Hohe Gipfel nicht erreicht...

Braunschweiger Monatszeitung brunsweek stellt den Druck ein

So richtig eingestehen will man sich die Niederlage unter den brunsweek-Redakteuren bisher nicht. Die letzte von insgesamt 31 Ausgaben erschien Mitte Juni. Unter einigen Redakteuren herrscht trotz des vorläufigen Endes so etwas wie Aufbruchstimmung. Der Grund: Ab Herbst wird ein Teil der Mannschaft weitermachen, und zwar im Internet. Online wollen sie die Leser weiterhin mit aktuellen News aus der Kunst und Kulturszene der Okerstadt beglücken. „Wir schließen die Lücke”, so lautete noch bis vor kurzem ein Werbeslogan der Blattmacher. Jetzt schließt sich die Lücke über der brunsweek. Wer hätte das gedacht?

Leicht hatten es die Redakteure der brunsweek nie. Ein kleines Stückchen wollten sie vom Braunschweiger Medienmarkt. Neue Impulse sollten den etablierten Printmedienmarkt der Region gehörig reformieren, eine lesens- und lohnenswerte Informationsquelle sollte all diejenigen Leser unserer Stadt auffangen, denen eine Tageszeitung nicht genug ist und Stadtmagazine nicht die einzige Lesealternative bieten. Größtes Manko der alternativen Blattmacher war sicherlich die bisweilen monothematische Themengestaltung. „Latzhosenjournalismus” und so „überflüssig wie der Kropf oder gar das nichtkommerzielle Bürgerradio”, schimpften diejenigen, die der oftmals recht eindimensionalen Berichterstattung über Skandale im Polizei- und Justizapparat unserer Stadt schon längst überdrüssig geworden waren. „Anspruchsvoller und fundierter Investigativjournalismus allererster Güte”, lobte das Häuflein spärlich alternativer Leser ihre achso konstruktive Monatszeitung. Die erbarmungslos harten Gesetze des Medienmarktes machten auch vor dem hehren Ansinnen der Braunschweiger Blattmacher keinen Halt. Denn wir alle wissen, daß Journalismus eine Gratwanderung ist. Zum einen will man sich schreiberisch keinerlei Reglemetierungen unterwerfen, zum anderen gibt es eben doch die betriebswirtschaftlich-monetäre Seite eines Verlages. Ohne etablierte Anzeigenkunden keine Werbung und ohne Werbung keine Auflage – ein immerwährender Teufelskreis und eine bittere Erfahrung der brunsweek-crew: „Wenn Du Zweidrittel deiner Zeit mit Verwaltungsscheiß eingedeckt warst, dann läuft der Rest in der Redaktion einfach nicht so wie Du willst!” Denn es dürfte wohl unbestritten sein, daß sich der Medienmarkt in den letzten Jahrzehnten signifikant verändert hat. Immer mehr Leute wollen billiges „Infotainment”. Selbst bundesweit etablierte Wochenzeitungen wie beispielsweise die „Zeit” kämpfen trotz kultureller Themenvielfalt und politischer Ausgewogenheit verstärkt um Leser und Abonnenten. Ex-Chefredakteur der brunsweek – und ehemaliger Macher der Stadtzeitung – Hans-Günter Eggers – wird sich ersteinmal aus dem Printmedium zurückziehen. Resigniert und frustriert sucht man jetzt fieberhaft nach den Gründen des vermeintlich jähen Endes und Tiefschlags. Für ihn waren es primär die Rahmenbedingungen, die das Projekt scheitern ließen, denn „auf dieser personellen und finanziellen Basis kann man eine Zeitung einfach nicht vernünftig machen”, bedauert Eggers. Trotz aller Kritik bleibt Braunschweigs Leserschaft künftig um eine Lesealternative ärmer und um die Erkenntnis reicher, daß es wohl ein wenig mehr bedarf, um „die Lücke zu schließen”.

Text: Markus Kruppa
brunsweek

außerdem in SUBWAY 7/99:

Thema

Bier her!

Gesellschaft

Ralf König
Alain Robert
Tanzzkantine
Night Auditor Ralf Kuhlke
Sommerloch-Festival `99
brunsweek
Peter Gaymann
Marco Rima

Leinwand

Interview: John Boorman
Rückblick: Cannes '99
Südsee, eigene Insel
B. Monkey
Alles Bob!
A Night at the Roxbury
Go
The Opposite of Sex
Long Hello & Short Goodbye
John Carpenters Vampire
Instinkt
Der General
Kino im Kennel-Bad

Musik

Jamiroquai
Die Sterne
Die Fantastischen Vier
Nigel Kennedy
Rapokalypse Now
Electronic

El Kurdi spricht deutsch - Kolumne
Frl. Zapf - Fotoroman

Mehr SUBWAY

SubwayOnlineShop
Jobs
Kontaktboerse
Partybilder
SUBWAY89ers
Konzertkarten

SUBWAY Braunschweig
indigo Wolfsburg

World of SUBWAY