A nice life

Der achtziger Jahre Pop-Star Nik Kershaw ist wieder da

„Wouldn’t it be good to be in your shoes?“ sang er in den 80ern, nur um ein paar Platten später das Gefühl zu bekommen, selbst nicht unbedingt im richtigen Schuhwerk zu stecken. Nach vier LPs und einer deutlich nach unten fallenden Hitquote beschloß Nik Kershaw 1989, dem Business zumindest als Aktiver den Rücken zuzukehren. „Ich war müde und hatte einfach genug“, erzählt er im SUBWAY-Gespräch. „Ich dachte nicht, daß ich noch ein Album in mir hatte. Und der Vertrag mit der Plattenfirma war ausgelaufen. Außerdem wollte ich für meine Familie da sein, hatte eine rosige Vorstellung davon, wie leicht es sein würde, nur noch für andere zu schreiben. Das war es natürlich nicht.“ Trotz einiger Hits für Kollegen wie Chesney Hawkes („The one and only“), Conner Reeves oder die englische Band Let Loose war es keine so gute Zeit für ihn: „Ich habe zwar viel gearbeitet, aber nur wenig erfolgreich. Ich habe für seltsame Projekte geschrieben, wie z.B. Bonnie Tyler oder Tony Banks. Und eine Menge gemacht, von dem man nie etwas gehört hat: Songs, die nicht genommen, Projekte, die komplett eingestellt wurden, bevor die Platte veröffentlicht war. Das war sehr frustrierend, ist aber leider normal im Geschäft.“ Normal im Geschäft ist natürlich auch das Comeback – insbesondere zu einer Zeit, da mit Musik aus den 80ern allerorten wieder Geld gemacht wird. „Ich schätze, das war schlechtes Timing“, meint er dazu, „ich werde aber nicht jünger, wir mußten es also jetzt tun. Ich habe die Platte veröffentlicht, weil mir danach war. Aber ich kann den Leuten nicht verübeln, daß sie denken, ich würde auf den Trend aufspringen wollen, zumindest solange sie das neue Album nicht gehört haben.“

Auf „15 Minutes“ gibt es deshalb auch keine sägenden Keyboards oder andere 80er-Nostalgie. Stattdessen zeitlose Arrangements, die zwar freundlich (sprich: radiotauglich) sind, aber durch Kershaws immer noch intelligentes Songwriting und seine Stimme aus der Massenware herausragen. Der Radiohead-Fan weiß natürlich, daß er eher zu den reiferen Zuhörern spricht: „Radiohead haben eine Begeisterung wiedererweckt, die ich als Kind beim Plattenhören hatte. Aber ihre Fans sind wohl eher zwischen 16-25. Es ist fast unmöglich für einen 40jährigen, mit ihnen auf die gleiche Art zu kommunizieren. Da habe ich keine Illusionen.“ Dafür glaubt er, daß er noch nicht alles geschrieben hat, dessen er fähig ist. Hat er Ideale verloren im Laufe der Zeit? „Ich hatte nie so viele, keine tolle Vorstellung davon, wie es sein würde, berühmt zu sein. Das einzig enttäuschende war, daß ich nie das Gefühl hatte, etwas geschafft zu haben. Ich möchte jetzt einfach noch eine Weile dabei bleiben, erwarte gar nicht viel. It’s just good fun.“

Text: Matthias Wieland
Nik Kershaw

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