Candle-Light & Seiden-Laken

Von Singles und Paar(ungen)

Der Frühling ist im gange, und die Romantikwelle rollt... Sie ist sogar quasi am Überschwappen. Einmal quer durch die TV-Landschaft zu zappen, reicht aus, um eine Extraportion Süßholz zu erwischen – von traumhaften Hochzeiten über herzige Single-Shows bis zu öffentlichen Liebesgeständnissen, unterstützt von selbstgesungenen Serenaden reicht die rosarote (teilweise auch pflaumenfarbene) Palette. Was aber nun genau Romantik ausmacht, diese vielzitierte Eigenschaft, die das Herz zum Höherschlagen und Zerschmelzen bringt, dieser Frage ist der Cora-Verlag, Herausgeber von Romance-Novels à la „Julia“ in einer breit angelegten, länder- und kontinenteübergreifenden Umfrage, dem Romance-Report 1999, nachgegangen.

Teilweise krass auseinandergehende Aussagen lassen hierbei staunen – so empfinden z.B. der Großteil der befragten japanischen Männer es höchstens als „neutral“ und keineswegs romantisch, wenn die Liebste eine Verführungsszene plant oder die Schlafstätte mit seidenen Laken bezieht. Weit höher auf der Romantikskala wird im Land der aufgehenden Sonne eingestuft, wenn die Angebetete das Hobby mit dem Herzbuben teilt.

Deutsche Männer überzeugen dagegen durch grundsolide Romantik – sie halten es immer noch für die gängigste Methode, Blumen sprechen zu lassen oder durch eine opulentes Candle-Light-Dinner im Restaurant ihre Verliebtheit auszudrücken. Die positive Einstellung zur Romantik kommt auch nicht von ungefähr – fast die Hälfte der deutschen Männer bezeichnet im nachhinein ihren ersten Kuss als „wunderbar“ und – zumindest wird es hier behauptet – feiern mit Hingabe den jährlichen Hochzeitstag, den sie als „schönsten Tag ihres Lebens“ bezeichnen. 85 Prozent lassen in der Liebe lieber Taten als Worte sprechen, und nur acht Prozent sind der Meinung, romantische Aktionen müssen unbedingt zu Sex führen (bei den feurigen Griechen sind 48 Prozent dieser Meinung). Für sehr romantisch hält der deutsche Nachwuchs-Romeo es – im Unterschiede zum japanischen Pragmatiker – einer geplanten Verführung zum Opfer zu fallen, wohingegen 97 Prozent es als eher abtörenend empfinden, gemeinsam mit der Dame ihres Herzens einen eindeutigen Film anzuschauen.

Apropos Dame. Natürlich wurden auch die romantischen Vorstellungen der weiblichen Bevölkerung untersucht: Japanerinnen sind zu 60 Prozent der Ansicht, der Mann sei verantwortlich für die Romantik in einer Beziehung (dann viel Spaß bei der gemeinsamen Hobbyausführung); bei 59 Prozent der Spanierinnen hingegen führen romantische Stunden direkt ins Bett... Die deutschen Damen finden es immer noch am aufregendsten, verführt zu werden, und das absolute Schlimmste sind für alle befragten weiblichen Wesen TV-Glotzer und andere Frauen anmachende Prinzen. Interessant übrigens – trotz der New Romantic-Welle wäre in keinem der befragten Länder eine Mehrheit – weder weiblich noch männlich – zu finden, die bereit gewesen wäre, ähnlich Romeo und Julia oder Kate und Leonardo für den jeweiligen Partner das Leben zu geben... Auch Diäten oder Styling-Änderungen für den Partner sind verpönt – „I am what I am“ lautet fast überall das Motto. Und was sagt die Praxis zu soviel romantischer Einstellung auf dem Papier? Selvi Güclü, Leiterin der Agentur Heartbeat, die seit Anfang März zuständig für die Vermittlung von Blind Dates in und um Braunschweig ist, kann den Trend hin zur Romantik bestätigen. „Viele unserer Kunden – von denen übrigens mehr Männer als Frauen sind – geben an, romantisch zu sein“.

Wie rosarot-herzig die Blind Dates bei Hearbeat nun tatsächlich ablaufen, dazu kann sie auch nicht viel sagen. „Wir geben nur die Hilfestellung dafür, daß die zahlreichen Singles hier in Niedersachsen zueinander finden können. Für die Umsetzung und das tatsächliche Glück sind am Ende nur die Kunden selbst zuständig...“

Text: Anja Botzler
Foto: Cora
Romance Report

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