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Er ist ohne Frage ein komischer Kauz, der Mann mit der süßen Stimme, die wie keine andere an die des großen Stevie Wonder erinnert. Dazu kommt sein schräges Outfit (nie ohne Fellmütze und neuerdings mit Zöpfen) und der Eindruck, der Typ habe ständig illegale Substanzen intus, die sein sonderbares Auftreten rechtfertigen könnten. Die Rede ist von Jay Kay, seines Zeichens Frontmann, Sänger und Boss der britischen Soul-Combo Jamiroquai, der es wie keiner anderen europäischen Band gelungen ist, einen der fettesten Plattendeals der Pop-Geschichte an Land zu ziehen. Nachdem Jamiroquai 1992 ihren ersten Underground-Hit „When You Gonna Learn?“ auf dem Londoner Independent-Label „Acid Jazz“ veröffentlichten, standen kurze Zeit später sämtliche Major-Companies Schlange, um Jay Kay und seinen eher untergeordneten Mitmusikern lukrative Verträge anzubieten. Für acht Alben zum Preis von umgerechnet rund 60 Millionen Mark bekam Sony den Zuschlag und man kann heute davon ausgehen, daß sich der Deal für beide Seiten gelohnt hat. Jamiroquais Debüt „Emergency On Planet Earth“ und der Nachfolger „The Return Of The Space Cowboy“ festigten Jay Kays Image und Ansehen als außergewöhnliches Nachwuchstalent mit Zukunft. „Travelling Without Moving“ verkaufte weltweit acht Millionen Einheiten und brachte der Band mit „Virtual Insanity“, „Cosmic Girl“ und „Alright“ gleich drei TopTen-Hits ein. Longplayer Nr. 4 „Synkronized“, soeben auf den Markt geworfen, bedient sich erneut der erprobten Erfolgsformel: Solide gespielter Funk, reichlich Disco-Zitate, dazu Jay Kays charmante Stimme und mit „Canned Heat“ wieder ein dicker Hit. Grund genug für SUBWAY, mit Großmaul Jay auf einen Trip durch sein Universum zu gehen.
Was ist anders bei diesem Album im Vergleich zu seinen Vorgängern?
„Diesmal haben wir ein paar Dinge anders gemacht. Wir haben Horsenden Manor (bei London) im Oktober 1997 gekauft. Im Januar haben wir mit dem Ausbau angefangen, und sind dann auch ’rübergezogen. Dann wurde das Album überarbeitet, im Juli war das Studio fertig und wir wählten zehn Tracks aus, die wir dort aufnahmen. Aber dann verließ uns im September unser Bassist und um den Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, wer was geschrieben hat, entschlossen wir uns komplett neue Tracks zu schreiben. Es war das erste Mal, daß wir in unserer eigenen Umgebung arbeiten konnten, doch das Ganze in der vorgeschriebenen Zeit fertig zu kriegen, war nicht ganz einfach.“
„Synkronized“ klingt wieder sehr retro...
„Wir sind zwar hauptsächlich eine Live-Band, wollten aber unterschwellig auch etwas Programmiertes mit einbringen. Ich denke, man bekommt einen Mix von dem, was wir auf unseren alten Platten gemacht haben und... irgendwie kratzen wir viele Sachen an. Wir hatten das Gefühl, wir müßten etwas vorankommen, wollten uns nicht nachsagen lassen, wir wären ausschließlich retro.“
Was ist für Dich das Faszinierende an den 70ern und der Disco-Ära?
„Eigentlich steht doch jeder auf Disco. Diese Songs, die dich aufspringen und tanzen lassen. Du kannst dir den ganzen Tag Techno und proggresiven Trance ’reinziehen. Das ist ziemlich cool, wenn du high bist. Richtig high! Aber wenn du ein paar Drinks intus hast und ablachen willst, gibt es nichts besseres als Disco-Musik. Das ist Tanzen und eine ganz bestimmte Stimmung. Ich mag es, meine Energie durch Tanzen abzubauen, denn ich hab ’ne Menge Feuer unter den Sohlen (lacht).“
Ihr habt einen Vertrag über acht Alben, „Synkronized“ ist das vierte, quasi Halbzeit...
„Natürlich wurde der Druck größer. Wenn du acht Millionen von einem Album verkaufst, ist die Erwartungshaltung der Plattenfirma groß. Die wollen natürlich, daß du nochmal acht Millionen oder mehr verkaufst. Nicht jedes Album ist ein Schritt in Richtung Freiheit, wie ein Licht am Ende des Tunnels. Ich liebe es, Platten aufzunehmen. No Problem! Ich kümmere mich nicht darum, ob es jetzt acht oder zehn Alben sind. Es wäre natürlich einfacher, wenn es nur vier sein würden, dann würden wir irgendwann nach einem neuen Deal suchen, und jeder würde uns einen Haufen Geld bieten.“
In dem Song „Black Capricorn Day“ kokettierst Du mit dem entsprechenden Sternzeichen. Hat Astrologie eine Bedeutung für Dich?
„Nun, ich bin ein Steinbock und eigentlich geht es nur um so einen dieser schlechten Tage. Steinböcke sind sehr traditionelle Menschen, die sehr tief innen leiden, schwere Depressionen haben und sehr wütend sind. Du bist entweder high, high, high oder low, low, low. Der Song gibt ein paar meiner schlechtesten Tage wieder, Tage an denen du denkst, jeder da draußen will was von dir, und über deinem Kopf schwebt eine dicke, schwarze Wolke. So etwas beeinflußt mich stark. Ich glaube an Astrologie, aber auch daran, daß wir von magnetischen und elektrischen Strömen aus dem Weltall beinflußt werden.“
Du wirst Ende Dezember 30 Jahre alt. Hast Du Probleme mit dem Älterwerden?
„Sehe ich wie 30 aus? Ich bin Peter Pan!“
Interview: Andreas Astalos Foto: Epic/Sony
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