Kennt ihr eigentlich schon ...

... … Filmfest-Direktor ­Michael P. Aust??
NW michael p aust ich glaube es wird cool c Holger Isermann Art
Seit 2014 ist Michael P. Aust Direktor des Braunschweig Internationalen Filmfestival. Er lebt aber nur zwei, drei Tage hier, denn den Rest seiner Zeit verbringt der gebürtige Recklinghausener in Köln, wo er unter anderem Geschäftsführer einer Filmfirma ist und das Filmmusikfestival SoundTrack Cologne leitet. Denn Filmmusik ist für ihn eine Herzensangelegenheit. Nicht zuletzt, weil er als junger Mann eigentlich mal Gitarrist werden wollte, selbst in mehreren Bands gespielt hat, unter anderem mit seinen Brüdern. Als Produzent hat der 53-Jährige an mehr als einem Duzend Filmen mitgewirkt. Als Festivaldirektor hingegen kümmert er sich weniger um Filme, dafür viel mehr um Organisation und Logistik, Personalangelegenheiten und natürlich Kohle – Finanzierung, Förderanträge, Kostenrechnung. Michael P. Aust schaut überhaupt kein Fernsehen, sammelt stattdessen Musikvideos und möchte im nächsten Jahr seine erste Regiearbeit angehen, einen Dokumentarfilm. Aust geht gern mit seinem Hund joggen und isst am liebsten Kartoffelsalat nach dem Spezialrezept seiner holländischen Oma.
Cannes, Berlin, Venedig – warum braucht Braunschweig ein Filmfest?
Cannes alleine präsentiert über 4 000 Filme – wollen Sie die wirklich alle selber sehen? Und wie oft waren Sie auf diesen drei Festivals? Wir suchen die interessantesten 100 Filme aus und bringen sie nach Braunschweig – lange, bevor sie ins Kino kommen, wenn überhaupt.

Der beste Film, den Sie je gesehen haben?
Ich habe so 50 Lieblingsfilme, die wechseln auch schon mal. Darunter sind aber seit längerem „Brazil“, „Lost in Translation“, „Apocalypse Now“, „Moon“, „Das Leben des Brian“, „The Big Lebowski“, „Drive“, „Spun“, „Taxi Driver“ und natürlich mein erster Film als Produzent: „101 Reykjavik“.

Und welcher war der Schlimmste?
„Le Camion“ von Marguerite Duras. Ein Lastwagen fährt nach rechts, links und geradeaus ... Das bisher einzige Mal, dass ich im Kino eingeschlafen bin.
Was fehlt dem deutschen Kino heute?
Mut. Freiheit. Marketingpower.

Und wovon hat es viel zu viel?
Gut gemeintes, verkapptes öffentlich-rechtliches TV.

Welcher Soundtrack bringt Sie zum Weinen?
Och nö, ich heule höchstens vor Wut ... Wenn ich mich anstrenge aber vielleicht beim Hauptthema von Rachel Portman für „Alles, was wir geben mussten“.

Ist zeitgenössische Filmmusik eigentlich nach 20 Jahren peinlich?
Das könnte man natürlich genauso gut zu Kamera, Licht, Kostüm, Look, Schauspiel fragen ... Filmmusik funktioniert immer wie eine Zeitkapsel – sie evoziert für mich sofort wieder die Gefühle und die Stimmungen, die ich beim ersten Sehen des Films hatte – mehr noch als die Bilder des Films. Von daher mag die Zeit über bestimmte Sounds hinweggegangen sein, aber wenn es die Musik schafft, eine eigene Ebene des Films zu erzählen, dann ist sie niemals peinlich.
Sie haben viel als Produzent gearbeitet. Zum Regisseur hat’s nicht gereicht?
Ich hatte eigentlich nie die Ambition, etwas in Richtung Film zu machen, schon gar nicht Filmregie. Auch Produzent bin ich eher durch Zufall geworden. Ich finde vor allem Projekte spannend – sie zu realisieren und zu formen, ob Ausstellungen, Festivals, Konzerte, Filme ... Als Produzent muss man langfristig denken, sehr kreativ sein, mit Geld umgehen können, Verantwortung tragen … Man hat alle Stellschrauben in der Hand. Als Regisseur nur bestimmte. Produzent liegt mir daher mehr.

Wären Sie gern mal Schauspieler geworden?
Ich hab es mal probiert, als mir bei einem kleinen Dreh für den WDR eine Darstellerin krank geworden ist. Erst dachte ich: Oh no! Ich als kettenrauchende Mutter im rosa Nachthemd? Aber dann hat es doch Spaß gemacht.
Wie kommen Sie damit klar, dass die Masse lieber Popcorn- als Arthouse-Kino konsumiert?
Super – jeder wie er mag. Auch ich kann nicht nur osteuropäische Sozialdramen schauen ...

Was halten Sie von Netflix & Co.?
Toll für Seriengucker – aber keine Alternative zu Filmfestivals oder zum Kino.

Wie reagieren Sie, wenn sich hinter Ihnen im Kinosaal Leute laut unterhalten?
Hängt vom Film ab, bei manchen kann ich es verstehen. Ansonsten: „Lieb sein, Kinder!“
Sly oder Arnie?
Arnie – auch im realen Leben eine interessante Persönlichkeit.

Matthias Schweighöfer oder Til Schweiger?
Til – mein Held als deutscher Produzent.

Tarantino oder Lynch?
Lynch – hat das Kino in eine ganz andere Richtung getrieben, zu Stimmungen, Vermutungen, offenen Deutungen. Tarantino ist immer nett, aber der baut bereits angelegte Autobahnen bloß noch eine Spur breiter.

Interview Benyamin Bahri
Fotos Holger Isermann

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