Kleinkriminelle

Brit-Crime-Komödie: „B. Monkey“

Nach seinem poetischen, oscarprämierten „Postmann“ präsentiert Michael Radford sich nun realistischer. Wiederum mit einer Lovestory. Diesmal verliebt sich ein schüchterner Grundschullehrer in eine attraktive Verbrecherbraut, die aussteigen will. Jared Harris, der Sohn vom „Mann, den sie Pferd nannten“, spielt den verträumten Pauker. Asia Argento, die hübsche Tochter von Italiens Horror-Hohepriester Dario, mimt die verführerische Kriminelle namens B. Monkey. Gestört wird das aufkeimende traute Glück der beiden durch das schwule Pärchen Paul und Bruno, zwei zwielichtige Ganovenfreunde aus Monkeys dunkler Vergangenheit. Rupert Everett gibt einmal mehr den egozentrischen Zyniker der dekadenten Art. Seinen nicht minder neurotischen Lover verkörpert „Velvet Goldmine“-Schmollmund Jonathan Rhys-Meyers.

Allerlei schöne Menschen also. Doch gerade die, so lehrt jede Seifenoper und jedes Klatschblatt, haben auch ganz schön viele Probleme. Irgendwie scheint das schwule Duo seltsam eifersüchtig auf den ehrbaren Spießer-Eindringling. Dem eitlen Drogen-Dandy geht obendrein das Geld aus. Mit einem letzten Juwelenraub will Monkey alle finanziellen Sorgen lösen. Doch damit fangen die Probleme erst richtig an. Während knallharte Gangster nun Jagd auf unsere Kleinganoven machen, plagen den Lehrer ganz andere Sorgen: eine hysterische Mutter klagt ihn grundlos der Kindesmißhandlung an – ein klarer Fall für B. Monkey und ihre bewährten Methoden der Einschüchterung: eine Beatrice Dalle auf dem „Nikita“-Trip.

Die amour fou-Lovestory zwischen Kleinbürger und Kleinkrimineller hat durchaus bewegende Momente. Ein Prise plausibler Psychologie hätte freilich nicht geschadet. Allzu oft klebt die Figurenentwicklung am Klischee fest. Entsprechend unbeteiligt bleibt man als Zuschauer bei den Auseinandersetzungen zwischen Monkey, ihrem Liebhaber und ihren alten Freunden. Das schicke Design samt der gestylten London-Bilder wirkt am Ende des ausgehenden Jahrtausends längst nicht mehr so innovativ wie es wohl gern sein möchte. Der Lack solcher Werbeästhetik ist ab, ebenso wie die Stil-statt-Story-Philosophie. So bleibt dem kleinen Liebeskrimi kaum mehr als das Prädikat „ganz nett“ – für einen britischen Film nicht sonderlich viel.

Text: Dieter Oßwald
Foto: Kinowelt
B.Monkey

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