Larry Clarks Junkie-Drama „Ein neuer Tag im Paradies“
Ganz so provokativ wie sein „Kids“-Kinodebüt fällt dieses Drama nicht aus. Immerhin, Larry Clarks Drogenfilm wirkt realistischer als das übliche Hollywood-Outlaw-Genre. Zum einen stammt die Vorlage des Gangsterfilms von einem echten Knastbruder. Zum anderen war Clark in seiner Jugend selbst ein böser Bube. Die Story beginnt mit dem jungen Automatenknacker Bobby, der beim Einbruch überrascht wird und einen Wachmann tötet. Gemeinsam mit seiner Junkie-Freundin Rosie gerät Bobby an das erfahrene Ganovenduo Mel und Sid. Zunächst hat das kriminelle Quartett reichlich Spaß bei seinen gemeinsamen Raubzügen. Doch bald trüben kleine Krisen die Harmonie. Als dann ein Coup im blutigen Fiasko endet, folgt die große Katastrophe. Wie bei „Kids“, inszeniert Clark wieder mit mit reichlich Handkamera und derart schlechtem Licht, daß sein Beleuchter frustriert die Dreharbeiten verließ – aus Furcht, nach solchem Job künftig keine Aufträge mehr zu bekommen. Weniger Berührungsängste hatten Hollywood-Psychopath James Woods und Glamour-Girl Melanie Griffith. Vor allem die Griffith überrascht mit Schauspielkunst: war sie bislang das blonde Püppchen mit Piepsstimme, überzeugt sie hier als abgetakelte Junkie-Braut. Auch Newcomer Vincent Kartheiser gibt den gebrochenen jungen Wilden fast so charismatisch wie River Phoenix. Das große Problem des Verbrecher-Roadmovies bleibt die fehlende Entwicklung der Figuren. Statt plausibler Psychologie beschränkt sich Clark auf sozialkitschige Rückblenden in gewalttätige Familienverhältnisse. Was in den vier Akteuren vorgeht, bleibt unerklärt – entsprechend schnell verliert sich das Interesse an ihrem Schicksal. Daß sie 291 mal „Fuck“ sagen, mag fürs Guinness-Buch taugen. Doch solche Coolness wirkt auf Dauer eher enervierend als prickelnd.