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Medienwirksam abhauen

Berichte von deutschen Auswanderern füllen nicht mehr nur etliche Regalmeter in Buchhandlungen und Büchereien, sondern mittlerweile auch das Fernsehprogramm. Bis in die Primetime haben sie es geschafft, die Auswanderer. Zahlreiche Fernsehsendungen zeigen, wie es geht… oder was noch viel interessanter ist, wie es nicht geht. Dienstags läuft auf Vox »Goodbye Deutschland! Die Auswanderer« (1,39 Millionen Zuschauer, bei 5,2 Prozent Marktanteil). Kabel 1 zeigt donnerstags »Mein neues Leben«. Die ARD hatte »Deutschland ade« im Programm und RTL sendet montags den »Umzug in ein neues Leben«, bei dem man praktische Auswanderertipps gleich mitnotieren kann.
Dass die Menschen ihren Lebensmittelpunkt gleich scharenweise verlagern, ist ein aktueller Trend im Wirtschaftswunderland Deutschland, das bislang stets selbst als Ziel zahlloser Flüchtlinge aus aller Welt galt. Es tut einfach gut, unsereins mal auf fremden Kontinenten zu beobachten. Leute wie Konny Reimann, der mit seiner Familie 2003 dem verregneten Hamburg den Rücken kehrte – mit einem Kamerateam von RTL im Schlepptau. Am Moss Lake, 1,5 Stunden nördlich von Dallas, ließ sich Familie Reimann nieder und ist zwischenzeitlich zu einem TV-Quotenrenner avanciert. Was sie sicherlich auch der Tatsache verdankt, dass sich Investigativ-Ikone Birgit Schrowange der Abtrünnigen annahm und die Reimannschen Erlebnisse in ihrem Magazin »Extra« verwurstete. Damit war die Mutter aller Auswanderer-Doku-Soaps geboren. Auf Konnys Homepage verfolgen seine Fans seither regelmäßig die neuesten Ideen des Wahl-Texaners. Selbstverständlich können dort auch Merchandise-Artikel bestellt werden: Hamburg-Texas-Shirts oder Konny-Tassen.

Fake-Cowboy Konny and Family
Fake-Cowboy Konny and Family
So simpel die Auswanderer-Reportagen auch gestrickt sind: Sie wecken das Interesse und die Schadenfreude, weil eben nicht alle mit der Leichtigkeit eines Konny, sondern eher mit Leichtfertigkeit gesegnet sind: In der gerade bezogenen Finca mitten in der Pampa gibt es weder Wasser noch Strom? Na, so was! Überhaupt wirkten die Räume auf den Fotos im Internet doch viel größer. Was, auch im Ausland braucht man einen speziellen Führerschein, um LKW fahren zu dürfen? Hinzu kommen die Tränenszenen, wenn die Verabschiedung von Tante Trude ansteht, die bedauerlicherweise im kalten Castrop-Rauxel zurückbleiben muss oder wenn die Teenager-Tochter einer Kabel-1-Familie erst vor Ort erfährt, dass sie im neuen Land die neunte Klasse noch mal machen muss. Auch ist der Unterhaltungswert der zahlreichen Schocksituationen nicht zu unterschätzen. Beispielsweise, wenn der bestellte Container für den ganzen Krempel, der mit muss, doch zu klein ist. Auswandern im Fernsehen bedeutet: hinfallen, wieder aufstehen und vielleicht ein Happy-End. Und wenn der Neustart unter Palmen wirklich missglückt? Halb so schlimm, dann geht’s als Hauptdarsteller der Vox-Reihe »Die Rückwanderer« eben retour nach good old Germany.

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