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Tom Jones ist der Tiger. Es gibt nur wenige, die eine vergleichbar lange Karriere hinter sich gebracht haben. Geht er auf die Bühne, erfüllt eine sexy Energie den Saal, die alles zum Kochen bringt. Wenn der 59-jährige Waliser nun auf seinem neuen Album mit bekannten Pop-Acts wie den Cardigans, Stereophonics oder Robbie Williams im Duett singt und auch mit Künstlern wie Mousse T. und Portishead zusammenarbeitet, dann liegen sich Generationen glückseelig in den Armen und der Kreis scheint geschlossen. SUBWAY hing an den Lippen des Womanizers, Teddy-Boys und Elvis-Buddys, der am 16. Oktober bei „Wetten dass...?“ seine neue Single „Burning Down The House“ erstmals live in Deutschland vorstellen wird.
Wie kam es zu „Reload“, Ihrem neuen Album?
Als Cerys Matthews von Catatonia das Stück „The Ballad Of Tom Jones“ mit Tommy Scott von Space aufgenommen hatte, erzählte ich ihr, dass es ein großartiges Duett wäre. Und da fragte sie mich: „Und warum machen wir nicht mal ein Duett?“ Das war das Ausschlaggebende.“
Wie war es bei den anderen Beteiligten?
„Bei Künstlern wie Portishead, von denen ich bis dato nur den Namen wusste, hörte ich mir ihre Sachen erst einmal an. Die Cardigans kannte ich durch ihre Hitsingles, das gleiche gilt für Natalie Imbruglia. Eigentlich waren nur zwölf Duette geplant, aber die Songs wurden so gut, dass wir keines der siebzehn Stücke von der Platte nehmen wollten.“
Viele Ihrer Gesangspartner sind Künstler, die eher aus dem Indie-Lager kommen.
„Dies ist mein erstes Duett-Album, aber ich habe schon mit vielen anderen Musikern auf der Bühne zusammen gesungen, die ich damals als Jugendlicher hörte: Jerry Lee Lewis, Little Richard oder Aretha Franklin. Ich wollte jedoch etwas mit Künstlern zusammen machen, die heute aktuell sind. Manche sind weniger bekannt als andere. Aber sie sind alle interessant. So kam es z.B. zur Zusammenarbeit mit Portishead oder Space, die völlig anders sind als andere Bands. Vermischt mit reinen Popsängern wie Robbie Williams ergab das eine schöne Mischung.“
Woher kommt bei Ihnen dieses Interesse für moderne Popmusik?
„Ich war immer angetan von moderner Musik, da ich wissen will, was gerade passiert. Ich weiß, dass viele Künstler der 60er Jahre kaum an den Sachen interessiert sind, die heutzutage veröffentlicht werden. Wenn sie Platten aufnehmen, machen sie es auf die gleiche Weise, wie sie es immer taten. Die Rolling Stones zum Beispiel: Sie sind immer noch sehr erfolgreich, aber sie arbeiten auf dieselbe Art wie damals. Ich arbeite gerne mit neuen Produzenten und neuen Sounds, möchte schon meine Identität und den Klang meiner Stimme behalten, aber ich liebe eben die Herausforderung.“
Ihr erster erfolgreicher Versuch war 1988 „Kiss“, eine Zusammenarbeit mit der Gruppe Art Of Noise.
„Der Song hat mich auch bei den jüngeren Kids bekannt gemacht, die vorher nur meinen Namen kannten. Zu „Kiss“ drehten wir auch ein Video, das damals den MTV-Video-Award bekam. Ich meine, das war das erste Mal, dass ich überhaupt auf MTV war und dann gewann ich auch noch einen Preis.“
Was hat Sie dazu bewegt, Anfang der 70er den Schritt nach Las Vegas zu machen?
„Ich bin 1968 nach Las Vegas gegangen, da sie mir einen wirklich großen Vertrag angeboten haben. Ich war schon 1967 da, um mir die Stadt anzuschauen und ich habe sie gemocht. Ich liebe diese großen Showrooms und es ist wirklich ein guter Ort für Künstler zu arbeiten. Und sie kamen alle, um mich zu sehen. Auch Elvis Presley. Es war eine aufregende Zeit und sie boten mir eine Vertragsverlängerung an, dann noch eine und noch eine...“
Sie waren mit Elvis Presley befreundet, haben auch häufig miteinander gejamt...
„Ja, wir haben viel miteinander gejamt. Ich hatte 1969 ein paar Shows auf Hawaii und er war in seinen Ferien da. Er kam zu meinen Gigs, und als ich einen Tag frei hatte, bin ich zu seinem Ferienhaus gefahren, wo er zwei Gitarren stehen hatte. Dort haben wir fast den ganzen Tag gesungen. Auch In Las Vegas trafen wir uns oft nach unseren Auftritten in der Hotelsuite um noch Musik zu machen.“
Sie hatten Ende der 60er eine eigene Fernsehshow und haben später auch in Filmen wie „Mars Attacks“ mitgewirkt. Sogar in einer Folge der „Simpsons“ tauchen Sie auf.
„Oh ja, Marge Simpson ist ein großer Tom Jones-Fan. Und es wurden auch schon einige Stücke von mir in der Serie gespielt. So entschieden die Produzenten mich als Gaststar in die Serie zu nehmen. Marges damaliger Arbeitgeber kidnappte mich, denn es gab keinen besseren Weg sie zu verführen, als sie zu einem Tom Jones-Konzert einzuladen. Es war eine sehr lustige Story und sie zeigten mir, wie ich als Cartoon aussehen würde. Ich fand das großartig, da ich sowieso ein großer Simpsons-Fan bin.“
Gab es in Ihrer Karriere auch mal einen Punkt, an dem Sie dachten: Jetzt höre ich auf.
„Nein, das Bedürfnis auf der Bühne zu stehen, war immer da. Ich habe nie ans Aufhören gedacht. Es ist wie eine Droge. Wenn du da oben stehst und die Leute lieben, was du tust, dann ist das wie kontinuierliches Schultergeklopfe. Bob Hope ist das beste Beispiel: Er hat unglaublich viel Geld, aber das hat ihn nicht daran gehindert, auf die Bühne zu gehen. Es ist ein Teil deines Lebens, so aufregend und erfreulich, dass du es für immer machen möchtest.“
Frauen werfen bei Ihren Konzerten noch immer Unterwäsche auf die Bühne obwohl sie nächstes Jahr 60 werden. Finden Sie es manchmal unangenehm, immer noch als Sexsymbol beschrieben zu werden?
„Nein, es ist Teil des Ganzen. Zwar sind meine stimmlichen Fähigkeiten das Wichtige, aber in der Art wie ich singe und mich bewege, schwingt immer etwas Sexuelles mit. Aber das erwarten die Leute auch. Natürlich verhalte ich mich nicht wie ein Neunundzwanzigjähriger. Aber ich bin auch nicht wie viele andere, die es in diesem Alter eher ruhig angehen lassen. Der Enthusiasmus und die Energie sind immer noch da, und solange ich nicht lächerlich wirke ist doch alles okay.“
Interview: S. Winkler, L. Bonneberg Foto: Adrian Green
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