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Bäcker oder Bankkaufmann? Tierarzt oder Totengräber? Schlosser oder Spüler? Als Jobsuchender hat man die Qual der Wahl. Aber: Die Bewerbungsfrist für das Ausbildungsjahr 2000 endet bei einigen Unternehmen bereits in diesen Tagen und damit schneller als den meisten lieb ist. Wer es bis jetzt verpasst hat, sich zu bewerben und keine Ahnung hat, was von ihm verlangt wird, sollte sich als kleine Hilfe diesen Artikel antun. Denn SUBWAY hat mit Unternehmen und Bildungsträgern der Region gesprochen, um die Bewerberchancen abzuchecken und auszuloten, was die Unternehmen eigentlichen suchen.
Kein Geld, keine Arbeit, keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Das sind die Probleme von vielen Schulabgängern. Deshalb wollen wir diesmal allen Youngstern, die bereits ähnlich desillusioniert sind, wie die berühmt-berüchtigten Langzeitarbeitslosen, Tipps geben zu dem, was sich offiziell berufliche Erstausbildung nennt. Denn auf dem Arbeitsmarkt tut sich so einiges: Das Wissen, das in der Ausbildung vermittelt wird, fächert sich immer mehr auf, wird vielseitiger, Berufsbilder werden aktualisiert, neue Jobs entstehen. So gibt es seit kurzem z.B. den Automobilkaufmann oder auch den Fachmann für Systemgastronomie. Wer sich früher Assis-tent an Bibliotheken nennen musste, darf sich heute als Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste bezeichnen lassen. Wenn das kein Grund zum Jubeln ist – zumindest für die, die schon in Lohn und Brot stehen. Alle anderen gucken zu. Was zählt also anno 1999/2000? „Worauf es für die Jugendlichen ankommt ist, dass sie eine Selbstvermarktungsstrategie entwickeln“, meint Uwe Ohlhafer von der Oskar Kämmer Schule in Braunschweig. „Sie müssen ihre eigene Qualifikation und Motivation abgleichen mit den Anforderungen und Zielen des Unternehmens.“
Das bedeutet nichts anderes, als sich zunächst mal zu Hause hinzusetzen und sich darüber Gedanken zu machen, was und warum man eine bestimmte Tätigkeit ausüben möchte. Dazu gehört selbstverständlich auch, sich Informationen über den Betrieb zu beschaffen, dem die Ehre zu Teil werden soll, euch auszubilden. Personalchefs hassen wahrscheinlich nichts mehr, als den Leuten, die vor ihnen sitzen, noch erklären zu müssen, wo sie sich befinden. „Wenn jemand auf die Frage nach dem Grund der Berufswahl antwortet „Ich dachte, das sagen sie mir jetzt antwortet“, dann kommt das natürlich nicht so gut an“, bestätigt auch Christoph Hense von der Öffentlichen Versicherung Braunschweig diese Einschätzung. Weiterhin ist es sehr gern gesehen, wenn man sich bei seinem Vorstellungsgespräch nicht einfach nur berieseln lässt, sondern auch selbst mal ins Gespräch eingreift, die Initiative ergreift, sich äußert und vor allem Fragen stellt. „Es gibt nichts schlimmeres, als jemanden vor sich zu haben, der nur konsumiert“, sagt Hans-Günter Kohoff von der Öffentlichen. Denn nicht nur hier ist man stark darauf bedacht, qualifizierte Newcomer zu verpflichten. Denn schließlich bilden alle Betriebe für ihren eigenen Nachwuchs und damit für den Erhalt des eigenen Unternehmens aus, soll heißen: Mit einer Null-Bock-Einstellung kommt man hier nicht weit.
Sich selbst den Chefs schmackhaft zu machen, beginnt mit der Bewerbung. Im Gegensatz zu Bewerbungen von Hochschulabsolventen, kann man in den traditionellen Ausbildungsberufen auf ein so genanntes Motivationsschreiben, das den Bewerber anpreist, verzichten. In der Regel reichen hier also Anschreiben, Lichtbild und Lebenslauf aus. Aber: Ordentlich muss es sein. „Man erlebt es oft genug, dass man Unterlagen bekommt, die drei Mal gefaltet sind. Eine Bewerbung gehört in einen DIN-A-4-Umschlag“, empfiehlt Herr Hense und Herr Kohoff gibt noch einen Tipp bezüglich des Bildmaterials: „Auf sein Foto sollte man achten und ruhig mal ein paar Mark investieren, nicht unbedingt zum Bahnhof gehen.“ Die Bewerbungsunterlagen als solche kann man meist schriftlich oder telefonisch anfordern. So auch bei der Volkswagen Coaching Gesllschaft. „Wir verlangen von unseren Bewerbern noch einen handgeschriebenen Lebenslauf und die letzten drei Schulzeugnisse“, so Herr Huppertz von der VW Coaching. Aber warum denn einen handgeschriebenen Lebenslauf? „Wir möchten schon sehen, inwieweit die Bewerber in der Lage sind, sich schriftlich zu artikulieren“, schmunzelt Huppertz, denn „gelinde gesagt, ist das bei vielen schon nicht ganz einfach. Man stellt manchmal leider fest, dass die Rechtschreibung völlig unterbelichtet ist.“ So viel erstmal zu den Formalitäten.
Worauf es in der Zukunft immer stärker ankommen wird, sind die so genannten neuen Medien und Technologien. Sie sind laut Herrn Ohlhafer „das A und O.“ Der Umgang mit ihnen kann entscheidend bei der Einstellung sein, denn wo es früher ein reichhaltiges Angebot an Ausbildungs- und Umschulungsplätzen gab, regiert heute die hohe Nachfrage nach diesen Angeboten. Es gehört mittlerweile in fast allen Branchen dazu, zumindest grundlegende EDV-Kenntnisse mitzubringen. „Es ist absolut von Vorteil, wenn man sich in der Schule oder privat schon mit neuen Medien auseinander gesetzt hat“, beschreibt auch Herr Huppertz die steigenden Jobchancen bei technischem Interesse. Doch nicht allein auf Computerspezialisten wartet der Arbeitsmarkt im Jahr 2000. Immer wichtiger werden die EQs, die Emotional Qualities, Flexibilität, Mobilität und Teamfähigkeit. Denn jeder, der sich heute ins Berufsleben stürzt, muss darauf vorbereitet sein, dass er nicht sein ganzes Leben, die gleiche Tätigkeit am gleichen Platz ausübt. Wenn alle Stricke reißen, kann man sich darauf einstellen in seinem Berufsleben bis zu fünf komplett voneinander unabhängige Tätigkeiten auszuüben. Zum Glück gehen aber auch die ausbildenden Betriebe mit auf diesem Pfad. Hans-Günter Kohoff bringt das wahre Leben in der Berufsausbildung abschließend auf den Punkt: „Früher war eine Gesellenprüfung ein Abfragen von Fakten. Heute wird versucht, die Realität nachzuempfinden. Wir wollen ja keine Fachidioten heranzüchten.“
Text: Henning Schmidt
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