Alles Roger?

Ein weiterer Versuch zur deutschen Kinokomödie: „Alles Bob!“

Es ist endlich wieder Sommer, da kommen die lustig-leichten Komödien in die Kinos. Dagegen ist ja an sich nichts einzuwenden. Eigentlich. Eigentlich ist auch gegen diesen Plot nicht viel einzuwenden: Er trifft Sie, und es gibt haufenweise Probleme. Diese Geschichte hat schon so manche Buchseite, diverse Liedzeilen und eben auch die ein oder andere Filmrolle legitimiert und motiviert. Aber in diesem Fall bleibt der Stoff leblos und der Zuschauer unberührt – und unbelustigt. Bob alias Robert, ein arbeitsloser Berufs-Charmeur, läßt sich von seiner Freundin aushalten und verbringt seine Zeit mit einem simulierten Medizinstudium. Die bald anstehende Heirat hält ihn allerdings von nichts ab, und so schlittert er, aufgrund einer triebgesteuerten Nacht mit Fatma, in ernste Schwierigkeiten.
Die Freundin, blond und nicht besonders schlau, merkt, selbst als Bob wegen der rachsüchtigen Brüder von Fatma für einige Zeit untertaucht, von alledem nichts und bereitet sich mit Gesichtsmasken, Brustvergrößerung und Einkäufen auf die Hochzeit vor. Hier verläßt die Story endgültig den Pfad der Logik, und es spielt fast keine Rolle mehr, daß Bob fast nebenbei Barbara trifft und sich in diese schwer verliebt. An der Machoschablone von Bob, aber vor allem an Fatmas türkischen Brüdern merkt man, wie sehr der Film Klischees verhaftet bleibt. Natürlich sprechen sie nur gebrochen deutsch, sind kriminell, hören Tarkan-Pop und verteidigen die Ehre ihrer Schwester bis aufs Letzte. Obwohl Gregor Törsz (der Typ aus der MTV-Trash-Fellmützen-Kampagne) sich in seiner ersten großen Rolle alle Mühe gibt und charmant ist, ein paar lustige Einfälle und schön poppige Farben reichen für anderthalb Stunden Kino einfach nicht aus. Es scheint, die Zukunft des deutschen Kinos liegt wohl nicht in der Komödie. Alles Roger?

Text: Hannes Gmelin
Foto: Helkon Filmverleih
Alles Bob

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