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Als einer der Hauptbeweise für den Untergang des Abendlandes wird ja gerne die schleichende Verluderung der Sprache angeführt, wobei ich mich grade frage, ob der Ausdruck Sprachverluderung nicht auch schon eine solche ist. Der Duden definiert verludern als ugs. für verkommen, und da die Verluderungsanprangerer im Allgemeinen keine Freunde von ugs. (= umgangssprachlichen) Wendungen sind, können wir schon zu diesem frühen Zeitpunkt der Erörterung erkennen, daß die ganze Verluderungsdebatte einem verminten Kinderspielplatz gleicht, auf dem wir alle ahnungslos und diverse Gliedmaße riskierend herumtollen. Diese Plemm-Plemm-Metapher habe ich mir natürlich nur aus den Finger gesogen, um eine doppelte Überleitung zum Kinder-Konjunktiv zu haben. Gibt es den eigentlich noch? Und wenn ja: Handelt es sich dabei um einen Fall von Sprachverluderung oder um frühreife, phantasievolle Sprachartistik? Bei uns war das früher nämlich so: Immer wenn wir die üblichen Kinderspiele spielten, bedienten wir uns zur Klärung der Sachverhalte des Konjunktivs. Wir sagten z.B.: Also, ich wär jetztn Indianer und dun Cowboy und du würdest kommen und würdest schießen und ich wär tot! Und dann wurde das nachgespielt. Ich möchte jedoch klarstellen, daß weder ich, noch meine Spielkameraden aus einem Germanistenhaushalt stammten. Ich bin in einer Sozialwohnungssiedlung aufgewachsen, und da wohnten damals noch ehrliche, dialektsprechende, unterm Arm schwitzende Arbeiter und keine arbeitslosen Akademiker (Manchmal frage ich mich, was machen eigentlich all diese Magister-Germanisten? Die können doch nicht alle in den Feuilletons ihre verhinderte Kreativität aufarbeiten...). Ich weiß auch nicht, wie meine Kumpels und ich auf dieses altkluge als-ob-Gequatsche kamen. Gerade fällt mir auf, daß der Kinder-Konjunktiv sich zumindest teilweise mit dem Konjunktiv II deckt. Der heißt, glaube ich, Irrealis, weil er dazu dient, irreale, also unwahrscheinliche Annahmen zu beschreiben so wie z.B. die Behauptung, ich wäre eben nicht sei ein Indianer. Aber das gerät im Zuge der Sprachverluderung heutzutage auch immer mehr durcheinander: Er sagte, er sei SM-Liebhaber ist eine neutrale Wiedergabe einer Bemerkung. Er sagte, er wäre SM-Liebhaber ist eine zweifelnde Wiedergabe einer Behauptung. HALLO!!! AUFWACHEN!!! Ich gestehe, ganz so prickelnd will das Thema Konjunktiv einfach nicht werden. OK, dann schiebe ich mal schnell ein bißchen Sex ein: Der faszinierendste Fall von Sprachverluderung betrifft die Benutzung der englischen Sprache in einem deutschen Sex-Line-Werbespot. Wer nachts gerne mal eine gepflegte Sitcom wegkuckt, der wird ihn schon einmal gesehen haben. Ich meine weder Wir sind schon ganz naß noch Nimm mich von hinten. Diese Spots sind einfach nur doof. Sprachlich desaströs dagegen ist der Slogan eines speziellen Gesprächsangebotes für männliche Homosexuelle. Während eine sexy Männerstimme den Slogan mehrfach wiederholt, wird dieser trotz augenfälliger Falschheit auch noch optisch eingeblendet. Er lautet: Gay mens only! Was um Himmelswillen soll das heißen? Men ist schon der Plural von man und braucht kein angehängtes s mehr und schon gar nicht mit Apostroph. Das macht man im Englischen ja nur zwecks Herstellung des Genitivs (z.B. Ricks Café). Aber hier ist weit und breit keine Notwendigkeit für irgendeinen Genitiv. Manchmal wird im Englischen der Apostroph plus s auch benutzt, um das aussprachebedingte Zusammenziehen von Wörtern zu verbildlichen: hes got für he has got. Aber auch das macht hier keinen Sinn. Gay mens only ist einfach das Maximum an Schwachsinn, das man in einem, schwule Exklusivität behauptenden, englischen Satz unterbringen kann. Und dieser Spot flimmert nun seit einem dreiviertel Jahr Nacht für Nacht über deutsche
PS: Der aufmerksame Leser und die noch aufmerksamere Leserin wird natürlich bemerkt haben, daß auch diese Kolumne zutiefst verludert ist. So habe ich wahrscheinlich nicht nur wieder mal diverse Kommata falsch gesetzt, sondern auch den Ausdruck „Das macht (keinen) Sinn“ benutzt. Die Phalanx der nationalbewußten Deutschlehrer geißelt diese Formulierung schon seit langen, weil es sich dabei um einen Anglizismus handelt: „to make sense“. Im Deutschen könne jedoch nichts Sinn „machen“, sondern nur Sinn „haben“. SO, UND JETZT GIBT’S NOCH EIN KÜSSCHEN UND DANN WIRD ABER WIRKLICH GESCHLAFEN!
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