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Düster-melodische Klangwelten sind ihr Markenzeichen, für erdig-melancholische Klänge ist das Quartett aus dem britischen Halifax berühmt: Paradise Lost – eine der innovativsten Metal Bands der 90er brachten kürzlich ihr neuestes Werk „Host“ in die Läden. Über die Jahre haben sie sich mit ihrem unverwechselbaren Sound in der Szene etabliert und seither acht Alben veröffentlicht, mehr als eine Million davon verkauft und in Arenen mit bis zu 135 000 Fans gespielt. Nun beschreiten Nick Holmes und seine Kollegen ungewohntes Terrain, denn die schwarze Seele der Moll-Songs wird bei „Host“ untermalt von wabernden Keyboards und jeder Menge Samples. Eine Entwicklung, die sich schon auf dem letzten Studioalbum „One Second“ andeutete, haben Paradise Lost nun perfektioniert und damit elektronisches Neuland zu ihrer Heimat erklärt. Großen Anteil daran hatte auch der Produzent des englischen Quartetts, Steve Lyon. Eben jener verhalf schon den Synthie-Urvätern von Depeche Mode oder The Cure zu neuem, satteren Sound. Satter Sound ist es auch, der den Hörer der neuen Paradise-Lost-Scheibe erwartet: Ein Highlight für all jene, die nicht die Borniertheit besitzen, immer auf Bass, Gitarre und Drums zu bestehen. SUBWAY sprach anläßlich der Veröffentlichung von „Host“ und ihrem Auftritt als Headliner beim diesjährigen „Zillo-Festival in Hildesheim mit Paradise Lost-Cheftexter und Frontmann, Nick Holmes (kleines Foto rechts).
Vergleicht man die neue Platte mit Alben wie „Lost Paradise“ oder „Icon“ erkennt man eine musikalische Wende um 180 Grad. Wie geht Ihr mit der Kritik aus dem Heavy-Metal-Lager um?
„Man kann „Host“ nicht mit unseren bisherigen Alben vergleichen und natürlich gibt es Kritik von sogenannten Fans. Ich war mein ganzes Leben in diese Szene, da soll mir keiner was von diesem Genre erzählen. „Host“ ist das Resultat eines Prozesse, den wir durchgemacht haben. Wir haben es einfach satt gehabt, immer nur die gleichen Akkorde zu spielen, die man nur verschieden verzerrt. Wir wollen düstere Musik machen, aber eben völlig anders, als es alle anderen Bands tun.“
Wir würdest Du denn diesen neuen Stil von Paradise Lost beschreiben?
„Ich habe es ja mal als Dark Rock definiert, aber ich denke, daß es vielleicht drei Alben gibt, die unsere Entwicklung als Band widerspiegeln: „Gothic“, „Icon“ und jetzt „Host“. Wir haben sicherlich auch mit „One Second“ einen Anfang gemacht, aber jetzt ist es vollendet. Wir haben diese Entwicklung aber nicht bewußt gesteuert, es gibt keinen Masterplan oder sowas.“
Habt Ihr Euch also in den letzten Jahren mehr auf das Songwriting konzentriert als auf die musikalische Umsetzung?
„Ja genau. Wir haben speziell mit diesem Album die besten Songs gemacht, die wir je hatten. Natürlich werden die Leute rumjammern, die nur auf fette Riffs warten. Jeden, der mir jetzt erzählen will, daß wir früher besser waren, halte ich für einen totalen Spinner. Wir waren nie besser als jetzt.“
Wollt Ihr denn auch in Zukunft in dieser Richtung weitermachen?
„Wir werden die Technik nur zu unserem Vorteil benutzen und nichts tun, das sich nicht gut anhört. Wenn wir es weiterhin gut finden, machen wir auch weiter, wenn nicht, dann halt nicht. Wir sind in dieser Beziehung nicht fanatisch oder stur, wir machen nur etwas, von dem wir denken, daß es sein müßte.“
Wie groß ist der Einfluß Eures neuen Producers Steve Lyon, der ja schon mit Recoil, The Cure und Depeche Mode gearbeitet hat?
„Er bringt eine Riesenerfahrung an elektronischer Musik und Produktion mit, außerdem war er schon immer ein großer Fan unserer Musik. Die ganzen Songs waren aber schon relativ fertig, als wir begonnen haben, mit ihm zu arbeiten. Er hat sich dann darum gekümmert, daß sich alles perfekt anhört.“
Seht Ihr Euch als Band, die immer noch stark den 80ern verbunden ist?
„Wir vermeiden es lediglich tunlichst, irgendwelche Trends aufzunehmen, nur weil man damit vielleicht mehr Platten verkauft. Natürlich ist unsere Musik immer irgendwie 80er Jahre beeinflußt gewesen, aber es gibt jetzt keine spezielle Band, die man da herausgreifen könnte. Wir haben halt immer Sisters Of Mercy-Einflüsse gehabt, weil das eine großartige Band ist. Die beste Gothic-Band der Welt – die einzige Gothic-Band eigentlich. Aber sonst gibt es keine bewußten Einflüsse für uns, auch wenn wir schon immer Freunde von New Order- oder Smiths-Musik waren.“
Gab es innerhalb der Band eigentlich je Probleme, als es dazu kam, mehr Technik in den Produktionsprozeß zu involvieren?
„Nein, denn jeder hat trotzdem immer noch genug zu tun. Wo unser Gitarrist früher zwei verschiedene Sounds hatte, hat er jetzt 23. Man darf also nicht denken, daß durch den Einsatz von Technik auf einmal alle rumsitzen, und nur noch der Computer arbeitet. Die Vorwürfe, die man sich machen lassen muß, wenn man mit Technik arbeitet, sind total absurd. Wir experimentieren wirklich sehr viel, wenn wir im Studio sind und probieren alle verschiedenen Klänge auch aus.“
Andy Fletcher von Depeche Mode hat mal gesagt: „Man darf den gleichen Sound nie zweimal benutzen.“ Gilt diese Devise auch für Paradise Lost?
„Ach, warum soll man das nicht tun, wenn es sich gut anhört. Man darf sicherlich nicht bei jedem verdammten Album, das man macht, die gleichen Effekte benutzen, aber bei zwei oder drei Stücken mal ähnlich zu verfahren, ist doch kein Problem. Wir sehen das nicht so eng.“
Wird sich der Technikschub bei Euch auch auf der Bühne fortsetzen?
„Ja, auf jeden Fall. Live hört sich das neue Material einfach großartig an, viel besser als wir gedacht haben. Aus diesem Grund schleppen wir auch einen ganzen Bus voll extra-Technik mit uns ’rum und werden auch während des Konzerts von einem zusätzlichen Keyboa rder unterstützt werden. Nach den Festivals im Sommer werden wir im September auf große Tour gehen.“
Gibt es für Dich spezielle Tracks, die Du hervorheben würdest?
„Nein, es ist ein Album, das keine Füller mehr hat. Wir haben uns wirklich auf das Album als Ganzes konzentriert, nicht auf Singles. Singles sind nur Profitbringer für die Plattenfimen. Wir werden zwar gefragt, was wir auskoppeln wollen, aber das ist so als würde man gefragt, welches seiner Kinder man am meisten liebt.“
Interview: Henning Schmidt Foto: Paul Postle/EMI
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