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Wenn ein brillanter Dokumentarfilmer für sein Spielfilmdebüt eine kitschträchtige Lovestory aussucht, könnte das vielversprechend und spannend werden. Erst recht, wenn Ben Becker und Joachim Król, ein Traumpaar des deutschen Kinos, die Hauptrollen spielen. Der wilde Ben als Raubein buhlt mit dem schüchternen, sensiblen Król im Budapest der 30er Jahre um die schöne Ungarin Ilona (Newcomerin Erika Marozsán). Als dritter Mann im Liebesrennen taucht der junge Pianist András („Farinelli“-Bube Stefano Dionisi) auf. Er komponiert der schönen Maid „Das Lied vom traurigen Sonntag“ – das zur weltweiten Hymne der Selbstmörder avancieren wird. So weit. So gut. So melodramatisch. Jahre später jedoch gerät die komplizierte Liebeskonstellation drastisch aus den Fugen: Becker, inzwischen zum SS-Mann aufgestiegen, schickt seinen einstigen Freund Król, den Juden, ins Konzentrationslager. Derweil der Komponist sich selbst das Leben nimmt.
Eine Liebesgeschichte vor politischem Hintergrund, eine Art „Englischer Patient“ made in Germany, hätte das werden sollen. In Sachen Lovestory springt der Funke jedoch nicht wie erhofft auf das Publikum über. Die Figuren wirken zu blass und eindimensional. Obwohl jeder der Helden in einer enormen Konfliktsituation steckt, lässt das Drehbuch die Schauspieler drastisch im Stich. Dramaturgisch wirkt sich solch ein Fehlen von Entwicklungen fatal aus. Wenn Gefühle mehr behauptet als vermittelt werden, lässt der Mit-Leide-Faktor schnell nach.
Allzu platt bleibt ebenfalls die politische Ebene. Becker wollte den schneidigen SS-Mann ursprünglich als raffgierigen Machtmenschen mit Widersprüchen und Zweifeln anlegen. Geblieben ist im Film jedoch nur die bekannte Klischeefigur. Wenn seine schwäbelnde Sekretärin Frau Häberle mit Blick auf die total miserable Rechtschreibung des Chefs kleine Witzchen über „der Duden und die Juden“ macht, wirkt das weniger makaber und grotesk als läppisch und albern. Schade, wenn eine potenziell starke Story durch ein schwaches Skript in den Sand gesetzt wird. Umso mehr als Ralf Schübels Kinodebüt handwerklich überaus eindrucksvoll ausfällt. Ebenso wie die Leistungen der Darsteller – wer kann zu Becker und Król schon nein sagen?!
Text: Dieter Oßwald Foto: Universal Pictures
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