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Trotz sinkendem pro-Kopf-Verbrauch und der 0,5 Promille-Grenze rangiert das
Bier immer noch auf Platz Eins der Beliebtheitsskala deutscher Erfrischungsgetränke. Es wird
gebechert, was das Zeug hält, Brauereien investieren Millionen in Kultur, Sport und Werbung,
um das Image des mittlerweile vermeintlich biederen Volksgetränkes aufzupolieren. Der Weg des
Bieres vom „Sorgentöter“ für arme Leute, hin zum unumstrittenen Allroundgetränk für jede
Gesellschaftsschicht ist längst in Angriff genommen. SUBWAY hat für Euch eine gefährliche
Reise ins Reich der Biere unternommen, um alte Traditionen auszugraben und neue Trends
aufzuspüren.
„Erst nippen, dann kippen; nicht denken, sondern einschenken“. Der deutsche
Volksmund scheint bisweilen äußerst kreativ, wenn es um die lyrische Beschreibung des
hierzulande beliebtesten Kaltgetränkes, dem Bier, geht. Gerne rezitieren berauschte
Stammtischbrüder in geselligen Eckkneipen diese simplen Verse zur grenzenlosen Steigerung der
weltweit bekannten deutschen Gemütlichkeit: „Rostig wird des Rades Schiene, wenn nicht das Rad
darüber rollt, frostig wird des Mannes Miene, wenn nicht ein Bier die Kehle ölt.“ Bier gehört
zweifelsohne zur deutschen Kultur wie Gartenzwerge mit Schießbefehl in des Spießers Vorgarten
oder das Schützenfest in die Provinz abseits der Metropolen. Dezent rosa umstrickte Klorollen
und ein kecker Nickdackel auf der Heckablage der Familienkutsche sind wohl genauso kompatibel
mit der deutschen Biertrinker-Kultur wie die Prinz-Heinrich-Mütze auf Vatis Haupt. Eine
regelrecht überschäumende Bierwelle schwappt über den deutschen Getränkemarkt und läßt die
Bäuche entschlossener Gerstensafttrinker stetig anwachsen. Experten unterscheiden in
obergärige Biere wie Alt, Kölsch, Weizen oder Berliner Weisse und untergärigen Hopfentrunk wie
Pils, Export, Helles und Lagerbier.
Echte Kenner schätzen darüber hinaus saisonale Starkbiere wie Märzen, Bock,
Doppelbock oder
sogar den Eisbock mit einem für Bier astronomischen Alkoholgehalt von 13,2%. Alkoholfreie
Spezialbiere oder importierte Lifestylebiere aus Amerika und Übersee mit teils aphrodisischer
Wirkung runden die Palette ab. „Hopfen und Malz, Gott erhalt’s“? Von wegen! Andere Länder,
andere Sitten: In Mittel- und Südamerika wird Bier z.B. aus Mais gebraut, in Afrika aus Hirse
und in Asien auch schon mal aus Reis. Dies sind aber mitnichten die einzigen Varianten des
Genusses. So gibt es mittlerweile, auch schon Gerstensaft mit Schoko-, Chili- oder
Austerngeschmack. Die sonst so seriösen, mit Nummernkonto und edler Uhr bestückten Schweizer
freuen sich über ihr Hanfbier. Evergreen der Deutschen bleibt aber immer noch das klassische
Pils. 1283 Brauereien in Deutschland stellen derzeit über 5000 verschiedene Biere her.
Insgesamt buhlen weltweit etwa 12000 Biermarken um die Gunst der Trinker. Statistisch nahm im
letzten Jahr jeder Bundesbürger fast 130 Liter des meist bernsteinfarbenen, aber gelegentlich
auch mal grünen oder blauen Hefegebräus zu sich. Das ist mehr als ein Sechstel des
Gesamt-Getränkeverbrauchs der Bundesrepublik, oder anders gesagt: Spätestens alle 36 Stunden
rinnt ein kühles Helles die Kehle eines Bierkonsumenten hinunter! Auf’s Jahr umgerechnet
ergibt sich so die rekordverdächtige Summe von 104.512.000 Hektoliter. Softdrinks wie Cola und
Limonade können dem Sieben-Minuten-Pils hier nicht den Hopfen reichen. Alarmierenden
Erhebungen zufolge ist der Pro-Kopf-Verbrauch in den letzten vier Jahren allerdings um
erschreckende elf Liter gesunken. Somit entfallen auf jeden Bundesbürger gerade noch 127 Liter
(1998) des berauschenden Abkühlerlebnisses. Daß es dieses Erlebnis überhaupt gibt, haben wir
übrigens Carl von Linde zu verdanken. Der gute Charlie hat im Jahre 1895 den gekühlten
Brauprozeß erst möglich gemacht. Dank der von ihm erdachten Kühlmaschinerie war man nun auch
in der Lage, im Sommer zu brauen. „In the early years“ wurde nämlich nur in der kalten
Jahreszeit gebraut. Durch die Möglichkeit seit etwa 100 Jahren nun auch im Sommer Gerstensaft
herzustellen (und natürlich auch zu bechern), ist dann wohl auch der jährlich um die 100
Millionen Hektoliter liegende Bierausstoß zu erklären. Trotzdem ist ein empfindlicher
Umsatzeinbruch nicht zu leugnen. Im internationalen Vergleich konnten sich die Deutschen damit
litermäßig immerhin noch auf einen respektablen zweiten Platz der Bierkonsumenten-Charts
picheln, einzig geschlagen durch die noch trinkfesteren Tschechen, die Erfinder des Pils!
„Viele jüngere Konsumenten haben sich zum einen auf ausländische Spezialbiere konzentriert“,
versucht Herr Wiedemann vom Getränkevertrieb Kozlik die Gründe für den Umsatzschwund zu
erklären. „Zum anderen greifen viele immer öfter zu den neuen, sogenannten „Alco-Pops“, wie
Baccardi-Breezer oder Hooper’s Hooch.“
Muß man sich also um den Biertrinker-Nachwuchs ernstlich Sorgen machen?
Nein, denn wie es
scheint, findet man mit zunehmendem Alter immer mehr den Draht zum Bier. Die Info-Grafik
(Seite 15) belegt, daß Kummer und Sorgen, je älter man wird, lieber mit Bier weggespült werden
als mit anderen Alkoholika oder Soft-Drinks.
Die weltweite Globalisierung des Getränkemarktes macht aber auch vor
Deutschland und seinen
Bieren nicht halt. In zehn Jahren, so schätzen Experten, wird es nur noch einen Bruchteil der
jetzigen Braustätten geben. Gelassen sieht man diesem Treiben bei der Brauerei Feldschlößchen
in Braunschweig entgegen: „Der Übernahmepoker ist zu einem vorläufigen Ende gekommen“, meint
Felicitas Schlué, Pressereferentin der Brauerei und fügt hinzu: „Denn gerade die gutgeführten
mittelständischen Brauereien werden sich aufgrund ihrer Produktvielfalt halten.“ Von hiesigen
Gepflogenheiten und Problemen gänzlich unbeeindruckt zeigt sich die japanische Großbrauerei
Kirin Brewery aus Sapporo. Wegen Geldnot der Wies’n-Veranstalter wollen die Braumeister aus
dem Land der aufgehenden Sonne den diesjährigen Lederhosenumzug des Münchner Oktoberfestes
großzügig sponsorn.
Immer aggressiver und unverfrorener bewerben aber auch deutsche Bierkonzerne
den heimischen
Markt, um ihr Produkt der jeweiligen Zielgruppe feil zu bieten. Herr Basilius, der
Braunschweiger Mumme-Hersteller, hat da eine ganz spezielle Meinung, wie man den jungen
Konsumenten wieder an ein Produkt binden kann: „Um diese Zielgruppe zu erreichen, muß es
entweder ein Energy-Drink sein, oder es müssen ordentlich Umdrehungen drinstecken.“ Da hat die
Braunschweiger Mumme im Moment leider schlechtere Karten, denn die Mumme ist „nur“ ein
Malzextrakt. Trotzdem versucht man, mit der kürzlich erschienenen Mumme-Fibel neue
Käuferkreise zu erschließen. Die Fibel gibt nützliche Tips zum Einsatz der Mumme in „Topf und
Pfanne“. Die Multis der Bierbranche entwickeln da schon andere Ideen und Strategien und
engagieren sich mehr und mehr im Sponsoring. Die Bremer Brauerei Beck & Co. beispielsweise
ließ jüngst die Rekordsumme von 20 Millionen Mark ins Popbusiness fließen, um die
Westernhagen-Tour ‘99 zu „unterstützen“. Nur so kann der Pfefferminz-Prinz mit der größten,
jemals in Deutschland aufgebauten Bühne kokettieren. Und auch bei uns in der Region sind
Sponsoring und Werbung natürlich schon lange kein Fremdwort mehr, wie das Engagement der
beiden braunschweiger Major-Brauereien Wolters und Feldschlößchen in Sport und Kultur deutlich
zeigt. Ob nun das Braunschweiger Filmfest, die Baketballer der SG oder die Lions, sie alle
profitieren vom warmen Geldregen der Braustätten. Auch die Zielgruppe Frau ist zunehmend mehr
im Visier der Marketingexperten. 80% der Männer und immerhin stolze 60% aller Frauen ab 18
Jahren bekennen sich freimütig zum Bier. Das Klischee des fernsehenden und in ballonseidende
Freizeitkleidung gehüllten Fußballfans trifft nur noch vereinzelt zu. Heute muß einem der
Griff zur Flasche nicht mehr peinlich sein – das kohlensäurehaltige Getränk ist schon längst
gesellschaftsfähig geworden. Neben den hiesigen All-Time-Classics hat man mittlerweile die
Qual der Wahl zwischen Bieren aus Übersee und ganz Europa.
Ob es nun Biere von jenseits des Atlantiks, wie das mexikanische Sol, das
amerikanische
Miller’s sind oder die Nordlichter à la Heineken und Tuborg, sie alle bedeuten „keine
ernsthafte Gefahr für den deutschen Markt. Ich sehe diese Biere eher als Bereicherung der
Produktpalette“, freut sich Felicitas Schlué über die Importbiere. Um die Gunst der Durstigen
zu erringen, genügt es für ein Bier deshalb schon längst nicht mehr, einfach nur gut zu
schmecken. Aufwendig designte Labels am Flaschenbauch gehören ebenso dazu, wie der
Kronenkorkenverschluß, für den man keinen Flaschenöffner mehr benötigt. Daß große Firmen hier
mithalten können, ist nachvollziehbar. Doch auch die kleineren Brauereien halten sich tapfer.
Der Trend geht zum Bier aus der eigenen Kneipe. Jährlich kommen deutschlandweit rund zwanzig
Kneipen, die ihr Bier direkt neben dem Tresen brauen, hinzu. Gutes Beispiel hierzulande dürfte
da wohl die Braunschweiger Brauerei Schadt sein. Auch hier kann man sicher sein, ein Bier „aus
eigenem Anbau“ zu schlürfen.
Es geht jedoch längst nicht mehr nur um den Inhalt der Bierbuddel. So hat
die Firma Schmalbach-Lubeca bereits erste serienreife PET-Plastikflaschen für Bier entwickelt und damit
für erhitzte Gemüter unter Deutschlands Biertrinkern gesorgt. „Stillos“, granteln die einen,
„praktisch“, loben die anderen das neue Behältnis, das bei Markteinführung schon bald das
Alkoholtabu in Fußballstadien aufheben könnte. Die Bierhersteller jedenfalls sehen dem neuen
Verpackungsmedium Plastik positiv entgegen: „Die PET-Flasche könnte in etwa fünf Jahren eine
Rolle spielen, wird jedoch Flaschen und Dosen nicht verdrängen. Das Verpackungsmaterial
Plastik ist also auf dem Vormarsch. Optimisten meinen sogar, daß in ungefähr 20 Jahren nur
noch in Plastikflaschen abgefüllt wird“, spekuliert Felicitas Schlué.
Angesichts der Vielfalt und des steigenden Wettbewerbsdrucks der Konzerne
stellt sichnatürlich die Frage, wie der köstliche Hopfensaft überhaupt in die Dosen, Fässer oder Flaschen
kommt. Denn ob nun recyclebare Glas- oder Plastikflaschen – am traditionellen
Herstellungsvorgang ändert das nichts.
Der Trick der Braumeister besteht darin, vor dem Gärprozeß möglichst viel
Stärke in Zucker umzuwandeln. Die Pflanze braucht nämlich beim Wachsen Zucker als Energielieferant. Dem Korn
wird der Sommer vorgetäuscht, mit Wärme und Feuchtigkeit. Nach ungefähr einer Woche hat die
Hefe den größten Teil des Zuckers umgesetzt. Das Produkt, das dabei entsteht, wird noch einige
Zeit „nachvergoren“ und ist nach einer Filtration fertig für die Abfüllung. Wenn man also auf
Zechtour geht und zwei Liter Bier „wegsteckt“, dann entspricht das immerhin einer
repektabelen Menge von zehn Brötchen. Bier ist allerdings keinesfalls eine rein europäische
oder gar deutsche Ideenleistung. Die Ursprünge des Bieres lassen sich 3500 Jahre bis ins alte
Ägypten zurückverfolgen. Eine Zeit, in der man hierzulande noch in tiefster Bronzezeit
verhaftet war. Die Assyrer komponierten aus den Ingredienzien Getreide und Wasser ein
bekömmliches Gebräu, um sich beim Pyramidenbau bei einem frischgezapften Bier zu entspannen.
Im großen und ganzen hat sich an dieser Rezeptur bis dato auch nicht viel geändert. Seit dem
23. April 1516 gibt es bei uns das deutsche Reinheitsgebot. Bier darf demnach ausschließlich
aus Malz, Hopfen, Hefe und Wasser gebraut werden und muß gänzlich ohne künstliche Farb- und
Aromastoffe auskommen.
Seit 1997 dürfen in Deutschland aber auch derart „gepanschte“ Biere aus
EU-Staaten vertrieben werden. Trotz eines gemeinsamen Marktes, wirrer Harmonisierungs-Richtlinien und grenzfreiem
Handel, wurde das Reinheitsgebot immer zäh verteidigt und ist weiterhin gültig für unsere
Brauereien. Am Herstellungsvorgang des Gerstensaftes hat sich im Zeitalter von High-Tech und
Computerisierung natürlich einiges geändert. Um ein hygienisch perfektes Bier in die Flasche
zu bekommen, sind mikroprozessorgesteuerte Abfüllanlagen und präziseste Meßtechniken an der
Tagesordnung. Der traditionelle „Hosenbodentest“ gehört wohl fast schon ins Reich der
Legenden. Früher setzte sich der alte Brauer auf eine solide Holzbank, die er vorher kräftig
mit seinem Bier begossen hatte. Jetzt folgte die entscheidende Qualitätskontrolle. Der Brauer
nahm Platz: Blieb das Gebräu mit samt der Bank am Hosenboden kleben, war das Bier nahrhaft und
damit auch gut. Andernfalls galt es als wässrig und minderwertig. Besonders anspruchsvolle
Kehlen können sich das „Do-it-yourself-Kit“ auch ins Wohnzimmer stellen und dort ihre Hefe
selbst rehydrieren. Über’s Internet (www.selbstgebraut.de) kann man sich die entsprechenden
Utensilien direkt nach Hause ordern. Die Minibrauerei für Kronenkorken-Flaschen kommt mit
U-Absaugrohr, Gummistopfen und gar einem Startgäreimer via Express direkt ins Haus.
Den Gelegenheitstrinkern sei noch mit an die Hand gegeben: Bier und Gesundheit schließen
einander nicht zwingend aus. Epidemiologische Untersuchungen geben Anlaß zur Hoffnung: „Bier
in Maßen“, so die Mediziner, „ist gesundheitsfördernd“ und hat, man höre und staune, „sogar
günstige Wirkungen auf Blutdruck, Elektrolythaushalt, Fettstoffwechsel und vermindert
Herzkreislauferkrankungen.“ Ein Freibrief zum Saufen? Natürlich nicht, denn als Faustformel
für männliche Biertrinker gilt noch immer: acht ml Bier (5% Alkoholgehalt) pro kg
Körpergewicht. Also spätestens nach drei Bieren: Finger weg vom Steuer! Frauen sind hier
naturgemäß etwas benachteiligt und bauen den Alkohol langsamer ab. Ausnahmen bestätigen
natürlich die Regel, denn bei so manchen ist sprichwörtlich Hopfen und Malz verloren.
Jetzt aber noch ein paar nützliche Tips zum Biergenuß an sich: Das Gebräu darf natürlich weder
zu warm, noch zu kalt sein. Schon bei der Lagerung sollte man darauf achten, daß das Bier
kühl, trocken, dunkel und stehend (also am besten im Keller) aufbewahrt wird. Aus diesem Grund
wird der Gerstensaft übrigens auch vorzugsweise in dunkle Flaschen abgefüllt, denn Licht wirkt
sich nachteilig auf den Geschmack aus. Auch wenn man seine kühlen Freudenspender viel länger
als sechs Wochen unangetastet herumstehen läßt, sollte man beim Öffnen nicht mehr auf die
volle Geschmacksentfaltung warten. Wenn man diese Hinweise beachtet, steht dem puren Genuß
fast nichts mehr im Wege.
Aber auch nur fast. Also liebe Kinder, gebt fein Acht: Das Bierglas, wenn
denn überhaupt eins verwendet wird, sollte beim Eingießen immer schön angeschrägt werden. Sonst wird es mit einer
ordentlichen Pils-Blume nie was! Ebenso schwierig wird das Ganze, wenn das Bier zu kalt oder
zu warm ist, denn dann gibt es entweder „echte“ Maurerbrause oder ein komplettes Schaumbad.
Wer es perfekt organisieren will, sollte sein Bierchen auf sieben bis neun Grad temperieren.
Doch auch das genialste Bier sollte man nicht bis zum Abwinken trinken. Doch auch in diesem
Fall gibt es Hilfe: Reformhäuser bieten dem verkaterten Biertrinker lindernde Hilfe an. Hier
gibt es das sogenannte Silicea-Balsam: Das Geheimrezept gegen den Kater. Es beruhigt die
Magenschleimhaut, bindet die durch das Trinkgelage aktivierten Darm- und Stoffwechselgifte und
erleichtert die Ausscheidung! Na denn, wohl bekomm’s!
Text: Markus Kruppa, Henning Schmidt Foto: GfÖ
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