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Man stelle sich einmal vor: 70er Jahre, Teenager und – die DDR. Für viele von uns wohl ein einigermaßen schwer zu vollziehendes Gedankenexperiment. „Sonnenallee” bietet dafür einen optimalen Einstieg. Und einen ziemlich coolen noch dazu! Auch dort und damals wurde bereits gerockt. Und wie. Die Clique von Micha und Mario hat mit der Pubertät alle Hände voll zu tun: Wehrdienst oder nicht, erste Drogenerfahrungen und Rock’n’Roll. Als dann auch noch Schulschönheit Miriam die Szene betritt, ist das Setting für eine wunderbare Komödie dies- und jenseits des Todesstreifens perfekt.
Im ehemaligen Berliner Grenzgebiet, in der durch die Mauer zweigeteilten Sonnenallee, wird ein Panoptikum schräger Figuren ausgebreitet: Michas systemkritische und -müde Eltern, der asbest-phobische West-Onkel, der auf herzerweichende Art und Weise Nylon-Strümpfe schmuggelt, Wuschel, der für die neue Rolling Stones-LP alles tun würde und der Abschnittsbevollmächtigte Horkefeld (Detlev Buck), der sich trotz absoluter Loyalität auf der Karriereleiter leider in die falsche Richtung bewegt.
Passend zum 50sten Jahrestag der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik bringen Regisseur Leander Haußmann und Drehbuchautor Thomas Brussig am 7. Oktober diesen Film über die DDR in die Kinos. „Ob das wohl politisch korrekt über die Bühne gehen wird?“ werden sich dabei sicherlich einige Westler fragen. Andere (Ossis?) werden lauthals „Verräter” oder „Revisionisten” schreien, weisen die beiden Realisatoren doch waschechte Ost-Biografien aus. Aber der Umgang mit (dem vermeintlichen?) Dunkeldeutschland erweist sich durchweg als vollkommen souverän und angenehm ironisch, so dass die Anschuldigungen auch ohne den Verweis auf die beabsichtigte Ir- oder Surrealität ins Leere laufen. „Die DDR eignet sich nur zur Burleske”, findet Drehbuchautor Brussing und hat diese mit „Sonnenallee“ zu Papier gebracht. Haußmann hat daraus einen Film gemacht, der von den Schauspielern über den 70er-Jahre-Look, von den Choreographien bis zur Notdurft auf den antifaschistischen Schutzwall absolut sehenswert ist.
Text: Hannes Gmelin Foto: Delphi
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