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Sein Coming Out als Zeichner feierte Ralf König bereits Ende der 70er in diversen Underground- und Szenezeitschriften. Der Durchbruch gelang ihm schließlich mit „Der bewegte Mann“, welcher 1994 verfilmt wurde und mit über sechs Millionen Besuchern zum zweiterfolgreichsten Film der deutschen Kinogeschichte avancierte – ihm jedoch weniger Geld als vielmehr Ärger einbrachte. Die Comics des mehrfach ausgezeichneten Knubbelnasenkünstlers wurden bislang in 11 Sprachen übersetzt, sind in 17 Ländern erschienen, die Gesamtauflage der Buchausgaben dürfte derzeit bei 5 Millionen Exemplaren liegen. SUBWAY unterhielt sich mit Ralf König, der am 24. Juli als Special Guest des „Sommerloch-Festivals“ in Braunschweig zu Besuch ist.
Was ist die Idee hinter „Super-Paradise“?
„Super-Paradise“ ist ein Strand auf Mykonos, auf dem es ziemlich abgeht. Für Schwule war Mykonos immer das Ziel, auch schon in den 60ern und 70ern. Über die Jahre hat sich das Ganze leider so ein bißchen Mallorca-mäßig entwickelt und fast schon Ballermann-mäßige Züge angenommen.“
Neben massig Beach-Sex’n’Fun wird einmal mehr auch ernste Aidsproblematik thematisiert?
„Ich habe mich diesem Thema erst so nach und nach genähert, weil ich auch meine eigenen Ängste irgendwie in den Griff kriegen mußte. Ganz zaghaft habe ich dann auch Themen wie Aids in die Geschichten gepackt. Am Anfang eben in kleinen Safer-Sex-Broschüren für die Aids-Hilfe, dann auch in meinen „Konrad und Paul“-Strips, wo ich mich das erste Mal getraut habe, eine aidskranke „Knollennasen-Figur“ zu zeichnen, die im Laufe der Folgen stirbt.“
Wie reagieren die Leser auf ernste Thematiken?
„Das Feedback, gerade bei diesem Buch, ist äußerst positiv. Die Leute finden das klasse und sehen darin auch ein Stück traurige Realität abgebildet. Aber eben nicht so depri-mäßig, sondern mit einem Schuß Humor. Ich mag nicht nur noch lustige Geschichten machen. Da ist in den letzten drei Jahren zu viel in meinem Leben abgegangen, z.B. ist ein Freund von mir an Aids gestorben. Ich möchte komisch, aber auch nachdenklich sein, ich kann mit diesen Nasen alles machen, ich kann die sich verlieben lassen, ich kann die geil sein lassen, und ich kann die auch krank sein und sterben lassen. Das ist einfach ein tolles Spektrum, was sich mir da eröffnet.“
Mit „Lysistrata“ und Deiner letzten Veröffentlichung „Jago“ hast Du Dein Spektrum auch ein wenig in Richtung Hochkultur erweitert...
„Das fände ich schade, wenn das welche gedacht hätten. Shakespeare hat Theaterstücke geschrieben, die ziemlich geil sind. Ich wollte die ganzen Dramen mal nehmen, in so ’nen Pott schmeißen, durchmixen und ’ne Schwulen-Geschichte draus machen. Viele Leute kamen da vielleicht nicht ganz mit, weil sie bei Shakespeare nicht so die Insider-Witze verstehen und auch ein bißchen Poesie dabei ist.“
Du bist jetzt seit fast 20 Jahren am Zeichnen. Inwieweit hat sich Dein Stil verändert?
„Ganz zu Anfang hatten meine Schwulen noch sehr kleine Nasen, ein eher ausgeprägtes Kinn. Da hat dann so eine kleine Evolution stattgefunden: Alles wurde immer runder, und so ein bißchen ist auch dieses Spontane, ohne irgendwie auf Schönheit oder Korrektheit zu achten, verloren gegangen, was ich eigentlich sehr bedauere.“
Frauen sind bei Dir meist häßlich und abstoßend dargestellt. Hat das tiefere Gründe?
„Das ist immer noch die späte Rache (lacht). Als Jugendlicher war ich dauernd in irgendwelche Hetero-Freunde verknallt, die natürlich immer auf die Quarktaschen schielten. Ich fand die immer schrecklich und hab’ mich dauernd gefragt: was haben die, was ich nicht habe? Oft kommt jetzt so der Vorwurf, meine Comics seien frauenfeindlich, was aber eigentlich nicht sein kann, da sonst nicht so viele Frauen meine Comics lesen würden. Wenn ich jetzt attraktive Frauen mit geilen Titten zeichnen würde, fände ich das viel frauenfeindlicher.“
In „Super-Paradise“ gibt es wieder Hardcore-Szenen. Wird es deswegen erneut Streß geben?
„Ich bin gespannt, ob das Jugendamt wieder Strafantrag oder Indizierungsantrag stellen wird, wie das bei „Bullen-Klöten“ passiert ist. Die meinten, das wäre für Kinder und Jugendliche sozialethisch desorientierend. Außerdem wurde mir vorgeworfen, Heterosexuelle zu diskriminieren. Und Homosexualität unter Minderjährigen soll ich als etwas selbstverständliches dargestellt haben. Das fand ich wiederum ganz schön klasse. Gerade, nachdem Schwule Jahrtausende lang verbrannt und geächtet worden sind... Das Nachspiel war dann, daß ein Staatsanwalt Polizisten im ganzen Land in die Läden geschickt hat und meine Bücher beschlagnahmen ließ. Ohne daß die Bücher auf dem Index waren. Im Gegenteil, die Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Schriften hat die Bücher als Kunst und nicht als Pornographie bewertet.“
Gibt es eigentlich einen Comic-Charakter, der Dir besonders am Herzen liegt?
„Konrad und Paul sind schon zwei Seelen in meiner Brust. Im Herbst und Winter bin ich eher der nachdenkliche und zurückgezogene Konrad. Im Frühling, wenn der Sperling piept, gehen bei mir dagegen immer die Hormone durch, dann gehe ich lieber zu Paul, dann will ich was erleben.“
Interview: Christian Göttner Zeichnung: Ralf König
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