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Drei Jahre haben die dunklen Juwelen der deutschen Dark-Wave-Szene nichts von sich hören lassen. Untätig waren Alexander Veljanov und Ernst Horn jedoch nicht – jeder hat ein Solo-Album veröffentlicht. Denn angesichts der Strapazen und Spannungen der letzten Tour, ging man sich vorerst lieber aus dem Weg, um die gemeinsamen Vorstellungen von Musik und Ästhetik nicht begraben zu müssen. Doch das Warten hat sich gelohnt – das neue Album „Kasmodiah“ steht seit kurzem in den Läden, die Tour folgt in diesem Monat. Am 3. Mai werden Deine Lakaien das Jolly Joker in Braunschweig zu ihrer privaten Dunkelkammer erklären. SUBWAY sprach vorab mit dem studierten Dirigenten und Lakaien-Elektronik-Tüftler Ernst Horn.
SUBWAY: Warum habt Ihr nach der letzten Tour Deine Lakaien für drei Jahre auf Eis gelegt?
„Schon die Veröffentlichung von „Winter Fish Testosterone“ stand unter enormen Zeitdruck. Danach ging’s gleich in den Übungsraum, dann ab auf die Bühne und dazwischen noch schnell ein Video gedreht – es war einfach extrem. Da sind die Spannungen zwischen uns unweigerlich hochgekommen. Wir hatten irgendwann einfach das Bedürfnis, ganz unambitioniert Luft zu holen."
Wäre es ohne die Ablenkung durch Eure Nebenprojekte vielleicht zum Split gekommen?
„Das ist eine interessante Frage. Ich habe damals sogar überlegt, ob es nicht gut wäre, sofort eine neue Platte zu machen. Wären wir damals bereits bei einer Plattenfirma gewesen, die uns den Erscheinungszeitpunkt eines neuen Albums diktiert hätte, wäre es möglicherweise weiter eskaliert.“
Habt Ihr Euch auf dem neuen Album vom 80er-Revival inspirieren lassen?
„Nicht unbedingt, aber auf „Kasmodiah“ gibt es zwei Stücke, die musikalisch und textlich ein bißchen darauf zurückgreifen. „Kiss The Future“ ist ein Retro-Stück, das aus Band- und Songnamen der Synthie-Pop-Ära besteht. In diese Richtung gehen wir musikalisch ja auch. „Lass mich Dein Lakai sein“ ist ein klassisches New-Wave-Stück à la DAF. Ich hatte zunächst einen riesenlangen englischen Text geschrieben, der ein bißchen nach Devo klang. Alexander war das aber viel zu zungenbrecherisch und er hat dann einfach ziemlich heftig in Deutsch auf die Musik draufimprovisiert. Wir waren bis zum Schluß nicht sicher, ob wir es überhaupt veröffentlichen sollten, weil es eine Nummer ist, die wir selbst nicht besonders ernst nehmen. Für viele wird sie jetzt jedoch zu einem Reizthema.“
Wie schätzt Du denn die Chart-Chancen des Albums ein? Wolfsheim und Project Pitchfork haben in dieser Richtung ja ganz gut vorgelegt...
„Wir hatten schon immer gute Resonanz auf unsere Alben. In den Charts sind wir zwar nie so richtig hochgekommen, bewegten uns immer so im 70er- bis 80er-Bereich, dafür aber über einen langen Zeitraum. Hohe Notierungen haben oft diesen Geruch von Hype, vor dem man ein bißchen Angst bekommt, weil man auch ganz schnell wieder abgeschossen werden kann. Aber speziell für Wolfsheim und auch Project Pitchfork freue ich mich riesig, denn das sind Bands, die schon lange dabei sind und die es auch verdient haben, einen schönen Erfolg einzuheimsen. Deshalb würde ich uns das nämlich auch gönnen – gerade noch (lacht).“
Wie erklärst Du Dir diese Erfolge?
„Die 80er Jahre kommen wieder. Das hat einfach mit diesem Zyklus zu tun, daß eine Musikrichtung nach zehn Jahren out ist, aber nach 20 Jahren wieder in. Die Tempi werden wieder langsamer. Manches ist auch vorher nicht berechenbar, wie z.B. der Erfolg, den Witt/Heppner mit „Die Flut“ hatten.“
Wie stehst Du zur deutschen Musiklandschaft?
„Der Mainstream beherrscht einfach alles. Daneben gibt es aber auch Ausreißer. Jeder, mit dem ich gesprochen habe, freut sich diebisch, daß es Wolfsheim geschafft haben, und das mit einem Indie-Label im Rücken. Auch, daß in Amerika „The Downward Spiral“ von den Nine Inch Nails so hoch ging, ist schon irre. Oder daß es die Beastie Boys es jetzt endgültig geschafft haben. Das sieht man mit einer gewissen Sympathie. Auch bei Metallica freue ich mich noch. Die haben mir früher gut gefallen. Jetzt sind sie ja ein bißchen arg zahm geworden. Aber mit dem, was in den Charts sonst so abgeht, du lieber Gott! Es ist halt so, daß Wolfgang Petry die Stadien füllt. Was will man da machen?“
Auch VIVA fängt ja nun schon an, sich für Deine Lakaien zu interessieren...
„Ja, wir haben ein „JAM“-Special bekommen und gerade ein Interview gemacht, ein laaaanges Interview, langes Gelalalalala (lacht). Das sind Sachen, die passieren schon mal, aber inwieweit das jetzt langfristig ist, keine Ahnung. Wolfsheim, Project Pitchfork und Deine Lakaien haben inzwischen einen Stellenwert, der auch solche Sender auf uns aufmerksam macht. Dort gibt es ebenso Leute, die mit dem, was sie da machen müssen, nicht ganz zufrieden sind. Auch ein Moderator bei „ran“ findet es nicht gut, wenn er zum 100. Mal von irgendwelchen Schokoriegeln aus der Bahn geworfen wird und daß er zum 1000. Mal irgendwelche Fußballer fragen muß: „Ist Ihnen bei diesem Tor jetzt ein Stein vom Herzen gefallen?“
Interview: Henning Schmidt Foto: Markus Rock
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