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„Kitsch as kitsch can“ ließe sich bei dieser Geschichte über eine Freundschaft zwischen einem behinderten und einem dicken Kind befürchten. Erst recht, wenn als Hauptdarsteller der kleine Bruder von Ex-Kinderstar Macaulay Culkin auftritt. Doch zweitens ist der Regisseur Engländer und erstens hat er die brillante Komödie „Funny Bones“ gemacht. Dank Peter Chelsom schmiert das Außenseiter-Melodram nicht zur sentimentalen Schmonzette ab.
Der „Kevin allein zuhaus“-Bruder spielt den hyperintelligenten Kevin, der wegen einer seltenen Erbkrankheit nur auf Krücken gehen kann. Bald schließt er Freundschaft mit dem Nachbarsjungen Max, einem dicklichen Tölpel mit sonnigem Gemüt. Die beiden 13jährigen Freaks werden beste Kumpels, denn gemeinsam sind sie stark. Unschlagbar sind sie, wenn Mini-Einstein Kevin auf den Schultern von Riesenbaby Max sitzt: ein kluger Kopf auf massivem Körper, da haben auch die Schulrowdys wenig Chancen. Mit wilder Phantasie spinnt sich das ungleiche Duo immer wieder aus seiner schnöden Realität in die Ritterwelten des König Arthus und kämpft gegen imaginäre Drachen. Aus den lustigen Abenteuern wird freilich bald dramatischer Ernst: Max’ gewalttätiger Vater wird aus dem Gefängnis entlassen. Und Kevin holt seine tödliche Krankheit immer mehr ein. Die beiden Jungdarsteller spielen ihre Rollen verblüffend eindrucksvoll. Unterstützt werden sie von hochkarätigen Nebendarstellern: von Gena Rowlands über „Akte X“-Star Gillian Anderson und Meat Loaf (als ihr Mann!) bis zu Sharon Stone als besorgte Mutter – zugleich war sie Koproduzentin des Films. Statt auf moralischen Zeigefinger setzt Peter Chelsoms auf Humor. Statt berechnendem Rührstück gelingt ihm so ganz leichtfüßig eine bewegende Freundschaftsgeschichte im poetischen Stil von „Stand by me“.
Text: Dieter Oßwald Foto: Scotia Film
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