Mit der Verschmelzung, Veredelung, Verführung hat die 1993 gegründete Braunschweiger Jazzkantine nie Probleme gehabt. Als erste deutsche Formation verkochte sie so unterschiedliche Musikstile wie Jazz und Rap zu einem wohlschmeckenden Menü, das mit diversen Preisen und hohen Chartplazierungen belohnt wurde. Doch anstatt sich mit dem Erreichten zufrieden zu geben, geht die vielköpfige Kantinencrew erneut neue Wege, wagt nun den Schritt ans etablierte Staatstheater. Zusammen mit einer Ballettgruppe unter der Leitung des Chefchoreographen Pierre Wyss versucht man die Fusion von Populär- und Hochkultur, nennt diese treffenderweise Tanzzkantine. „Das Ganze ist kein Handlungsabend, sondern eine Begegnung von 16 Tänzern und 12 Musikern. Da werden zwei verschiedene Welten aufeinanderprallen, verschiedene Farben und Stimmungen entstehen“, verrät Wyss, der mit umjubelten Stücken wie „Clockwork Orange“ oder „My Marylin“ bereits viel Mut zum Crossover von Film, Musik und Tanz bewies. Vom 3.-24.7. stehen 20 Shows der Tanzzkantine im Kleinen Haus auf dem Programm. Eine aufwendige Bühnenkonstruktion mit Brücken und Treppen, in denen sich Tänzer und Musiker locker bewegen können, sowie eine spezielle Sendertechnik sorgen für viele visuelle und akustische Reize. „Wir haben zehn Titel aus den letzten Jazzkantine-Alben ausgewählt und neu arrangiert. Von improvisierten Stücken über Hits wie „Kein Bock“ bis hin zu Klassikern wie „Take Five“ werden wir dem Zuschauer und -hörer ein großes Spektrum bieten“, verspricht Chefkoch Christian Eitner. Glücklich darüber, mal nicht in Richtung MTVIVA-Kompatibilität zu arbeiten und ein neues Album verkaufen zu müssen, sieht er die Sache entspannt auf sich zukommen, freut sich nicht nur auf die „schrägen Abfahrten von Jazzkantine-Vibraphonist Gunter Hampel, sondern auch darüber, hier im „positiven Sinne mal rumspinnen“ zu können. Genauso bunt wie die Live-Collage aus Ballett, Jazz und Rap dürfte auch die Zusammensetzung des Tanzz-kantine-Publikums werden. Denn neben dem durchschnittlichen Staatstheater-Besucher und zahlreichen Jazzkantine-Fans, werden wahrscheinlich auch viele Teenies die Gelegenheit nutzen, Chart-Rapper Cappuccino endlich mal wieder live zu erleben. Da kommt also auch von dieser Seite im Juli einiges auf uns zu.