Kurz bevor er als „Star Wars“-Krieger zum Lichtschwert greift, kommt Ewan McGregor als schüchterner Taubenliebhaber in die Kinos. Fans des Ex-„Trainspotter“ seien gewarnt: der smarte Schotte tritt nur in einer Nebenrolle auf. Übernommen hat der teure Star die kleine Rolle aus alter Freundschaft zu Regisseur Mark Herman, der ihn einst bei „Brassed Off“ engagiert hatte. So brillant wie dieses Bergarbeiterdrama fällt die märchenhafte Geschichte um eine junge Sängerin nicht ganz aus. Die junge Laura lebt allein mit ihrer Mutter. So lebenslustig die Mama, so verstockt und verschlossen die Tochter. Nur wenn sie die Plattensammlung ihres verschollenen Vaters hört, blüht Laura auf und imitiert mit viel Inbrunst die Chansons von Judy Garland, Shirley Bassey oder Marilyn Monroe. Der schrillen Mutter geht die ständige Singerei ihrer sensiblen Tochter, die alle nur noch „Little Voice“ nennen, gehörig auf die Nerven. Erst im gleichfalls gehemmten Telefonmonteur Billy (McGregor) findet Laura einen ersten freundlichen Fan. Kurz darauf entdeckt auch der schmierige Talentsucher Ray Say, gerade mit einem One-night-stand bei der frivolen Mutter zugange, das enorme Stimmtalent von Laura. Ray erhofft sich den großen Reibach, er versetzt seinen schäbigen Straßenkreuzer samt seinem letzten Goldkettchen, um „Little Voice“ auf die Bühne zu bringen und zum Star zu machen. Die Premiere endet im Fiasko. Doch ein Ray Say läßt sich davon nicht entmutigen. Der Film basiert auf einem populären britischen Bühnenstück von Jim Cartwright. Theateradaptionen fürs Kino bleiben auf der Leinwand leider häufig hölzern. Auch in diesem Fall wirken die statischen Schauplätze nicht unbedingt prickelnd. Ähnlich verhält es sich mit den Gesangseinlagen von „Little Voice“. Wenig kinogerecht erscheint zudem das übertriebene Getue der Akteure. Vor allem Brenda Blethyn, die bei „Girls Night“ noch brillierte, wirkt hier mit ihrer Überdrehtheit wie die Karikatur aus einer Comedy-Show. Und Ewan? Der ist lässig cool wie gewohnt, wird freilich kaum gefordert – letzteres dürfte sich beim „Krieg der Sterne“ ändern...