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Merkwürdig verschlafen liegt die kleine Stadt am Flußbett der Oker, dort zwischen Harz und Heide, wo der Spargel besonders gut gedeiht. Auch wenn dieses beschauliche Gemeinwesen nominell weit über zweihunderttausend Menschen beherbergen soll – der durchreisende Besucher bekommt sie kaum zu Gesicht. Zumindest nicht außerhalb der Geschäftsöffnungszeiten: Denn wenn diese sehr häusliche Spezies Mensch ihre Besorgungen erledigt hat, vermag nichts sie mehr aus dem trauten Heim zu locken: kein Flair, kein Spaß, keine Kultur. Nachtleben ist in dieser Provinzgemeinde selbstredend ein Fremdwort.... Halt! Stop! Jetzt mal halblang: ganz so schlimm ist es hier natürlich nicht. Weit verbreitet ist allerdings eine Art Minderwertigkeitkomplex unter den Braunschweigern: beständig hört man es von allen Seiten, in anderen, größeren Städten, da sei ja nun viel mehr los, da ließe es sich wahrlich besser leben – in Berlin, Hamburg, New York, Hannover. Na ja, in Hannover wohl eher doch nicht.
Zu Beginn dieses Jahres nun fand sich eine Gruppe von Braunschweigern zusammen, die mit der Aufrechterhaltung dieses Status Quos nicht mehr recht zufrieden war: zwar mußte Braunschweig nicht aus einem Dornröschenschlaf erweckt werden, aber es lag diesen Künstlern, Werbeleuten, Schreibern u.a. mehr, doch sehr am Herzen, die Stadt zumindest um eine Attraktion zu bereichern. So wurde eine Idee geboren, und wenn alles gut geht, kann Braunschweig im Spätsommer dieses Jahres etwas erleben. Noch stehen zwar nicht alle Details fest, aber einiges sei hier schon mal verraten: im Mittelpunkt sollen zwanzig Tage lang zwei Zelte stehen, ein großes und ein kleines. Dort wird von morgens bis spät in die Nacht allerhand passieren: Lesungen, Musik, Kleinkunst, Comedy, Bizarres, Skurriles, Überraschendes und Ausgefallenes. Zudem soll das Programm nicht nur von regionalen Künstlern dargeboten werden, nein, vor allem werden wohl nahmhafte Nicht-Braunschwieger an die Oker geholt. Die Initiatoren sind auf jeden Fall zuversichtlich: denn während die berüchtigte Expo die Region nur einmal beglücken wird, soll Braunschweig im Erfolgsfall zukünftig jedes Jahr zur Zeltstadt werden.
Text:Tobias Herwig
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