Ist dieser Rock noch zu stoppen?

Apollo 440 zwischen Spiele-Soundtrack und SAT.1-Sport-Abspann ins nächste Jahrtausend

Wenn von moderner Musik die Rede ist, die so richtig rockt, sind meistens Acts wie The Prodigy oder die Chemical Brothers gemeint, die zwar die Stimmung und die Energie der Rockmusik in die 90er Jahre übertragen haben, dabei aber kaum noch auf die klassischen Elemente dieser Musik zurückgreifen. Anders dagegen Apollo 440: Hier röhren die Gitarren wie ehedem, nur dass ein Groove der Neuzeit darunterliegt, trotzdem ist man eher an Status Quo oder natürlich Van Halen erinnert. Das ist zwar nicht wirklich cool, oder jedenfalls höchstens in der Vorstellung irgendwelcher Programmchefs bei SAT.1, die glauben, ihren Sportsendungen damit einen modernen Touch geben zu können. Aber es bläst einem kräftig in den Gehörgang und, jawohl, es rockt. So gesehen ist „Gettin’ high on your own supply“, die neue CD der Band, zwar musikalisch kein Meilenstein, aber eine Spaßplatte mit kurzer Halbwertzeit ist ja auch nicht unbedingt zu verachten. SUBWAY sprach mit Howard Gray von Apollo 440, der mit einem Kollegen als Remixer anfing und ein Monster gebar, Verzeihung, ein Monster von Band...

Bezieht sich „Gettin’ high on your own supply“ auch darauf, dass ihr diesmal keine Gastmusiker auf der Platte habt?

„Ja, der Albumtitel ist eine Referenz an die Tatsache, dass die Band, mit der wir die letzten zwei Jahre live gespielt haben, jetzt Apollo 440 ist. Die ersten beiden Alben waren eine Art Rohskizze, was Apollo sein könnte, und jetzt ist dieses Ideal mit den acht Musikern Wirklichkeit geworden. Mary Mary, der auf „Ain’t talkin ’bout Dub“ gesungen hat, ist jetzt z.B. unser fester Frontmann. Und das ist ein gutes Gefühl, das wir die beste Electro-Space-Dub-Rockband der Welt kreiert haben. Wir haben ja immer noch unsere Remixprojekte, aber dies hier ist eine echte Kick-ass-Rock’n’Roll-Band. Es gibt aber auch noch den Song „High on your own supply“, bei dem der Titel eine andere Bedeutung hat. In dem Film „Scarface“ spielt Al Pacino einen illegalen kubanischen Immigranten, der in Amerika mit den Gangs in Berührung kommt und mit Kokain dealt. Das erste, was sie ihm beibringen, ist: „Never get high on your own supply“, nimm nie deinen eigenen Kram, wenn du in diesem Geschäft bist. Natürlich passiert ihm genau das, er hängt völlig am Kokain und schmeißt die ganze Sache. In dem Song geht es einfach nur um’s Ego, man sollte sich einfach nicht zu wichtig nehmen, insbesondere im Musikbusiness.“

Ihr habt sehr lange an Eurer Musik gearbeitet; viele denken jedoch, Euch gibt es erst seit „Krupa“ bzw. „Ain’t talkin’ ’bout dub“.

„Das stört uns gar nicht. Die jetzige Inkarnation von Apollo 440 fängt genau da an. Die erste Periode der Band war 1991 als wir anfingen Techno- Weißpressungen herauszubringen. Inzwischen sind wir eine andere Gruppe, die sich verändert hat.“

Ich entdeckte neulich auf einer alten Banderas-Maxi von 1991 einen Apollo 440-Remix...

„Das war damals unser dritter Remix überhaupt. Der erste war Scritti Politti zusammen mit Shabba Ranks, „She’s a woman“. Nachdem wir einigen Erfolg mit den Underground-Weißpressungen hatten, haben uns viele angerufen und wollten Remixe. Das war die Research-and-Development-Phase. Wir haben jede Woche an einer neuen Platte gearbeitet und dabei den Apollo-Sound gebildet und verfeinert. Auf diese Weise haben wir uns unsere Sporen als Musiker verdient, quasi analog zu einer Live-Band, die jede Woche die Autobahn in England hoch und runterfährt um überall zu spielen.“

Gab es denn einen Remix-Auftrag, den Ihr als besondere Ehre empfunden habt?

„Jean-Michel Jarre war eine tolle Erfahrung. Wir haben mit ihm unter dem Eiffelturm vor einer Million Leuten gespielt; zwei Tage, nachdem Frankreich den World Cup gewonnen hatte. Und vor kurzem habe ich „Come with me“ von Puff Daddy & Jimmy Page remixt. Jimmy war der einzige Grund, warum wir dazu ja gesagt haben, denn wir sind alle wahnsinnige Zeppelin-Fans, und die Vorstellung, ein Multi-Track-Tape geschickt zu bekommen, auf dem seine Gitarre solo zu hören ist, wenn ich die entsprechenden Regler hochschiebe, war einfach zu genial.“

Dann bist Du also ein echter Rock-Fan?

„Ja, die ersten Platten, die ich als Kid gehört habe, waren Deep Purple, Led Zeppelin und Van Halen. Das erste Konzert, das ich gesehen habe, war Van Halen als Support von Black Sabbath. Dieses Riff in „Ain’t talkin’ ’bout Dub“ zu verwenden, war für mich absolut natürlich, das sind meine Wurzeln.“

Inzwischen kann man Eure Musik auch schon auf Spiele-Konsolen hören.

„Ja, wir haben einen Soundtrack für „Rapid Racer“ kreiiert, im Prinzip ein Filmsoundtrack. Es wird mit „Fifa 2000“ außerdem ein neues Fußballspiel geben, auf dem sie „Stop the Rock“ verwenden wollen. Das tolle an diesem Spiel ist, dass die Bands, deren Musik verwendet wird, auch mitspielen können. Du kannst all unsere Charaktere für deine Mannschaft auswählen. Ich kann dann endlich für Liverpool spielen. Das rockt!“

Interview: Matthias Wieland
Foto: Epic
Apollo 440

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