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Auf einmal war er wieder da, aber ein starkes Raunen des Wiedererkennens konnte er nicht erwarten: Dafür hatte sich zuviel verändert. Falls Oliver Perau, der einstmals mit Terry Hoax als das nächste große Ding nach den Furies gehandelt wurde, tatsächlich auf den Zuspruch seiner alten Fans gesetzt hat, ließ er es sich zumindest nicht anmerken. Denn sowohl äußerlich wie auch inhaltlich könnte der Wandel nur noch extremer sein, wenn er nach einer Geschlechtsumwandlung den Spice Girls beigetreten wäre. Dieser junge Mann im eleganten Zwirn, der die Worte „Ausgerechnet sie“ beinahe ins Mikrofon weint (was gemeinhin auch als „Soul“ bezeichnet wird) – und das in der Sendung „Nur die Liebe zählt“ – soll einmal fast ein Rock-Star gewesen sein? Der neue Perau, an den wir uns gewöhnen müssen, läuft auf VIVA und singt Sätze wie „Ich geh’ nie mehr aus dir raus“. Stoff genug für SUBWAY, mit Perau ein Interview zu führen.
SUBWAY: War Deine Funktion als Sänger von Terry Hoax ein Korsett oder hast du Dich persönlich einfach so extrem entwickelt?
„Das Korsett gab es ganz bestimmt, obwohl ich es nicht als das mißverstanden haben möchte. Mit 18 habe ich diese Band gegründet, da hat man noch keine genauen Visionen, was man machen will. Ich habe eben dem Rocksänger entsprochen und diese Rolle auch mit viel Begeisterung gespielt, aber irgendwann war ich 26 und habe gedacht, daß noch mehr in mir schlummert, was vielleicht auf der Strecke bleiben könnte. Jeder, der mich kannte, wußte, daß ich eben nicht Metallica zu Hause gehört habe, sondern Sammy Davis Jr., Frank Sinatra, Burt Bacharach und Popmusik. Daß es dann so kraß geworden ist, war jedoch nicht vorhersehbar.“
Du bist ja auch mal als Juliano Rossi mit Jazzstandards aufgetreten...
„Das waren Sachen aus meiner Kindheit, die ich immer mal singen wollte, das war nur ein Projekt für eine kurze Zeit.“
Ärgert es Dich, daß Xavier Naidoo mit einem ähnlichen Stil vor Dir veröffentlicht wurde, obwohl Dein Material zu der Zeit auch schon fertig war?
„Als ich ’97 das erste Mal zu Plattenfirmen ging, gab es noch keinen, der den Mut hatte, da etwas zu probieren. „Wer kauft sowas“, hat man mich immer nur gefragt. Ich habe die Platte dann selber fertiggestellt. Als Xavier Naidoo dann herauskam, habe ich mich schon geärgert, weil ich die Chance gehabt hätte, der erste zu sein, der so etwas macht.“
Du klingst sehr oft wie der melancholische, verlassene Liebhaber...
„Ich halte gerne an so einem Moment fest, obwohl er vielleicht schon lange vorbei ist. Ich habe mich sehr erwischt gefühlt, als ich in L.A. Burt Bacharach und Elvis Costello live gesehen habe und Costello einen Song angesagt hat, mit den Worten: „Dieser Song ist für die Leute, die verlassen worden sind, aber vor allem ist er für die, die verlassen worden sind und es genießen“, und ich dachte, „Oh, das ist für mich. Dankeschön.“ Das ist tatsächlich etwas, was mich fasziniert. Ich bin viel kreativer in diesen Phasen, als wenn es mir gutgeht.“
Interview: Matthias Wieland Foto: Olaf Heine
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