|
Die Briten backen bekanntlich die besten Kinobrötchen in Europa. Erst ein Jahr, nachdem sie in Cannes zum Highlight des Filmfestivals avancierte, findet diese bitterböse Komödie ihren Weg endlich auch auf die deutschen Kinoleinwände. Skurril-schaurige Stories wie diese können garantiert nur Engländer aushecken.
Gleich zum Auftakt ein erster Schock: eine freundliche Frau im Zug, „Tickets please“, sagt der nette Schaffner – ganz unbeeindruckt, daß die Lady eine bluttriefende Tüte mit einem Menschenherz bei sich führt. Das Herz, so erfahren wir später, gehörte ihrem Sohn. Der war nach einem Motorradunfall klinisch tot und Maria gab das Herz ihres Sohnes zur Organspende frei. So weit so gut, entwickelt sich die ganze Tragödie, als der junge Herzempfänger Gary später Kontakt mit Maria aufnimmt. Die schleicht sich nun immer mehr in das Leben von Gary ein, schließlich schlägt in ihm ja das Herz ihres Sohnes. Derweil plagen unseren Helden andere Herzensangelegenheiten: seine schöne Frau Tess betrügt ihn weiter mit jenem Yuppie Alex – eine Affäre, die einst Ursache für seinen Infarkt war. Bei diesem Drama kann Maria natürlich nicht länger untätig zusehen. So nimmt allmählich eine tödliche Tragödie ihren unerbittlichen Lauf.
Jungfilmer Charles McDougall, der einst mit dem Hooligan-Drama „Hillsborough“ schon reichlich Talent bewies, inszenierte den schrägen Krimi mit vergnüglich vielen Wendungen und enormem Einfallsreichtum. Auch formal ist flottes Tempo angesagt mit schnellen Schnitte und reichlich Kamerabewegung. Für die absurden Ideen sorgte Jimmy McGovern, der seine kreativen Qualitäten zuvor als Erfinder der Kultkrimi-Serie „Für alle Fälle Fitz“ unter Beweis stellte. Auch hier baut er seine Figuren plausibel auf, entwickelt schlüssige Dialoge und zaubert ein furioses Ende, wie man es lange nicht im Kino gesehen hat. Wem „Kleine Morde unter Freunde“ gefiel, dem dürfte auch bei „Heart“ das Herz aufgehen. Zimperliche Zuschauer seien gewarnt: wer kein Blut sehen kann, sollte bei den dokumentarischen Szenen der Herztransplantation besser wegsehen. Und sich ganz auf Dionne Warwicks herzigen Oldie vom Soundtrack konzentrieren, der da heißt „Anyone who had a heart“...
Text: Dieter Oßwald Foto: Atlas Film
|