Kennt ihr eigentlich schon...

... Inklusionswunder Andreas Rudnicki?
NW Foto Rudnicki 4 art
Wenn es darum geht, den inneren Schweinehund zu überwinden und seinen faulen Allerwertesten mal von der Couch zu bekommen, können wir uns wohl alle eine dicke Scheibe von Andreas Rudnicki abschneiden. Der 49-jährige Unternehmer ist geschäftsführender Gesellschafter dreier innovativer Unternehmen – Alphacool, Aquatuning und Azultec –, die sich mit Wasserkühlungssystemen für PCs und Server beschäftigen. Als wäre das nicht schon genug, ist Andreas zusätzlich erfolgreicher Leistungssportler – und das, obwohl er schwerbehindert ist. Rudnicki kam mit Klumpfüßen auf die Welt und musste während seiner Kindheit und Jugend 27 Operationen über sich ergehen lassen. Mit der Zeit hat sich der dreifache Familienvater ein Übergewicht von knapp 40 Kilogramm angenascht und ihm drohte, den Rest seines Lebens im Rollstuhl sitzen zu müssen. Die Kämpfernatur Andreas hat sich davon aber nicht unterkriegen lassen, hat seine Ernährung 2006 radikal umgestellt und es geschafft, fit zu werden, obwohl er seine Füße nicht bewegen kann und er keine Unterschenkelmuskulatur hat. Mittlerweile fährt das Stehaufmännchen Andreas jährlich rund 12 000 Kilometer mit dem Rad und räumt einen internationalen Titel nach dem anderen ab. Gefördert von der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung hat er vor kurzem sogar die Vereinsmeisterschaften der „Normalos“ des RSV Braunschweig gewonnen. Woher Andreas all seine Energie und Motivation nimmt, hat er uns im Interview verraten.
Wie bist du gerade zum Radsport gekommen?
Ich denke, in der Jugend ist jeder schon Rad gefahren – ich habe damals auch jeden möglichen Weg mit dem Fahrrad erkundet. Durch meine Selbstständigkeit kam ich später nicht mehr zum Sport, beziehungsweise konnte ich mich nicht dazu durchringen. Als unser zweites Kind 2006 zur Welt kam, musste ich etwas an meinem Leben ändern, da ich mit einer Körpergröße von 1,68 Meter fast 100 Kilo wog. Zu diesem Zeitpunkt fuhr mein Vater bis zu 100 Kilometer am Tag mit dem Rad. Also beschloss ich, mit ihm zu trainieren. Da ich ihm aber nicht folgen konnte, spornte mich das erst richtig an und seitdem bin ich süchtig danach.

Welches Ereignis hat dich angespornt, deinen Lebensstil zu verändern und Sportler zu werden?
Das Übergewicht zu dem damaligen Zeitpunkt und die Tatsache, dass meine Kinder in allen sportlichen Aktivitäten ausdauernder werden könnten als ich. Außerdem der Ehrgeiz, der mich als Unternehmer jeden Tag antreibt. Es war ein Leichtes, den Ehrgeiz in den sportlichen Bereich mitzunehmen.
Wie ist deine Familie mit diesem radikalen Wandel umgegangen?
Meine Familie hat komplett mitgezogen – von der Ernährungsumstellung bis zum Jubeln an der Rennstrecke. Wenn es nach meinen Kindern geht, darf ich niemals damit aufhören – sie sind meine größten Fans. Ich soll so lange Rennen fahren bis die Kinder meiner Kinder in der Lage sind, mich auch zu bejubeln.

Wie bekommst du Unternehmertum, Leistungssport und Familie unter einen Hut?
Ich bin eigentlich schon seit meinem Abitur durch die Liebe zur Computerwelt selbstständig. Durch meine Unternehmen habe ich auch nur begrenzt Zeit, die ich mir gut einteilen muss. Wenn man etwas aber wirklich will, bekommt man, in Absprache mit seiner Familie, alles hin. Glücklicherweise sind die Rennen alle am Wochenende. Und wenn die Rennen in Deutschland stattfinden, begleitet mich meine Familie, was ich sehr genieße.
Was sind deine Motivationstipps, um mehr Sport zu treiben und seinen Lebensstil zu verändern?
Aus Erfahrung weiß ich, dass alles von einem selbst abhängt. Ich habe mir gesagt, dass ich nie wieder 100 Kilogramm wiegen will und habe dann beschlossen, abzunehmen. Dazu habe ich mir ein Ziel-Gewicht gesetzt, welches ich erreichen will, habe mir dazu aber kein Zeitlimit festgelegt. Zu einer Ernährungsumstellung oder auch einem Wechsel im Lebenswandel kann ich jedem nur raten, mit einem Sport anzufangen.

Für was hättest du gerne mehr Disziplin?
Um auf das eine oder andere Glas Wein am Wochenende zu verzichten.

Wann bist du gerne mal richtig faul?
Jährlich mache ich zwei Mal für jeweils zwei Wochen eine Auszeit vom Training – im Frühjahr und im Herbst. Da mache ich rein gar nichts, bis ich wieder Lust habe, zu trainieren.

Was wolltest du als Kind werden?
Ich wollte immer mein eigener Chef sein. Gut, dass ich das umsetzen konnte.

Was tust du, wenn du nicht auf dem Rad sitzt?
Ich genieße die Zeit mit meiner Familie und am Wochenende mit Bekannten und Freunden.

Was muss in unserer Gesellschaft für ein inklusives Miteinander noch alles geschehen?
Ehrlich gesagt finde ich, dass sich die Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten soweit gewandelt hat, dass wir fast schon zu viel Inklusion betreiben. In einigen Bereichen übertreiben wir es auf Kosten von anderen, die meiner Meinung nach nichts mit Inklusion zu tun haben.

Wie setzt du Inklusion im Unternehmen um?
Das ist durch Zufall entstanden, Mitte der 2000er. Da gab es Förderungen für die Schaffung von Arbeitsplätzen für Schwerbehinderte. Die heutigen Neueinstellungen haben sich durch normale Bewerbungen ergeben. Für uns zählt, ob man zum Team passt oder nicht.

Welche Ziele stehen noch auf deiner Agenda?
Sportlich gesehen möchte ich noch einmal zur Paracycling-WM, beziehungsweise die Qualifikation zu den Paralympics in Toyko 2021.

Interview Louisa Ferch
Foto Andreas Rudnicki

User Rating: 5 / 5

SUBWAY Newsletter

 

Mit SUBWAY verpasst Du kein Event mehr in Braunschweig und der Region. Hol Dir unseren Newsletter!

Kontakt

SUBWAY – Eine Region, ein Magazin

#Redaktion

oeding magazin GmbH
Erzberg 45
38126 Braunschweig

Telefon: 0531-48015-134
Telefax: 0531-48015-79
E-Mail: info@subway.de