“ Wiegandt so etwas wie eine Ikone der hiesigen Gastronomiekultur. 1972 hat er als Dorfkneipier in Veltenhof angefangen, in den 1980er Jahren wurden dann Spitzes Café Tasse und sein Leukoplast (später Rizz) im Gieseler-Turm überregional bekannt. Heute läuft Schlager, damals ging es um Wave, NDW und Punkrock. Bands wie Die Ärzte, Trio und Ideal haben im „Leuko“ gespielt, Stars wie Depeche Mode, Kraftwerk oder U2 sollen als Gäste privat zum Feiern da gewesen sein. Inspiration für seine Läden hat sich Spitze im berühmten West-Berliner Dschungel geholt, wo er David Bowie und Iggy Pop kennenlernen durfte und zahlreiche wilde und weiße Nächte erlebt hat. Im Leuko gab es standesgemäß jede Menge „Tequila Böff“ auf Ex, eine Mischung aus Tequila, Martini und Sekt. Spitzes Lieblingsdrink damals wie heute ist und bleibt aber Osborne Cola. Als Rentner lässt es der 72-Jährige inzwischen aber ruhig angehen und bringt Jugendlichen zur Gewaltprävention und Integration Rugby bei, in AG’s an Schulen sowie als 1. Vorsitzender des neugegründeten Vereins „Rugby-Löwen“.
Können die Leute heute in Zeiten von Smartphones überhaupt noch richtig feiern?
Klar, viele tanzen doch mit Handy in der Hand - weil sie wohl sonst aus dem Takt kommen.

Was ist im Nachtleben noch anders als früher?
Kaum einer hebt sich vom anderen ab. Zu viele sind zu ähnlich – eigentlich fast alle. Das Flair an sich ist ganz anders. Früher wurde auch nicht vorgeglüht. Man kam um 20 Uhr nüchtern und war nach vier Stunden im Land des Lächelns.

Warum hast du dich aus dem Nachtleben zurückgezogen?
Die Gäste werden jünger, man selbst wird und wirkt älter. Man sollte nicht warten, bis jemand fragt, ob man zum Sterben hergekommen sei.

Kann man auch ohne Drogen Partys feiern?
Auf jeden Fall. Traurig, wer sich Beschleuniger schmeißen muss, um in Stimmung zu kommen. Party hat doch mit Alk nichts gemeinsam. Ich kann auch mit Milch lustig sein.
Muss man nicht auch mal über die Stränge schlagen, um das Leben richtig zu genießen?
Muss man, Millionen Jahre ist man mausetot. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Hast du zwischen all den ungesunden Exzessen auch mal ans Aufhören gedacht?
Stündlich …

Hast du dich manchmal einsam gefühlt zwischen all dem Trubel und Tamtam?
Nur nach Feierabend, bei der Abrechnung.

Aber sind Wochenend- und Feierfreundschaften nicht total oberflächlich?
Liegt an der Person. In meinen Läden war nichts Oberflächliches dabei. Ich bin mit vielen der alten Leute noch heute gut befreundet.

Wie steht es bei dir nach all den jahrelangen Rausch-Erfahrungen so mit der Gesundheit?
Nicht „Rausch-“, sondern „Rauch-“. Fühle mich jedenfalls fitter denn je.

Hättest du einfach immer weiter gemacht, wenn du nicht Vater geworden wärst?
Familie und Kids sind ein zeitliches Geschenk, das man genießen sollte.

Wie gehst du damit um, dass manche der alten Weggefährten langsam wegsterben?
So ist nun mal der Zahn der Zeit. Jeder wird geboren, um zu sterben. Da müssen wir durch.
Vermisst du das Leben als Nachtwirt?
Vermisse nichts und genieße jeden Tag, den mir der liebe Gott schenkt, ob es gießt, schneit oder stürmt.

Als Clubbesitzer kommt man mit vielen hübschen Frauen in Kontakt. Warst du immer treu?
Zu hübsch zum Teil. Aber ein Kavalier genießt und schweigt.

Du hast auch ordentliche Rückschläge erlitten ... Was rätst du einem jungen Kneipier?
Die besten Geschäfts-Partner taugen nichts – ein Gewerbe lieber allein führen! Sich selbst bescheißt man ja nicht.
Vor Kurzem gab es eine Leuko-/Rizz-RevivalParty. Wann gibt’s die nächste Sause?
Sicher im nächsten Jahr – auf vielfachen Wunsch mehrerer einsamer Damen.

Erzähl doch noch mal mehr vom Dschungel …
Bowie, Iggy Pop, Inga Humpe, Fad Gadget waren dort die Insider. Ich habe mit denen gut und lange abgefeiert und dann ab und zu das Taxi nach Schöneberg geteilt. Nette Erinnerungen an nette Leute ohne Höhenflug und Arroganz. Sowas war damals verpönt.

Zum Schluss: Wer hat mehr vertragen – Bowie, Iggy oder Spitze?
Engländer sind alle Kampftrinker, aber ich habe gut mitgehalten. Falls du was über Saufgelage hören willst – die gab es nicht. Gin Fizz oder Southern mit Ginga wurde Literweise getrunken. Aber ich habe David nie betrunken erlebt. Er war immer „Mister David“.

Interview Benyamin Bahri
Foto Alexa Wiegandt

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