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Begonnen hat er als Jo Zenker in der „Lindenstraße“, bekannt wurde er als „Manta Manta“-Macho, dann kam der große Durchbruch als „Der bewegte Mann“. Nach der „Männerpension“ lockte Til Schweiger mit der Tragikomödie „Knockin’ on Heaven’s Door“ stolze 3,7 Millionen Besucher ins Kino. Weit weniger erfolgreich gerieten das polnische Drama „Brute“ sowie der US-Film „SLC Punk“. Und auch sein Regiedebüt „Der Eisbär“ blieb hinter den Erwartungen zurück. Nun spielt Tilman Schweiger in Bernd Eichingers Maria Callas-Film „Der große Bagarozy“ einen lebensmüden Teufel. SUBWAY unterhielt sich mit dem deutschen Kino-Sex-Symbol.
Laut Presseheft sind Sie der größte Star des deutschen Kinos...
„Also das habe ich nicht selbst geschrieben. Wenn dem denn so sein sollte, fände ich es traurig, dass es nicht mehr Stars gibt. Das Grundübel liegt einfach darin, dass es nicht genügend deutsche Filme gibt. Wenn da einer ist wie zum Beispiel Moritz Bleibtreu, der mit einer kleinen Rolle in „Knockin’ on Heaven’s Door“ bekannt wurde, dann fehlt einfach eine Industrie, die nun ganz schnell viele Projekte entwickelt, die ganz auf Moritz Bleibtreu zugeschnitten sind. Oder warum schreibt nicht jeder Autor nun Stoffe für einen Benno Führmann? In Amerika würde genau das passieren. Hinzu kommt noch erschwerend, dass bei uns oft das Geld fehlt, um solche Stoffe auch richtig zu entwickeln.“
Den Teufel zu spielen ist keine leichte Aufgabe – schaut man sich dazu vorher Videos mit Al Pacino an oder schlägt bei Gründgens nach?
„Der Teufel ist eine Fantasie-Figur, die kann man sich nur vorstellen. Es bringt nichts, wenn man sich dazu vorher andere Filme anschaut. Wie willst du dich auf den Teufel vorbereiten? Ich kann ja nicht in den Orkus hinabsteigen und recherchieren. Bei der Rolle war für mich allein schon die Art, wie diese Figur spricht, eine reizvolle Herausforderung. Zuerst sagte ich dem Regisseur Bernd Eichinger: Hey, so redet doch kein Mensch. Darauf meinte er: Genau, das ist ja auch kein Mensch, das ist der Teufel. Der hat seine ganz eigene Sprache.“
Ist das eine Rolle, wo es Ihnen endlich mal möglich ist zu zeigen, was Sie können?
„Naja, es gab und gibt noch immer dieses Image, wonach ich nur der Gesichtsvermieter wäre. Da kann ich 50 Räder schlagen, bei einigen Leuten wird dieses Image dennoch immer so bleiben. Gelitten habe ich darunter nie, ich hatte nie das Gefühl, die verkennen dein Talent und du musst nun etwas beweisen.“
Sehen Sie sich denn auch selbst gerne auf der großen Leinwand?
„Ich sitze jedenfalls nicht im Kino und denke „oh Gott wie sieht meine Frisur da wieder aus“. Wenn ich mich auf der Leinwand sehe, schaue ich vor allem danach, wie ich gespielt habe – und ärgere mich enorm über Szenen, in denen ich nicht gut war. Natürlich hat man’s lieber, wenn man gut aussieht als umgekehrt. Es gibt Kameramänner, die inszenieren einen wie gute Fotografen. Die können die gleiche Person schön aussehen lassen oder hässlich.“
Im Film spielen Sie den teuflischen Entdecker der Maria Callas – wie stehen Sie zu der Diva?
„Ich habe mich mit der Callas vorher nie großartig beschäftigt. Ich wusste, wer sie war und habe sicher auch schon einmal ein Stück von ihr gehört. Bernd Eichinger hat uns allen vor dem Film eine CD geschenkt. Mir hat nicht alles davon gefallen und ich würde das nicht jeden Tag hören – aber manchmal hat das schon eine unglaubliche Wirkung.“
Wie weit haben Sie das Kapitel „Eisbär“ abgeschlossen – ist der Misserfolg noch ein Trauma?
„Nein, weder Trauma noch Misserfolg. Der Film hat meine Erwartungen zwar nicht erfüllt. Aber Flop kann man dazu überhaupt nicht sagen: Wir hatten 800000 Besucher, niemand hat dabei Geld verloren. Ich bin noch immer super stolz auf den Film, wenngleich ich heute vielleicht manche Sachen anders machen würde.“
Würden Sie heute noch einen Film wie „Bastard“ oder „SLC Punk“ machen?
„Aber ja doch. Es war nie geplant, dass „Bastard“ oder „SLC Punk“ kommerzielle Erfolge würden. Der eine hat mir immerhin einen polnischen Oscar gebracht, bei „Punk“ bekamen wir sehr gute US-Kritiken und waren Eröffnungsfilm auf dem Sundance Festival. Mit den Jungs von „SLC Punk“ habe ich gerade „Magicians“ abgedreht, meine erste Hauptrolle in Amerika. Da spiele ich den unbegabtesten Zauberer von New York.“
Haben sie noch weitere Regie-Pläne?
„Nächstes Jahr werde ich mit „The legendary Jimmy Jazz“ meine erste Regie in Amerika machen. Das ist eine sehr poetische Geschichte von einem kleinen weissen Jungen, der sich einbildet, er wäre die Reinkarnation von einem berühmten schwarzen Jazzmusiker. Da spiele ich allerdings nicht selbst mit.“
Sie leben teilweise in Amerika. Ist das eine Erleichterung ohne ständige Fans. Oder fehlt einem das Schulterklopfen bisweilen?
„Wenn mein Ego das bräuchte, müsste ich in Santa Monica einfach auf die dritte Strasse gehen, da laufen immer viele Deutsche herum. Aber ich brauche das wirklich nicht. Für mich ist es ein Genuss, mich wieder so frei bewegen zu können wie damals, bevor einer gesagt hat, ich sei nun ein Sexsymbol.“
Interview: Dieter Oßwald Foto: Constantin Film
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