„Es macht Spaß, Spaß zu haben“

Mike Myers mimt den sexy Sechziger Jahre- Spion in geheimer Missionarsstellung

So witzig wird man Millionär: Mit „Wayne’s World“ spielte Mike Myers einst mehr als 180 Millionen Dollar ein. Sein jüngster Streich, „Austin Powers 2“, lag gleichfalls wochenlang an der Spitze der US-Hitparade. Der 36-jährige Kanadier hat das Comedy-Handwerk freilich von klein auf gelernt. Bereits einen Tag nach seinem Schulabschluss ging er mit einer Komiker-Truppe auf Tournee, 1989 wurde er für’s legendäre „Saturday Night Live“ entdeckt – jener TV-Satire-Schmiede, aus der schon Steve Martin, John Belushi und Dan Aykroyd kamen. Mit „Austin Powers“ schuf Myers vor zwei Jahren eine schräge James Bond-Parodie mit Kult-Faktor. Nun folgt der zweite Streich, Untertitel: „Spion in geheimer Missionarsstellung“. SUBWAY sprach mit dem Komiker und Fussball-Bundesliga-Fan.

Wieviele Gags sind in dem Film?

„Leider konnte ich keine vollständige Witz-Zählung vornehmen. Aber ich schätze, es sind eine Menge. Auf alle Fälle sind es mehr Gags als im letzten Teil.“

Ihre Sprüche aus „Wayne’s World“ fanden Eingang in den Jugendslang, bei „Austin Powers“ zeichnet sich dasselbe ab.

„Ich hätte mir nie im Leben vorstellen können, dass Leute die Dialoge aus meinen Filmen im realen Leben übernehmen würden. Das geht bis in die höchsten Kreise. Man hat mir erzählt, dass auch König Hussein ein Fan von „Austin“ war. Er soll zu einem Treffen ins Pentagon gegangen sein. Zu dieser Zeit war er schon in Chemotherapie-Behandlung und hatte eine Glatze. Er sah Dr. Evil also nicht ganz unähnlich. Und tatsächlich stand er bei den Verhandlungen auf, legte den kleinen Finger an seine Lippe und sagte: Gentlemen, ich möchte zwanzig F 16-Flugzeuge und eine Million Dollar.“

Woher haben Sie diese Geschichte?

„Aus einer sehr glaubwürdigen Quelle...“

Wie sind Sie auf die Idee zu der Austin Powers-Figur gekommen?

„Das ist eine sentimentale Geschichte: mein Vater starb 1991, danach machte ich eine sehr lange Pause. Weil „Wayne’s World“ so erfolgreich war, bekam ich laufend Drehbücher angeboten. Doch die sprachen mich alle nicht an. Ich verbrachte meine Zeit lieber mit Hockey, lernte Gitarre spielen und habe viel gelesen. In diesen Monaten tauchten immer wieder Erinnerungen an meinen Vater auf. Der war ein großer Fan von Monty Python, von Peter Sellers und natürlich von James Bond – ausserdem war er Brite. Als ich im Radio den Song „The Look of Love“ hörte, redete ich aus Spass im Slang der 60er Jahre. Meine Frau fand das sehr witzig und meinte, ich solle daraus etwas machen. Im Grunde hat also die Erinnerung an meinen verstorbenen Vater die Figur des Austin Powers geschaffen.“

Wie war der Weg von der Idee zum Film?

„Nachdem ich diese erste Idee hatte, überkam es mich: Ich schrieb das Drehbuch in nur drei Wochen. Zufällig rief mich kurz darauf ein Chef des New Line-Studios an und fragte, was ich so machte. Als er von dem Skript hörte, wollte er es sofort lesen. Ich schickte es ihm. Er las es am Morgen. Schon am Nachmittag gab er grünes Licht für das Projekt – das ist wohl ziemlich einmalig in Hollywood.“

Haben Sie schon damals über eine Fortsetzung nachgedacht?

„Ich denke nie in Fortsetzungen. Ich glaube immer, mein aktueller Film wäre das letzte Projekt, das ich mache. Doch nachdem ich zwei ernsthafte Filme gedreht hatte („Studio 54“ und „Pete’s Meteor“), wollte ich wieder etwas Lustiges machen. Nachdem wir beim Dreh des ersten Austin so viel Spass hatten wie bei keinem anderen Film je zuvor, war ein zweiter Teil verlockend. Dabei hatte ich dann den größten Spass meines Lebens. Und sie wissen ja: Es macht echt Spass, Spass zu haben!“

Wird „Austin“ nun selbst zu einer dauerhaften Kino-Serie wie sein Vorbild James Bond?

„Im Unterschied zu „Wayne’s World“, deren Spässe definitiv abgeschlossen sind, können auf einen Austin Powers tatsächlich immer neue Abenteuer warten. Wenn man mir ein Angebot machen würde, dass jeder zweite meiner Filme ein Austin Powers sein sollte, würde ich in jedem Fall zustimmen.“

Was fasziniert sie an den 60ern?

„Damals war einfach alles sexy, selbst ein Jumbojet galt als sexy. Sex war das letzte Abenteuer jener Zeit. Und jede Art von Obsession bietet bekanntlich einen guten Stoff für eine Komödie. Umso mehr, wenn dann ein Typ aus den Swingin’ Sixties diese Triebhaftigkeit auch noch in unserer Zeit ausspielen will. Denn inzwischen ist das ja alles längst vorbei – aber nicht für jemanden wie Austin Powers.“

Sind die 90er schlicht zu langweilig für sie?

„Ich habe den Eindruck, dass es heutzutage keinerlei Bewegung mehr gibt. Nehmen sie zum Beispiel nur einmal die Musik: Rockmusik ist inzwischen vierzig Jahre alt, Punk war 1977. Es gibt nichts neues. Auch Techno recycelt nur alte Melodien und mischt sie unter die Beats von Kraftwerk. Am Ende des Jahrhunderts bedienen wir uns lediglich noch an den Elementen aus der Popkultur von früher.“

Austin hat diesmal neue Gegenspieler dazu bekommen, Dr. Evil gibt es nun auch als zwergenhafte Klon-Version: einen „Mini-Me“...

„Als ich diesen kleinen Kerl auf dem Klavier mit Marlon Brando sah, dachte ich: Das ist es. Dr. Evil muss unbedingt auch so eine Achtel-Replik von sich haben, weil ich noch nie zuvor etwas Schrilleres gesehen hatte. Doch da man bei unserem „Mini-Me“ einige Fehler gemacht hat, kann er sich nur mit Grunzlauten verständigen. Er kann knurren, er beisst, aber in Wirklichkeit hat er nicht viel zu sagen.“

Der andere Bösewicht ist ein super fetter Schotte, den Sie ebenfalls spielen...

„Es hat jedes Mal fünf Stunden gedauert, bis dieses Make-up fertig und das Kostüm angelegt war. Fat Bastard verfügt immerhin über einen Hüftumfang von 150 Zentimetern. Das Kostüm war ziemlich schwer und überaus unbequem. Außerdem unerträglich heiss. Aber es hat trotzdem ziemlichen Spass gemacht: Es ist einfach toll, wenn man sich den ganzen Tag ungestraft wie ein Schwein benehmen darf.“

Haben Sie irgendwelche Vorbilder?

„Ohne mich mit den Meistern ernsthaft messen zu wollen: Peter Sellers, Alec Guiness, Bob Hope, Woody Allen, Dan Aykroyd. Die gute alte klassische Form: der Feigling als Held. Die Komödianten der 80er Jahre sind dagegen ganz anders: die sind cool und stark, siehe Eddie Murphie oder Bill Murray.“

Interview: Dieter Oßwald
Foto: Kinowelt
Mike Myers

außerdem in SUBWAY 10/99:

Thema

Vans Warped Tour 99

Gesellschaft

Holger Speckhahn
Rüdiger Nehberg & Lars Spanger
Pokémon
Fahrschule
Schacht Konrad
Wasserball
Mike Kelley
Göttinger Literaturherbst
Wushu

Leinwand

Interview: Til Schweiger
Interview: Mike Myers
Klaus Kinski
Interview: Stan Winston
Sonnenallee
Verhandlungssache
Die Braut, die sich nicht traut
Der große Bagarozy
Austin Powers 2
Gloomy Sunday
Inspector Gadget
Ein Sommernachtstraum

Musik

Interview: Apollo 440
Interview: Tom Jones
Pet Shop Boys
Supergrass
Alex Gopher
Mouse on Mars
Rocko Schamoni
Tindersticks
Absolute Beginners - Job-Info
El Kurdi spricht deutsch - Kolumne
Frl. Zapf - Fotoroman

Mehr SUBWAY

SubwayOnlineShop
Jobs
Kontaktboerse
Partybilder
SUBWAY89ers
Konzertkarten

SUBWAY Braunschweig
indigo Wolfsburg

World of SUBWAY