Der Pate beim Psychiater

Billy Crystal therapiert Robert DeNiro
– alles „Reine Nervensache“

Wie alle anderen (pop-)kulturellen Medien, ist auch der Film in hohem Maße selbstreflexiv, soll heißen, es werden immer wieder die gleichen Themen aufgegriffen und dabei die jeweiligen Vorläufer zitiert. Aktuelles Beispiel hierfür ist „Reine Nervensache“, die neue Komödie mit Robert DeNiro und Billy Crystal, die im und mit dem Milieu der Familie, dem Millieu der schwarzen Anzüge und großen dunklen Limousinen spielt: der Mafia. Ganz offen wird da auf Francis Ford Coppolas „Der Pate“ verwiesen, während Art und Weise stark an Woody Allens schwarze Gangsterkomödie „Bullets over Broadway“ erinnern, nicht zuletzt wegen Chazz Palminteri.

Zwei konkurrierende New Yorker Mafia-Clans arbeiten auf ein Gipfeltreffen ihrer Bosse hin. Einer von ihnen, Paul Vitti (Robert de Niro), entgeht dabei nur knapp einem Attentat und hat von diesem Moment an psychische Probleme: Skrupel beim Erledigen der täglichen Arbeit, Schwindelanfälle, Atemnot und, was ihn fast noch mehr nervt, Probleme beim Sex. Seine rechte Hand Jelly hat durch Zufall den beruflich frustrierten Psychiater Ben Sobol (Billy Cystal) kennengelernt, der, natürlich gegen dessen Willen, nun zu einer Eil-Therapie innerhalb der nächsten zwei Wochen herangezogen wird. Nach mehreren beiderseitigen Aufkündigungen der Zusammenarbeit, nach angeblicher Heilung und erneuten Rückfällen, nach einem weiteren Attentat und zwei vermasselten Hochzeitsfeiern helfen sich die beiden Tony Bennett-Fans gegenseitig und laufen schließlich auf dem großen Mafia-Treffen zu Hochform auf.

Billy Crystal spielt wie so oft einen munter psychologisierenden, leicht debil wirkenden Durchschnittsamerikaner, DeNiro ist wieder der Mafia-Boß, schafft es jedoch, diese Figur von einer völlig neuen Seite zu zeigen, die trotz aller parodistischen Züge noch immer glaubwürdig ist. Einziger Schwachpunkt: zu sehr bleibt der Film an Stereotypen kleben. Die Mafia mit ihrem Zusammenhalt und den dazugehörigen Rivalitäten, der Psychiater als eigentlich selbst zu Therapierender und der am Ende geläuterte Gangster. Ungeachtet dessen entwickelt sich Raimis’ Komödie über die Schwächen der harten Jungs zu einem äußerst kurzweiligen und sehr komischen Kinovergnügen.

Text: Hannes Gmelin
Foto: Warner Bros.
Reine Nervensache

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