Serien vs. Realtität: Pure Leidenschaft, ewiges Hin und Her, Happy End.
Was machen die dramatischen Storys auf dem Bildschirm mit uns?
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Eigentlich wollen wir alle nur eins: glücklich verliebt sein. Aber irgendwie ist es doch aufregender, wenn dabei eben nicht alles so eindeutig und perfekt ist, oder? Warum sonst sollten wir „Gossip Girl“ bis zur sechsten Staffel durchschauen und mitfiebern, wie Chuck und Blair sich immer und immer wieder im Kreis drehen? Und wenn nach all den Strapazen, gebrochenen Herzen, Tränen und Dramen das lang ersehnte Happy End letztendlich doch eintritt, denken wir euphorisch: Es hat sich doch gelohnt. Viele Serien erzählen Copy-and-Paste die gleiche Geschichte mit unterschiedlichen Protagonisten.
Im Klassiker aller Arztserien „Doctors Diary“ versucht Gretchen Haase über drei Staffeln hinweg ihre Grundschulliebe, Oberarzt und Macho Marc Meier von sich zu überzeugen. Dieser interessiert sich weniger für eine feste Beziehung, merkt aber in der finalen Folge doch endlich, dass Gretchen Hasenzahn eine gute Partie ist und hält sie in letzter Sekunde am Flughafen davon ab, allein nach Afrika zu reisen. Happy End!
In „Grey’s Anatomy“ macht Meredith sich das Leben damit schwer, Chefarzt Derek, der als „McDreamy“ bekannt ist, zu erobern. Dieser ist nicht abgeneigt, vergisst jedoch, seine zerbrochene, noch nicht geschiedene Ehe zu erwähnen. Nach einer anfänglichen Schockstarre beschließt Meredith, um die Liebe zu kämpfen. Nur dauert es dann drei lange Staffeln, bis die beiden endlich ein Paar werden.
Die Liste der Serien, in denen sich dieses Ende-gut-alles-gut-Muster abzeichnet, ist unüberschaubar lang. Doch wie verhält sich das Liebes-Drama abseits der Flimmerkiste?
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Das Phänomen des Wirklichkeitstransfers
Schon Romeo und Julia, die wohl bekanntesten Liebenden aller Zeiten, haben gezeigt, wie dramatisch es in der Liebe zugehen kann. In Büchern, im Theater, auf Kinoleinwänden bis hin zum TV-Bildschirm erzählt die Liebe schon immer viele Geschichten. Ob diese eine Wirkung auf das echte Leben haben, kann das Phänomen des Wirklichkeitstransfers erklären. Dieser Transfer tritt vor allem beim Konsumieren fiktionaler Inhalte auf. Der Zuschauer versetzt sich in eine sekundäre, also die mediale Realität, was Auswirkungen auf die eigene Realität haben kann. Wie genau dieser Prozess abläuft, hängt allerdings von Faktoren wie persönlichen Dispositionen, Medieninhalten und Medientypen ab. Wir kennen hitzige Debatten darüber, ob Jugendliche eher zu Gewalt neigen, wenn sie häufig Ballerspiele zocken. Wissenschaftler und besorgte Eltern befürchten, dass die virtuellen Verhaltensweisen auch im Alltag durch Aggressionen zum Vorschein kommen. Das kann bei Serien ähnlich sein: Wird immer wieder gezeigt, dass man sich anstrengen muss, um liebenswert zu sein, kann dieses Schema auf das wahre Leben übertragen werden. Ob es um Meredith und Derek, Gretchen und Marc oder Chuck und Blair geht — die Identifikation mit Film- und Serienfiguren ist einfach und der Zuschauer findet schnell Gemeinsamkeiten im Verhalten und Auftreten.
Es geht auch anders
,,Ich liebe dich. Und ich weiß, dass du mich auch liebst. Sag mir, dass du mich liebst, und alles, was wir getan haben, all das Geschwätz und die Lügen und der Schmerz werden für etwas gewesen sein“, fleht etwa Blair in „Gossip Girl“ ihren Herzallerliebsten Chuck an. Oft wird versucht – mal unterschwelliger, mal offensichtlicher – jemanden zum Lieben zu überzeugen. Die hundertste zweite Chance wird dem Bad Boy geschenkt, der eigentlich nicht einmal die erste verdient hat. Dabei stirbt die Hoffnung, dass sich der Auserwählte verändert, zuletzt und ein Tiefpunkt jagt das nächste Hochgefühl. Serien und Filme sind unterhaltend, reißen uns mit und triggern auch mal tief verborgene Gefühle. Dieses Auf und Ab kann jedoch auch anstrengend oder gar toxisch sein. Aber was ist denn nun das Geheimnis echter Liebe, die vielleicht ein wenig zu langweilig und nicht leidenschaftlich genug für eine gute TV-Story ist? Vielleicht ist der Good Guy, der in Serien oftmals höchstens als bester Freund in Frage kommt, der eigentliche Top-Star? Laut einer aktuellen Studie von Elite-Partner kommt es nicht darauf an, wie leidenschaftlich in Endlosschleife umeinander gekämpft wurde, sondern darauf, dass man sich gegenseitig unterstützt. Teamwork im Alltag, Spaß und Tiefgang sowie einander Freiräume lassen, ohne sich jedoch komplett abzukapseln, seien die Basis für eine funktionierende Beziehung. Also lassen wir das Drama lieber auf dem Bildschirm und fokussieren uns auf unser Glück.

Text Lina Tauscher
Fotos Mykola Velychko-stock.adobe.com,
Disney General Entertainment Content / ABC

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