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Werbung ist überall, ob wir es nun gerade merken oder nicht. Und wenn auch nicht erwiesenermaßen wirkungsvoll, so doch auf jeden Fall am einprägsamsten ist Werbung, wenn sie mit erotischen Signalen arbeitet, wie die massiv eingesetzten Spots für den Bahlsen-Riegel „Pick Up“ („Sie könnten schon wieder? Aber schön knien bleiben!“) oder das Langnese-Eis „Magnum“ (mit dem Kondomautomaten am Strand) beweisen. Besonders Kosmetikprodukte, Sekt und Autos werden im Fernsehen und in Illustrierten häufig mit attraktiven, leichtbekleideten jungen Damen beworben. Diese Methode, nämlich ein Produkt mit einem weiblichen Eyecatcher zu versehen, hat eine jahrzehntelange Tradition.
Wer kennt nicht noch die alten Coca Cola-Werbeblechschilder, die heute noch in Kneipen mit Nostalgieanspruch hängen? Da sitzt eine sehr realistisch gemalte Dame mit einem Outfit, das mit dem doppelten an Stoff wohl eine Stewardessenuniform wäre, über dem roten Logo und freut sich sichtlich über ihre Colaflasche. Mit solchen Motiven wurden in den Sechziger Jahren sehr viele Produkte beworben, vor allem jedoch Genußartikel wie Softdrinks, Bier und Zigaretten.
Nun ist seit Andy Warhol und seiner Pop Art-Definition alles in der Lage, Kunst zu sein, und einer, der die Kombination von begehrenswerten Frauen und begehrenswerten Konsumartikeln in seinen Bildern zur Kunstform erhoben hat, ist der 1935 in Kalifornien geborene Mel Ramos. Seine fotorealistischen Pin Ups sind auch heute noch jedermann bekannt, ebenso wie seine früheren Batman-Bilderserien. Grund genug für das Kunsthaus Han-nover, eine umfassende Retrospektive (die noch bis zum 18. Juli zu sehen sein wird) des amerikanischen Künstlers zu zeigen. Neben den Pin Up-Serien sieht man hier auch die später entstandenen Akte sowie Ramos’ Tierbilder, die nackte Frauen in Umarmungen mit zum Beispiel Oran-Utangs zeigen.
Was jedoch auf den ersten Blick nach einer Ausstellung für Voyeure aussieht, ist in Wahrheit ein Muß für Pop Art-Interessierte, sind doch die Pin Up-Girls des Kaliforniers, der heute hauptsächlich in Spanien lebt und arbeitet, mit ihren jedes Dekolleté sprengenden Brüsten, endlos langen Beinen sowie Haaren und den strahlend weißen Zähnen allzu perfekte Abbilder des weiblichen Schönheitsideals im Amerika der Sechziger und frühen Siebziger Jahre, und werden sie ja nicht nur mit Coca Cola und Gitanespackungen als Werbeteaser gezeigt, sondern auch in Kombination mit typischen Männerfetischen wie dem Fußball oder dem Sportwagen. Die Frau wird von Ramos dadurch als reduziertes Sexualobjekt überzeichnet und die Männerwelt der Massenmedien gleichsam entlarvt.
Text: Sascha Peter Foto: Kunsthaus
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