Alte Hasen?

Back for good: Echo & the Bunnymen

„The best comeback in the world... ever!“ titelte der Melody Maker, als Echo & the Bunnymen mit „Evergreen“ nach langjähriger Pause 1997 ein neues musikalisches Lebenszeichen von sich gaben. Nun gibt man hierzulande schon aus Gründen gebotener Vorsicht nicht gleich zu viel auf markige Statements der BritPresse, aber in diesem Fall mußte man zumindest anerkennen, daß der Band eine homogene Weiterentwicklung ihrer Qualitäten gelungen war... und sie den Vergleich mit den meisten jüngeren Hypes von der Insel leicht für sich entscheiden konnten. So ist Sänger Ian McCulloch im Gespräch mit SUBWAY auch spürbar stolz, daß sie in der Presse nicht „wie alte Säcke“ behandelt werden, sondern die Vergleiche eher Bands wie die Stone Roses oder The Verve bemühen, als deren legitime Vorfahren sie gleichzeitig gelten dürfen. Jetzt zeigen McCulloch und Gitarrist Will Sergeant den Nachgeborenen mit dem wundervollen neuen Album „What are you gonna do with your life?“, daß sie zu Recht immer noch als große Band gelten dürfen.

Viele neue Stücke kommen eher getragen daher. Woher kommst?

„Das ist eine Phase. Ich habe die langsamen Songs immer sehr gemocht, viellicht sogar lieber als die rockigen, aber das hat nicht unbedingt mit Alter zu tun; es war einfach nur die richtige Zeit für mich, diese Stücke zu schreiben. Das nächste Album wird wahrscheinlich wieder total anders, das ist wie im Leben, du mußt das machen, wonach du dich fühlst.“

War es denn eine große Veränderung, innerhalb der Stammband nur noch zu zweit zu sein (Bassist Les Patterson verließ vor den Aufnahmen die Band)?

“Not so much, really. Ich weiß nicht, ob das so viel ändern sollte. Wenn Will nicht da wäre, wäre es ein großer Unterschied. Es war auch keine große Sache, es gab keine Feindseligkeiten oder so etwas, das war eine persönliche Entscheidung, die mehr mit der Familie zu tun hatte.“

20 Jahre gibt es Echo & the Bunnymen bereits. Welches Gefühl beschleicht Dich, wenn Du zurückblickst?

„Ich vermisse die alte Zeit überhaupt nicht. Ich denke, wir haben immer wieder bewiesen, daß wir gut sind. Wir sind ja nie so groß geworden wie U2 oder REM, deren letzte Platten deswegen auch ein Haufen Müll waren. Es ist gut, der Underdog zu sein. It keeps you on your toes, you know? Ich habe alles, was ich brauche, ich habe eine Frau und zwei Kinder, die ich liebe, meinen Humor, mein Haar, meine Freunde, die meisten davon mit auf Tour. Ich fühle mich zufrieden, das heißt nicht, das ich milder werde, aber ich könnte nicht glücklicher sein, denn ich habe die völlige Kontrolle über mich selber.“

Die Frage „What are you gonna do with your life?“ heißt für dich also...

„...weitermachen, was ich tue, ich selber sein, bloß kein Fake sein, davon gibt es in der Musik zu viele, genau wie im Leben. Be me.“

Hattest Du Angst vor dem Comeback?

„Ja, denn wir waren für einen hohen Standard bekannt. Viele der alten Fans waren erwachsen und als das bekannt wurde, haben einige gedacht, das sollten Echo nicht tun, sie werden alles kaputt machen. Aber als sie die Platte gehört haben und besonders „Nothing lasts forever“, die erste Single, hatten wir bewiesen, daß die Skepsis umsonst war. Dabei hatten Will, Les und ich viel mehr zu verlieren als die anderen. Aber die letzten beiden Alben enthalten wahrscheinlich viel mehr gute Songs als die letzten fünf Alben davor. Ich war sehr froh, daß wir es gemacht haben, denn wir haben viel Zuspruch bekommen. Die neue Platte hat die besten Reviews überhaupt bekommen. Und live schreiben sie über uns nicht wie über alte Bands wie U2 oder REM...wir hatten zwar auch kommerziellen Erfolg, waren aber immer Außenseiter, haben das Spiel nie gespielt, so wie U2 es getan haben. Die wollten Fußballstadien füllen. Ohne die Bunnymen wären sie eine sehr gewöhnliche Band, die irische Version von Rick Springfield. Bei uns sollten die Leute das Gefühl haben, zu einem besonderen Club zu gehören. Nicht, um elitär zu sein, aber einfach nicht normal. Wir wollten keine Songs wie „I will follow“ singen, sondern Songs bringen, die einen ganz besonderen Ausdruck haben.“

Interview: Matthias Wieland
Foto: London Records
Echo & the Bunnymen

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