„Rapokalypse Now“ dokumentiert die Underground-HipHop-Szene
Ein zweiköpfiges Muskelmonster stampft mit schweren Springerstiefeln durch eine grell-lodernde Wolkenkratzerszenerie, macht alles und jeden gnadenlos kaputt, was sich ihm in den Weg stellt. Dieses Horrorambiente schmückt das Cover des neuen HipHop-Samplers „Rapokalypse Now“, der soeben aus dem dunklen „Phasenmusik“-Dungeon seinen Weg in die hell erleuchteten Verkaufsregale der Musikdiscounter gefunden hat. „Braunschweig ist, was innovative HipHop-Sachen angeht, momentan ziemlich tot. Auf unserem Sampler haben wir deshalb überwiegend ziemlich heftige Undergroundbands versammelt“, vermeldet Phase V-Mastermind & Horrorfilm-Freak Marc Fehse selbstbewußt seinen neuen Welteroberungsplan. Neben Acts wie (den auf diesen Seiten oft gelobten) Die L.P., ist die Hannoveraner Hardcore-Girl-Rap-Crew Bista, sowie natürlich Phase V und deren Rapper Karim D mit zwei Solo-Tracks böse am bolzen. Doch nicht nur regional, sondern auch überregional hat man seine glibbrigen Greifer ausgestreckt, und mit DCS (Ex-Die coolen Säue) und Main Concept zwei Oldschool-HipHop-Bands für den Sampler verpflichten können. Darüberhinaus hat man mit dem neuen Signing Simsek, eine Formation am Start, die da anfängt wo Cartel seinerzeit aufgehört haben. „Simsek ist die Frankfurt/Berlin/Braunschweig-Connection mit 14 MCs. Die türkische Kultur ist sehr rough, dark und straight in the face wie ihr Rap-Style. Deshalb treten die Jungs live auch ganz derb mit Kampfanzügen auf, im Video schleudern sie fiese Blitze aus den Händen. Das ist natürlich ein wenig Wu-Tang-Style“ – und alles irgendwie auch nicht ganz so ernst gemeint. Mit dem Albumtitel und der „Godzilla“-B-Movie-Cover-Artwork-Hommage (vom Braunschweiger Graffiti-Artist Pascal Collins) nimmt man den unsäglichen Jahrtausendwende-Hype und das übertriebene Nostradamus-2000-Weltuntergangsgequatsche kräftig auf den Stiefel. Ernst meint man es jedoch musikalisch: „‘Rapokalypse’ ist einfach eine Ansage an Stuttgart und Hamburg, daß aus Braunschweig mal wieder etwas anderes kommt: Und zwar gewaltig.“