Terror aus dem Totenreich

Digital und familienkompatibel – „Die Mumie“ anno 1999

Das waren noch Zeiten, als Boris Karloff mit Vollkörper-Bandagen die miese „Mumie“ geben mußte. Heute kommt der Bösewicht aus dem Pyramidenland voll digital daher: die erste menschliche Kreatur, die vollständig per Computer für die Leinwand erschaffen wurde. Eine geniale Meisterleistung der Tricktüftler von „Industrial Light and Magic“. Die skelettierte Mumie wirkt so verblüffend echt wie die sezierten Leichen der Anatomieausstellung „Körperwelten“. Dabei bewegt sie sich mit einer Leichtigkeit, von der die holprigen Spielberg-Saurier und andere Godzillas nur träumen können. So innovativ die Effekte, so konventionell die Geschichte: ein bißchen „Indiana Jones“, etwas „Jagd nach dem grünen Diamanten“, ein wenig Lovestory. Zwei rivalisierende Expeditionen machen sich auf die Suche nach einem verschollenen Pharaonengrab. Die einen aus Raffgier, die anderen zum Wohl der Wissenschaft. Zum Team der Guten gehört die schusselige Bibliothekarin Evelyn, ihr schrulliger Bruder Jonathan, sowie der verwegene Haudegen Rick, wackerer Retter aus größter Not. Dem pompösen Auftakt, der die Vorgeschichte der Mumie als größenwahnsinniger Hohepriester zeigt, folgt eine laue Durststrecke. Erst nach allerlei Geplänkel und diversen Hindernissen erreichen beide Expeditionen den geheimen Tempel. Allen Warnungen zum Trotz erwecken sie die Mumie zum Leben. Und damit erwacht auch der Film wieder zum eindrucksvollen Fantasy-Spektakel. Erst besorgt sich das modernde Monster mordend ein paar frische Augen und eine Zunge. Später wächst noch mehr zusammen, was überhaupt nicht zusammengehört. Letztlich zeigen nur ein paar Löcher an Gesicht und Nacken, daß der Körper noch nicht ganz komplett ist. Während die einsame Mumie die schöne Bibliothekarin entführt, versucht ihr Team verzweifelt, mit dem „Goldenen Buch“ dem bösen Spuk ein Ende zu bereiten. So rasant und ironisch wie „Indiana Jones“ fällt dieses Actionabenteuer nicht aus. Dafür ist es zu sehr als Familienfilm konzipiert, als brave Geisterbahn, die darum bemüht ist, bei jeder Gewaltszene rechtzeitig abzublenden. Mit Blick aufs Kids-Publikum wurde der „Aus dem Dschungel, in den Dschungel“-Tarzan Brendan Fraser als Held engagiert – dem jedoch fehlt bei weitem jene charismatische Lässigkeit eines Harrison Ford. Fantasy-Fans kommen dennoch auf ihre Kosten, den phantastischen Digitaleffekten sei dank!

Text: Dieter Oßwald
Foto: UIP
Die Mumie

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