Start-up-Gründerin Nele Marike Eble erobert mit ihrer Pralinenmanufaktur
Chokumi Schokoladenliebhaber und die Spitzengastronomie.
Es ist nicht einmal Mittag und mein Kopf nähert sich immer mehr der Tischplatte, während der Dozent irgendwas von Kostenrechnung erzählt und uns weismachen will, wie essentiell wichtig dieses Thema ist. Es interessiert mich einfach nicht. Ich habe schon vor zehn Vorlesungen meinen Notizblock zu Hause gelassen und vielleicht bleibt dort nächstes Mal auch meinen ganzer Körper, denn die bevorstehende Klausur wird so oder so ein Desaster.

Damals war ich gerade erst im zweiten Semester und schon restlos überfordert. Dabei hatte ich mir das Studentenleben so easy vorgestellt. Der Plan für mein Leben stand schon lange vor meinem Schulabschluss fest: Ein gutes Abitur machen, über den Sommer jobben und dann mit dem Studium beginnen, viele neue interessante Dinge lernen, nach dem Bachelor noch einen Master absolvieren und dann mit Vollgas ins Berufsleben einsteigen. Ich bin mir sicher, dass hunderte von jungen Menschen in Deutschland einen ähnlichen Plan haben. Und ich bin mir noch sicherer, dass der bei vielen nicht aufgegangen ist. Nicht jeder findet im Studium die ultimative Erfüllung und oftmals werden Erwartungen enttäuscht.

Ich war gelangweilt, frustriert, schrieb in einigen Modulen schlechte Noten und manchmal besaß ich nicht ein Fünkchen Motivation, um meinen Hintern in die Uni zu kriegen. Was, wenn diese anfänglich temporäre Unzufriedenheit jedoch zu einer Belastung wird, die sich nicht mehr ignorieren lässt? Bei etlichen Studenten keimt in dieser Situation der Wunsch nach einem Studienabbruch auf, doch die Angst vor diesem Schritt ist riesig.



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Unüberlegtes Handeln
Man ist nicht allein: Laut Bundesbildungsministerium bricht fast jeder dritte Bachelorstudent in Deutschland das Studium ab. Neben falschen Vorstellungen und zu hohen Anforderungen kann es viele Gründe für diese Entscheidung geben. Studieren liegt heutzutage im Trend, es scheint der ideale Bildungsweg zu sein, ganz nach dem Motto: Wenn man das Abitur in der Tasche hat, soll man gefälligst auch studieren gehen, sonst kann man eh nichts erreichen. Familiärer oder gesellschaftlicher Druck verleitet viele Abiturienten zu einem unüberlegten Studienbeginn. Dabei fällt ihnen erst auf, dass all die theoretischen und wissenschaftlichen Inhalte nicht zu ihnen passen, wenn sie längst immatrikuliert sind. Die Angst, das Studium endgültig abzubrechen und damit wieder bei null zu stehen, ist groß. Man könnte schließlich in eine Stigma-Falle geraten, als nicht intelligent genug oder faul abgestempelt werden. Deshalb ist es besonders wichtig, zunächst tief durchzuatmen und sich selbst zu reflektieren.
Selbstreflexion hilft
Um keine vorschnelle Entscheidung zu treffen, kann man sich zunächst einige Fragen stellen. Zum Beispiel, ob es Vorlesungen oder Seminare gibt, die einen trotz allem noch interessieren und in denen man seine persönlichen Stärken einbringen kann. Und auch, wenn das aktuell vielleicht nicht der Fall sein sollte, ist es ratsam, einen Blick auf die kommenden Module zu werfen, um abzuchecken, ob sie den Studiengang in Zukunft wieder attraktiver machen könnten.
Ich habe selbst das ein oder andere Mal ans Abbrechen gedacht, aber wirklich überzeugt war ich davon nie. Ja, Dozenten können einen zum Einschlafen bringen und ja, ich habe so manches Modul mit jeder Faser meines Körpers gehasst. Trotzdem habe ich die Arschbacken zusammengekniffen, all meine Prüfungen bestanden und irgendwann ist mir klargeworden, dass mich mein Studium bereits weit gebracht hat. Ich bin froh über diese Erkenntnis. Dennoch darf man einen Studienabbruch nicht als „letzten Ausweg“ betiteln. Es ist nicht hilfreich, diese Entscheidung um jeden Preis verhindern zu wollen. Denn wenn man sich nur noch quält, sollte man diesen Weg ganz bewusst und entschlossen gehen.
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Ausbildung als Alternative
Statt jetzt den Kopf in den Sand zu stecken und tagelang ins Kissen zu heulen, gilt es, nach einer Alternative Ausschau zu halten. Im Idealfall hat man natürlich schon vor dem Studienabbruch darüber nachgedacht, wie es weitergehen soll. Falls einem nur die Fachrichtung nicht liegt, kann man natürlich den Studiengang wechseln. Doch viel häufiger kommt es vor, dass ehemalige Studenten sich eher zu einer praxisnahen Tätigkeit hingezogen fühlen. Für Ausbildungsbetriebe ist das ein Segen, denn sie suchen händeringend nach qualifizierten Bewerbern. Während die Zahl der Studenten in Deutschland von Jahr zu Jahr ansteigt, bleiben zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt. Dabei öffnet eine schulische oder betriebliche Ausbildung viele Türen und bietet gute Karrierechancen. Um den ehemaligen Studenten einen problemlosen Übergang zu ermöglichen, gibt es von vielen Hochschulen, der Bundesagentur für Arbeit oder der Handwerkskammer Programme für alternative Möglichkeiten.
Seit August 2018 ist das Projekt „Wegbereiter – Perspektiven trotz Studienabbruch“ Teil der Zentralen Studienberatung an der TU Braunschweig. Im Rahmen individueller Beratungen soll Studenten aus der ganzen Region bei Studienzweifeln oder Abbruchgedanken geholfen werden. Denjenigen, die bereits vor einem neuen beruflichen Lebensabschnitt stehen, soll Orientierung geboten werden. Eine Ausbildung als Studienabbrecher zu absolvieren ist nämlich ziemlich chillig, da man die Lehrzeit fast immer bis zu ein Jahr verkürzen und im Handwerk seinen Meisterbrief erhalten kann. Vielen Meistern in Handwerksbetrieben fehlen Nachfolger, weshalb sie Studienabbrecher mithilfe von Programmen wie „Wegbereiter“ für eine Führungsposition begeistern wollen. Die Anwärter haben ein Abitur in der Tasche und erfüllen somit meist schon viele Voraussetzungen. Außerdem sind die ehemaligen Studenten älter als die üblichen Bewerber und bringen mitunter sogar Erfahrung mit, wenn sie schon ein paar Semester in der entsprechenden Fachrichtung studiert haben.
Lasst euch nicht einreden, es gäbe nur den einen richtigen Weg. Das Leben hat unzählige Abzweigungen und manchmal muss man den Mut aufbringen, eine von ihnen zu nehmen. Dabei ist es wichtig, nie sein Selbstvertrauen zu verlieren und Verantwortung für seine Entscheidungen zu übernehmen. Aber bevor ihr jetzt euren gesamten Lebensweg anzweifelt – erst denken, dann handeln! Das gilt sowohl für den Studienbeginn als auch für den Studienabbruch.

Text Allegra Wendemuth
Fotos christophe papke, drubig-photo-stock.adobe.com

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