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Alternde Rockstars gibt es ja beileibe genug. Zum einen solche, die in einem Alter, in dem andere Menschen bereits ihr Hüftleiden mit Fangopackungen kurieren, noch vermeintlich juvenil über Stadionbühnen hüpfen, als wäre es wie einst im Mai. Zum anderen die eher moribunden Mucker, die von der unerwarteten Last des Alters in die vermeintlich hohe Kunst getrieben werden. Beides ist aber kaum schön mit anzusehen, noch anzuhören. Und dann gibt es da gottlob noch XTC: die britischen Provinz-Popper waren nämlich nur mal kurzzeitig populär, und das auch schon vor längerer Zeit und das auch noch nicht mal wirklich. Trotz klanglich und intellektuell feingesponnener Kleinode wie „Making plans for Nigel“, gelang dem Trio um den verschrobenen Einzelgänger Andy Partridge nie ein nennenswerter Chart-Erfolg. Also kein Golf XTC – selbst wenn VW auch heute noch rüstigen Rockrentnern die späten Jahre mit prallen Werbe-Millionen versüßen würde.
Nein, auf der glamourös-mondänen Seite des Pop-Biz waren XTC nie anzutreffen: stattdessen nahezu zwanzig Jahre solides Wirken am Rand der bunten Glitzerwelt, Feingeistiges in Heimarbeit statt der großen Sause – schnöde Standards wie etwa Live-Auftritte lehnt der sensible Genius Partridge schon seit Beginn der 80er Jahre strikt als zu belastend ab.
Nun folgen nach fast siebenjähriger Schaffenspause gleich zwei neue Werke der mittlerweile zum Duo geschrumpften Band: „Apple Venus Part I“ und „Part II“. Selbst für die zurückgezogenen Tüftler eine lange Pause: die Musiker hatten schlicht nachgerechnet und festgestellt, daß ihr Stamm-Label Virgin sie quasi noch nach dem Einstiegshonorar früherer Tage entlohnte. Angesichts magerer Tantiemen verweigerten XTC prompt die weitere Zusammenarbeit, bis die Plattenbosse ein Einsehen hatten und die Combo aus dem Vertrag entließen, erzählt Colin Moulding, der für den krank im heimischen Swindon darniederliegenden Partridge zum Interview angereist war. Die neuen Werke erscheinen nun auf dem bandeigenen Label Idea Records, viel geändert hat sich jedoch nicht: auch die neuen Songs des Duos klingen wieder einmal britischer als das Gesamtwerk aller Brit-Popbands zusammen. Da verwundert es auch kaum, wenn Moulding Fragen nach möglicherweise vom eigenen Werk inspirierte Nachfolger wie Blur indigniert zurückweist: „Ich interessiere mich nicht für aktuelle Musik.“
So pendeln XTC auch diesmal entspannt durch ein zeitloses Pop-Universum, in dem allenfalls noch Platz für Hausgötter wie die Beatles ist, aber weder für Sex, noch Drugs noch – gottbewahr – Rock’n’Roll. Soundtracks für derart lasterhaftes Treiben zu verfassen, ist die Sache der Briten nicht: „Ich denke, „Apple Venus“ könnte verheirateten Paaren ganz gut gefallen“, so Familienvater Moulding. Musik für gereifte Menschen, die einander verstehen und liebhaben. Oder auch nicht: „F-U-C-K is that how you spell friend“, singt Partridge in dem bezaubernd bösen Liebeslied „Your Dictionary“. Ruhige Töne lassen eben nicht immer auf einen altersmilden Geist schließen...
Text: Alexander Haase Foto: Archiv
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