Büro-Farce

In der neuen Komödie von Mike Judge ist nicht „Alles Routine“

Die Folterkammer der Neuzeit findet sich in den sterilen, modernen Großraumbüros. Auf engstem Raum zusammengepfercht, in würfelförmige Arbeitszellen gezwängt, ohne Chance auf Individualität, verkommt der Büroalltag zu einer lästigen, immer gleichen Notwendigkeit, die einem die letzte Freude an der Existenz raubt und das Gefühl gibt, mit dem Wort Loser auf die Stirn tätowiert, durchs Leben zu gehen. Diesen, mit menschlichen Tragödien übersäten Mikrokosmos hat sich „Beavis and Butt-Head“-Schöpfer Mike Judge nun für seinen ersten nicht-animierten Film zum Vorbild genommen.

Beim Computerkonzern Initech fristet Peter (Ron Livingston) sein Dasein. Seine Freundin betrügt ihn, aber eigentlich liebt er sie auch gar nicht. Sein Schwarm heißt Joanna (Jennifer Aniston), Kellnerin in dem Schnellrestaurant, in das Peter mit seinen Freunden Samir und Michael Bolton stets in der Mittagspause vor der Großbüro-Monotonie und Bill Lumbergh (Gary Cole), dem rücksichtslosesten seiner neun Vorgesetzten, flieht. Als sich Peter zu einer Hypnose-Therapie entschließt, kommt der Wendepunkt. Der Hypnotiseur stirbt, Peter bleibt in seiner Alles-Egal-Haltung gefangen. Die Folge: er geht nicht zur Arbeit, bittet Joanna um ein Date und sagt zwei Initech-Unternehmensberatern so richtig seine Meinung. Dank seiner bedingungslosen Offenheit wird Peter befördert – seine Freunde entlassen. Nun schwören die drei Rache und wollen mittels Computervirus den verhaßten Arbeitgeber um eine kleine Abfindung erleichtern. Doch nicht alles verläuft nach Routine...

Mike Judges hintergründige Bürokomödie wirkt wie eine Mischung aus „Dilbert“ und „Beavis and Butt-Head“, die immer dann am besten ist, wenn sich ihre leicht cartoonartigen Charaktere mit der kafkaesken Realität konfrontiert sehen. Gerade die erste Hälfte der bitterbösen Büro-Farce besticht durch Tempo, Timing und eine Vielzahl an ungewöhnlichen Einfällen. Und wer sich selbst schon einmal auf der Arbeit wüsten Zerstörungsphantasien hingegeben hat, kann bei „Alles Routine“ erleben, wie diese mit Hilfe eines Baseball-Schlägers für ein allzu arbeitsunwilliges Faxgerät Realität werden.

Text: Lars Räke
Foto: 20th Century Fox
Alles Routine

außerdem in SUBWAY 6/99:

Gesellschaft

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