Schluss mit Trübsal blasen. Warum jetzt die Zeit ist, seine Beziehungen zu pflegen.
CA Virale Machenschaften c Good Studio art
Einigen fällt das karge Eremitendasein in diesen Tagen schwer. COVID-19 sät die Arbeitsfelder mit wüsten Schließungen, verwaisten (Home-)Offices und kahler Kurzarbeit. Damit steht mehr Zeit zur Verfügung, allerdings gibt es auch bedeutend weniger zu tun: Veranstaltungen fallen aus, Bars, Cafés und Clubs bleiben geschlossen, Freunde und Bekannte bleiben ebenfalls zu Hause. Das kann für das ein oder andere soziale Tier ganz schön trist werden. Allem Anschein trotzend ist dennoch jetzt die ideale Zeit, sich seinen Beziehungen zuzuwenden.
Das hat nicht nur praktische Gründe, sondern auch psychologische. Die Terror-Management-Theorie beschäftigt sich damit, wie Menschen es bewältigen, wenn sie mit ihrer eigenen Sterblichkeit konfrontiert werden. Nicht nur akute Lebensbedrohungen rufen dieses Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit hervor, sondern auch abstrakte Gefahren. Ein Virus wie Corona, obwohl er zumeist glimpflich verläuft, ist eine Erinnerung daran, dass niemand von uns ewig währt. Entsprechende Studien behaupten, dass der Mensch eine Tendenz dazu habe, sich in solchen Situationen auf höhere Werte zu besinnen. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass in Krisenzeiten die Relevanz von Religion oder Gemeinschaft steigt. Dieses verstärkte Zugehörigkeitsgefühl, zu einem bestimmten Fußballverein genauso wie zu der Kirche oder zu einer bestimmten Freundesgruppe, ist eine Form der Kompensation. Versteht man das eigene Dasein als Teil von etwas Größerem, so kommt einem diese Vergänglichkeit erträglicher vor.
Was, wenn‘s mich mal nicht mehr gibt?
Somit liegt es nahe, dass wir in diesen Tagen intensiver über Beziehungen und Gemeinschaftlichkeit nachgrübeln. Immerhin finden wir uns durchaus in einer paradoxen Zeit wieder, in der man Solidarität bekennt und seine Mitmenschen schützt, indem man sie meidet. Eine Bürde, die mitunter schwierig zu tragen ist, denn in der Einöde der eigenen Wohnlandschaft fällt einem allzu schnell die Decke auf den Kopf. Aber mit Freunden in Kontakt zu bleiben, ist heutzutage ja kein Hexenwerk mehr, schließlich gibt es das Internet. Endlich lohnt sich das üppige WLAN, das bislang noch nie versickert ist. Die Zahl an sozialen Netzwerken ist riesig. Außerdem sind Skype und FaceTime doch schon ziemlich nah dran an einem persönlichen Gespräch, oder?

Doch irgendwann hat man keinen Bock mehr, sich stundenlang das LED-Display ins Gesicht zu drücken. Mal ein bisschen Abstand zu haben, das ist bekanntlich ja auch mal ganz gut – immerhin kann man so seine Beziehungen reflektieren und erst so richtig wertschätzen lernen. Dass der gemeinsame Alltag wegfällt, kratzt so mancher Freundschaft jedoch ganz schön am Fundament. Manchmal ist das auch gar nicht so schlimm, wie sich später herausstellt. Doch jede Freundschaft beruht langfristig auf Hege und Pflege, verdient Aufmerksamkeit und eine gewisse Beständigkeit. Das derzeitig brachliegende Sozialleben, so absurd es klingt, kann eben diese Pflege fördern.
Kleine Gaben erhalten die Freundschaft
Du möchtest deinen Freunden in der faden Isolation eine Freude machen? Wie wäre es mit ein paar kleinen Aufmerksamkeiten? Es ist schön, zu merken, dass jemand an einen gedacht hat – ganz besonders, wenn man einander länger nicht gesehen hat. Eine Erinnerung an gemeinsame Zeiten kommt genau jetzt besonders gelegen: Wieso nicht ein Fotobuch vom gemeinsamen Urlaub zusammenstellen, wie man es schon ewig geplant hatte? Oder sich gleichzeitig selbst etwas Gutes tun und ein neues Hobby für sich entdecken, indem man Omas alte Nähmaschine vom Kellerstaub befreit und ein paar Kissenbezüge näht? Die übrigen Stoffreste lassen sich flugs in Bienenwachstücher oder Scrunchies verwandeln, sodass mit wenig Aufwand eine reiche Präsentauswahl entsteht. Ebenso ertragreich kann Sticken, Stricken oder Häkeln sein. Da kommen gut und gerne auch ein paar selbstgemachte Kostbarkeiten für die nächsten Geburtstage bei rum. Wer auf DIY-Kram nicht so steht, der kann genauso gut sein Lieblingsbuch als dringende Leseempfehlung an die Adresse einer Freundin schicken.

Nun muss man ja nicht immer auf Materielles zurückgreifen, um seine Gefühle sprudeln zu lassen. Ein langer, wohldurchdachter Brief, in dem man sich an die gemeinsamen Jahre erinnert, seinem Partner in Crime ein paar mitfühlende und wertschätzende Worte zukommen lässt und ein kleines Freundschaftsresümee zieht, kann der anderen Person ein Leben lang Freude bereiten. Oder man greift auf die gute, alte Postkarte zurück. Ein paar Zeilen aus dem Corona-Urlaub auf Balkonien können Balsam für die Seele sein, nicht nur für den Empfänger.
Alternativ gibt es Mittel und Wege, stilvoll die Meme-Kultur zu analogisieren: Einfach ein paar gagige Bilder anfertigen oder bestehende ausdrucken und ein kleines Briefkasten-Battle beginnen. Wer braucht schon Reddit und 9GAG, besonders in derart viralen Zeiten? Ein alter Karton transformiert sich schnell in einen Corona-Kalender, in dem für jeden Tag der Woche eine Botschaft oder eine kleine Aufgabe für den Tag versteckt ist. So lässt sich die Wartezeit mit Sicherheit etwas besser aushalten.

Wem all das nicht liegt oder zu albern ist, der greift zum Telefon und überredet seine Freunde zu einem wohldistanzierten Spaziergang im Park, schließlich hat Braunschweig genügend adrette Grünflächen. Sich an der frischen Luft mit angemessenem Sicherheitsabstand das Herz auszuschütten ist immer noch die beste Methode, einander geschützt und doch herzlich zu begegnen.

Es gibt so viele Möglichkeiten, mit geringem Aufwand zu zeigen, dass man aneinander denkt. Gerade in einer Zeit, in der Solidarität groß geschrieben werden muss, wird es offensichtlich, wie wichtig unsere Freundschaften und Beziehungen doch sind. Obwohl es gerade jetzt schwierig sein kann, diese zu bewahren und ihnen die verdiente Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, ist es den Aufwand allemal wert. 

Text Isabel Pinkowski
Grafik Good Studio - adobe.stock.com

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