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„I should Coco“ nannten Supergrass ihr furioses Debut, auf dem sie fröhlich und unbekümmert Partyhymnen und Songs mit eingängigen Melodien spielten, als ginge es darum, den Gitarrenpop neu zu erfinden. Sie seien lediglich „In it for the money“, wollten sie uns mit dem Follow-Up weismachen – wobei jene Songs schwerer und erdiger klangen, weniger Hit-Appeal hatten: „Das letzte Album hat sich in England nicht so gut verkauft, es war aber auch kein Desaster“, wie Bassist Micky im Gespräch mit SUBWAY reflektiert: „Es bekam gute Kritiken“ – nun, das typische Problem mit dem Nachfolger für ein grandioses Debut eben.
Nun sind die drei englischen Twenty-somethings wieder da, und um allen Vorab-Deutungsversuchen den Wind aus den Segeln zu nehmen, nennen sie das neue Album ebenso schlicht wie selbstbewusst „Supergrass“. Gitarrist & Sänger Gaz erklärt: „In it for the Money war sehr beladen und weitläufig, nun wollten wir es ein bisschen rauer und auf den Punkt bringen. Aber wir hatten keine spezielle Veränderung in irgendeine bestimmte Richtung vor Augen.“
Nach den beiden Vorgängern wäre das dritte nun klassischerweise „das reife Album“? Laut Drummer Danny nicht wirklich; „es ist einfach ein bisschen entspannter, nicht unbedingt reifer. Es sind immer noch verrückte Texte drauf...“ Und Micky ergänzt: „Niemand wird jünger. Ich nehme an, man muss einfach besser werden. Aber ob das nun Reife oder einfach eine umfassendere Vorstellung von dem eigenen Treiben ist – du wirst ja auch älter, langsamer, fängst an zu kleckern und Pantoffeln zu tragen – von daher ist das auch kein Wert an sich.“
Nachdem „Pumping On Your Stereo“ mit dem kuriosen Muppets-Lookalike-Clip aus den Jim Henson-Studios schon eifrig über den Äther pumpte, rollt nun das melodramatische „Moving“ in die Charts. Längst nicht die einzigen Eckpunkte des Albums, das noch Disco-Stomper-Bassläufe, Balladen mit Klavier und Akkustikgitarren und immer wieder Parts mit Hang zum Bombastischen, gleichwohl mit der Vorsicht vor Überflüssigem bereithält. Jede Menge Vielfalt, geeint durch schier ungestüme Spielfreude. Die zeitlosen Qualitäten britischer Pop- und Rockmusik finden sich hier verdichtet und die Leichtigkeit, mit der sie musikalisch durch die Musikgeschichte fegen, findet sich auch textlich: Chronischen Misanthropen halten sie die Frage „What went wrong in your head?“ entgegen, besingen „Beautiful People“, „Mama & Papa“ und behaupten „Jesus Came From Outta Space“. „Wir versuchen, als Alternative zu Mainstream, Dance oder anderer schrecklicher Chart-Musik rüberzukommen“, so Micky über das Selbstverständnis von Supergrass. Gewiss eine lohnende Alternative.
Text: Matthias Schröder Foto: Jürgen Teller
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