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Es tut sich was in Braunschweigs Nachtleben – kaum hat der Frühling die naßkalte Stimmung verscheucht, die ersten Blüten und Blätter getrieben, befindet sich die hiesige Club- und Discothekenszene wieder einmal im Auf- bzw. Umbruch. Obwohl Braunschweig keinesfalls zu den schillerndsten Städten in Sachen Night-Life gehört, immer wieder Schließungen von Clubs zu verkraften hat (das Lulu A GoGo feiert am 1.5. die definitiv letzte Party), und vielleicht auch von außerhalb dezent belächelt wird, finden sich immer noch Unternehmer, die mit Neueröffnungen die feiernde Zunft in ihre Läden locken wollen. Aus diesem Grund nahm SUBWAY die momentane Situation unter die Lupe, sprach mit Betreibern und Insidern und kam zu dem Ergebnis, daß auch in Zukunft keiner aus der Stadt flüchten muß, um seinen Lieblingsclub zu finden. „Eigentlich ist Braunschweig das schlimmste Pflaster der Welt“, meint Andreas Maurer nicht ganz ohne ironischen Unterton. Erst vor kurzem eröffnete er das Kameo in den Räumen des lange leerstehenden Schloßtheater-Kinos auf dem Bohlweg. „Aber es muß doch irgendwie möglich sein, in der zweitgrößten Stadt Niedersachens eine Marktlücke zu besetzen“, fährt er hoffnungsvoll fort. Sein Club, der rund 300 Gästen auf zwei Ebenen, Granit-Tanzfläche im Hochparterre und Lounge im Untergeschoß, gehobenes Ambiente bietet, soll eben jene Marktlücke schließen, alle 20 bis 35jähigen ansprechen, die auf Funk & Soul und gepflegten Vocal-House abfahren. Von Mittwochs bis Sonnabends geöffnet, beabsichtigt Maurer ganz gezielt keinen weiteren „Szeneladen“ zu etablieren. Zu seiner Zielgruppe gehöre jeder, der „Spaß und keinen Streß haben möchte. Jeder Gast ist bei uns ein Star. Ich möchte ein vielschichtiges Publikum“, lautet sein Credo. Keine zehn Minuten Fußweg vom Kameo entfernt öffnet diesen Monat das Velvet im Parkhaus-Wallstraße seine Pforten. Auf 600 qm Fläche ist die Location in drei großzügige Areas – Meeting Point, Main Area und Cocktail Bar – unterteilt. An Wochenenden bietet der Mainfloor, von Raumkünstler Korea im Inka-Style ausgestattet, als Discothek mit zwei Theken genügend Platz zum Abfeiern. An anderen Tagen kann er aber auch dank geräumiger Bühne für Modenschauen oder Konzerte genutzt werden. In der nebenan liegenden Cocktail-Lounge im Stil einer samtigen Hotel-Bar können sich die Besucher auf Plüsch-Sofas lümmeln und angenehm chillen. Clou im Velvet: Man betritt die Location nicht von der Stirnseite des Parkhauses, sondern erreicht beide Bereiche durch einen zentralen Eingang, der den Club in zwei Hälften teilt. Velvet-Chef Dimas ist sich sicher, daß es für den Club keinen besseren Standort geben kann. Und auch Michael Gerloff, seit rund zehn Jahren für Dimas als DJ tätig, ist zuversichtlich: „Die Location ist gastronomisch nicht vorbelastet, außerdem gibt es in dieser Größenordnung zwischen Großraumdisco und Club für ca. 800 Leute nichts Vergleichbares mitten in der City. Musikalisch wird sich das Velvet irgendwo zwischen Black Music und Mainstream orientieren.“
Wenn schon keine Neueröffnung, so bringt vielleicht ein Umbau oder eine Renovierung frischen Wind in bestehende Konzeptionen. Nachdem sich dies bereits im alten Panopticum vor einem Jahr als positiv erwies und den Braunschweigern mit Merz und Vibe gleich zwei neue Läden bescherte, unternahmen die Betreiber des Brain am Bruchtorwall erst kürzlich eine großzügige Umgestaltung an Ort und Stelle. Theke und Tanzfläche wurden versetzt, neue Lichteffekte lassen das Brain neuerdings clubbiger wirken und sofalike installierte Lederbänke bieten im oberen Thekenbereich noch mehr Platz zum Entspannen – man achte bitte auf die spacigen Scanner, die haben es wirklich in sich. Das musikalische Konzept wurde ebenfalls erweitert: Dienstags gastiert DJ Sammy mit längst etablierter Soul Seduction und Freitags gibt es neben Breakbeats, Funk und Elektronischem auch Latin und Jazz.
Vom Umbau und neuem Namen profitiert auch das Schwanensee (ehemaliges Kiwi) am Gieseler, das sich seit Neuestem wieder großer Beliebtheit erfreut. Hier wurden ebenfalls Theke und Tanzfläche umgestaltet, so daß die Partypeople mit neuem Soundsystem noch besser feiern können. Special Events gibt es nach wie vor an den Wochenenden, die Getränkepreise sind stabil geblieben. Zudem hat Betreiber-Dimas den „Lucky House“-Donnerstag unter der groovenden Regie von DJ Ax Botar erfolgreich wiederbeleben können.
Daß aber auch erhebliche Schwierigkeiten und Risiken mit der nicht immer reibungslosen Geschäftsführung einer Discothek verbunden sind, möchten viele Clubbesitzer anfangs nicht einsehen. Ax Botar mußte diese Erfahrungen als einer der beiden Teilhaber des Pearls-Club am Bohlweg machen. Trotz gutem Konzept, exzellenter DJs und viel Optimismus wurde der Laden bereits nach nicht mal einem Jahr wieder geschlossen. „Es waren so viele Faktoren, die gegen uns gearbeitet haben“, erinnert sich Botar noch einmal an die bitteren Erfahrungen vom Niedergang seines Clubs. „Erstens befand sich der Laden auf der falschen Seite der Stadt. Zweitens hat uns das ewige Hin und Her um die Fünf-Uhr-Konzession, um die wir ein halbes Jahr bei der Stadt gebettelt haben, zermürbt.“ Was also rät er mutigen Newcomern? „Man muß die Preise niedrig halten, außerdem braucht man Gespür für Trends, Mut, Optimismus, viel Geduld mit den Behörden und Durchhaltevermögen.“ All diese Faktoren hat zumindest einer bewiesen: Peter Fricke, langjähriger Geschäftsführer des Jolly Joker, der größten und erfolgreichsten Location in Braunschweig; unumstritten die Partyinstitution für alle Geschmäcker und weit über die Grenzen unserer Region bekannt. Zur aktuellen Situation befragt, antwortet der Jolly-Chef jedoch skeptisch: „Mich in der Gastronomie heute selbständig zu machen, wäre wohl das letzte, was mir einfallen würde.“ Trotz aller Vor- und Nachteile, mit denen die Braunschweiger Club- und Discothekenszene gesegnet und verflucht ist – in einem Punkt sind sich alle Betreiber einig: je mehr Locations das Nachtleben für die verschiedenen Zielgruppen anbietet, desto attraktiver und vielschichtiger wird das Partyleben der Stadt für alle. Kameo-Macher Andreas Maurer kommt zu dem Schluß, das vernünftiges Clubhopping nur in der Vielzahl verschiedener Läden stattfinden kann, „denn der zu verteilende Kuchen ist riesengroß!“ Und auch Brain-Betreiber Ulrich Schwanke ist sich sicher: „Es gibt nichts besseres als einen gutgehenden Laden in der Nachbarschaft.“
Text: Andreas Astalos Foto: Marc Stantien
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