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„Der Super-Papagei“, „Der sprechende Totenkopf“, „Geheimakte UFO“, „Im Bann des Voodoo“ – echte Kenner wissen längst, worum es geht, andere ahnen vielleicht schon was, der Rest hat leider überhaupt keinen Plan. Doch auch ihnen kann geholfen werden, denn bei obigen Titeln dreht es sich um die Abenteuer der Nachwuchsdetektive aus dem kalifornischen Rocky Beach – Die drei ???. Wohl kaum einer, der nicht schon einmal mit den bekannten Juniorschnüfflern eingeschlafen ist oder sich vorm „Grünen Geist“ fast zu Tode geängstigt hat.
Die drei Fragezeichen umgibt ein höchst verdächtiger Kult, der rein rational kaum mehr zu erklären ist (siehe auch SUBWAY 6/98). Oder wie sonst ließe sich deuten, daß die Käufer der Hörspiel-Krimis (jährlich ca. 800000 verkaufte Exemplare) seit nunmehr 20 Jahren die gleichen bleiben. Das Durchschnittsalter von 23,5 Jahren wird vermutlich nur von ihren eigenen Kindern künstlich gesenkt. Und sogar Fettes Brot, die sich bereits in der Folge „Im Bann des Voodoo“ als Sprecher verewigten, mußten kürzlich die Dienste der drei Spürnasen in Anspruch nehmen, als Schwarzbart und Matschauge die Masterbänder ihres aktuellen Albums, „Fettes Brot läßt grüßen“ gestohlen hatten. Wohl einer der spektakulärsten Aufträge der drei, zwar schon in die Jahre gekommenen, trotzdem ewig jungen Detektive aus Rocky Beach, die mittlerweile stramm auf die Dreißig zugehen müßten. Denn 1999 wird das gute alte Hörspiel um Justus Jonas (1. Detektiv), Peter Shaw (2. Detektiv) und Bob Andrews (Recherche & Archiv) in den Kreis der Twens aufgenommen. Verschwiegene Echtzeitalterung hin oder her, auf jeden Fall war es Zeit für eine Revolution – die drei ??? brauchten ein Gesicht. Auch zwölf Hardcore-Fans aus Wuppertal wurde es auf die Dauer zu langweilig, sich die Abenteuer ihrer Helden immer nur auditiv zu verabreichen. Folglich faßten sie sich 1997 ein Herz und fahndeten fortan nach einer visuellen Umsetzung des Stoffes. „Wir wollten Die drei ??? als Bühnenstück aufführen, dachten aber, die Leute reißen uns den Kopf ab, wenn wir die Dialoge selber sprechen“, erzählt Sascha Gutzeit, seines Zeichens die Personifikation des Bob Andrews, im Gespräch mit SUBWAY. „Wir haben dann einfach die Kassette laufen lassen und ein bißchen Brainstorming dazu gemacht. Schon damals war uns klar, daß das völlig anders ablaufen wird als ein normales Theaterstück.“ Recht hat er, und deshalb mußte noch schnell eine neue Gattung kreiert werden – das Vollplaybacktheater war geboren. Premiere der ersten audio-visuellen drei-???-Performance war im Sommer ’97 mit dem „Geheimnis der Särge“, und seitdem kommen die drei Detektive und ihre Kollegen nicht mehr aus dem Staunen heraus. „Das ist ja höchst sonderbar“, würde wohl der vollschlanke Justus Jonas zum Überraschungserfolg seiner Fans sagen, der sie 1999 sogar quer durch die Republik touren läßt (u.a. 21.5., Bad/H, 22.5. FBZ Bürgerpark/BS).
Besonders angetan sind die Zuschauer von der eigenwilligen Umsetzung der Stücke, die aber auch gar nicht anders möglich ist. „Der erste Witz ist natürlich der, daß wir auf die Bühne kommen und nur den Mund zu den Dialogen der Kassette bewegen. Aber wenn es Szenen gibt, wo die nur dasitzen und sich unterhalten, müssen Action und Entertainment her. Wenn man den Leuten schon was Optisches bietet, dann auch richtig. Meistens entstehen dann spontane Ideen, was die drei machen, während sie reden. Was also im Hörspiel die Hauptsache ist, wird auf der Bühne zur Nebensache. Das Hörspiel ist so konzipiert, daß es Bilder im Kopf des Hörers hervorruft. Bei uns entsteht neben diesem Bild auch noch das Bild, das wir auf der Bühne kreieren. Durch diese Dopplung entsteht ein gewisser Comedy-Effekt“, erklärt Sascha. Wenn die alte Dame (Miss Waggoner) im Hörspiel „Der Super-Papagei“ z.B. als suchend beschrieben wird, dann liegt es natürlich im Bereich künstlerischer Freiheit der Darsteller, zu definieren, was sie überhaupt sucht. Die Autoren der Originalgeschichte dachten dabei sicherlich an den Papagei – Sascha Gutzeit und Konsorten überlegten sich aber, daß es auch interessant sein könnte, wenn die alte Dame vom Auto angefahren, über die Straße robben und neben dem Papagei auch noch ihr Bein vermissen würde. Das hört sich zwar äußerst absonderlich an, ist aber keinesfalls als Karikatur, sondern eher als Huldigung und Hommage an die Bücher und Hörspielkassetten zu verstehen, bei der Idealismus und Minimalismus klar im Vordergrund stehen. Anstatt einer technisch aufwendigen Inszenierung reichen für das Bühnenbild ein Diaprojektor und ein Super-8-Filmvorführgerät aus, die die wechselnden Kulissen zeigen, denn „was uns interessiert, ist eben das Trashige und Selbstgemachte“, erklärt der Hobby-Bob-Andrews. Außerdem ist es die einzige Möglichkeit, überhaupt ein wechselndes Bühnenbild an den Start zu bringen, denn für den Umbau bleibt keine Zeit, schließlich spult das Tape die Handlung gnadenlos und ohne Rücksicht auf Pannen oder Verzögerungen ab.
Der Erfolg bei ihren Auftritten gibt den Wuppertalern recht. Viele, die sich das Vollplaybacktheater schon live gegönnt haben, erleben einen vergnüglichen Vergangenheitsflash, ohne jedoch in peinlicher Abfeierei ihrer eigenen Jugend enden zu müssen. „Wer heute noch immer drei ??? hört, muß sich nicht schämen oder das ganze als Lächerlichkeit abtun“, meint Sascha. Man muß auch keine Angst haben, sich in der Vorstellung neben der Grundschulklasse des kleinen Bruders wiederzufinden, denn „die meisten Fans sind Studenten. Menschen, die Mitte 20 sind. Genau wie wir.“
Und um ihre theatralische Zukunft müssen sich die zwölf auch keine Sorgen machen, denn schließlich gibt es mittlerweile über 80 Krimi-Hörspiele und die drei ??? übernehmen ja bekanntlich jeden Fall. „Wenn wir pro Jahr ein Stück inszenieren, wären wir in etwa 80 Jahren durch. Auf jeden Fall wird es aber noch ein drittes Drei ???-Vollplaybackstück geben.“ Alle Fans und Neu-Verehrer können sich also darauf freuen, Justus Jonas einmal mehr sagen zu hören (und vor allem endlich sagen zu sehen): „Hey, Peter, jemand ruft um Hilfe...“
Text: Henning Schmidt Grafik: Europa
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