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Der Braunschweiger Fantasy-Autor Dane Rahlmeyer kennt den Weg nach »Kenlyn«

Die eigene Welt in einem anderen Licht

Fernab vom Tolkien'schen Ring-Universum breitet der Buch- und Hörspiel-Autor vor seinen Lesern (s)eine ganz eigene Welt aus. Eine Welt, in der sich Reales und Historisches, Fantasy und Science-Fiction spannend ergänzen: Willkommen in „Kenlyn“!

Dane, warum schreibst du ausgerechnet fantastische Geschichten? Könntest du dir auch vorstellen, Romane zu schreiben, die näher an der „Realität“ sind?
Tatsächlich habe ich schon Krimis fürs Privatfernsehen geschrieben, und einige Hörspiele mit historischem Hintergrund sind in Planung. Bei den mehr fantastischen Storys kann ich mich jedoch nach Lust und Laune austoben, und mir den Hintergrund – die Welt, ihre Bewohner, Kultur und Politik – so schaffen, wie ich ihn für die Geschichte brauche. Und natürlich hoffe ich auch, dass Geschichten, die in anderen Welten spielen, eine gewisse Zeitlosigkeit erhalten.
Was für einen Einfluss hatte z.B. Tolkien auf dich als Autor? Gibt es (andere) Schriftsteller als Vorbilder oder an denen du dich orientierst?
Tolkien hatte tatsächlich auf mich nur einen sehr geringen Einfluss. Er hat Großes geleistet und die moderne Fantasy fast im Alleingang ins Leben gerufen. Aber meine Vorbilder stammen mehr aus der Science Fiction – Autoren wie Frank Herbert, Ursula K. LeGuin, Iain M. Banks und Gene Wolfe.
Woran liegt der anhaltend große Erfolg von Fantasy-Autoren wie Markus Heitz und Bernhard Hennen? Ist mit dem „Herrn der Ringe“ nicht eigentlich schon alles zu dem Thema gesagt?
Das Genre heißt „Fantasy“ und die einzige Grenze, die es gibt, ist die Fantasie – daher kann es nie „Das Letzte Große Werk des Genres“ geben. Es macht dem Leser Spaß, sich in fremden, exotischen Welten zu verlieren. Die beste Fantasy lässt uns die eigene Welt in einem anderen Licht erscheinen. Gene Wolfe hat einmal ganz treffend gesagt: „Jede Geschichte ist Fantasy – nur sind einige dabei ehrlicher als andere.“
Was hat Dich veranlasst, speziell die „Kenlyn“-Reihe zu schreiben?
Meine Liebe zu den Underdogs. Ich hatte Geschichten satt, in denen der strahlende Auserwählte die Welt rettet. Klar, die Charaktere von „Kenlyn“ leben in einer Welt, die scheinbar ganz anders ist als unsere – aber eben nur scheinbar. Genau wie hierzulande müssen auch die „Helden“ von „Kenlyn“ für ihr Geld arbeiten, sich mit der Steuer herumärgern, etc.
Was macht die Welt von „Kenlyn“ aus?
Die Leser fasziniert vor allem das Exotische der Welt: auf „Kenlyn“ gibt es fliegende Schiffe, schwebende Städte, fremde Lebewesen und uralte, fast magische Technologie. Und immer wieder gibt es Anspielungen auf unsere Welt. Das war es auch, was für mich den Reiz beim Schreiben ausmachte – in all der Exotik lässt sich auch Vertrautes wieder finden.
Aber noch mehr scheinen die Leser die Charaktere zu mögen – und das ist auch gut so, immerhin bilden sie ja das Herz der Geschichte!
Hauptperson ist die Diebin Endriel. Was ist sie für ein Mensch und was macht sie für eine Wandlung durch?
Endriel ist in jungen Jahren von Zuhause ausgerissen. Ihr Vater hatte für sie eine Karriere bei den „Friedenswächtern“ vorgesehen, Kenlyns Polizei/Militär. Aber Endriel ist auf der Suche nach Nervenkitzel und stiehlt berufsmäßig wertvolle Artefakte. Doch so gut sie darin auch ist, kostet es sie fast das Leben, und sie beginnt, umzudenken.  Als sie von ihrem Vater ein eigenes Drachenschiff erbt, fasst sie den Entschluss, ein ehrliches Leben zu beginnen und gründet zusammen mit einigen Freunden ein eigenes Transportunternehmen. Doch schon ihr erster Kunde bringt sie in große Schwierigkeiten, und ehe Endriel sich versieht, steht sie zwischen den Fronten der Friedenswächter und dem Schattenkult, einer uralten Geheimgesellschaft, die nach der Macht strebt. Im Laufe der Geschichte müssen Endriel und ihre Crew über sich hinauswachsen. Ein Krieg zieht herauf; und nicht jeder von ihnen wird ihn überleben.


Was sind Draxyll, Skria, Yadi und Sha Yang? Woher stammen die Inspirationen zu solchen Figuren?
Die genannten Wesen sind echsenhafte oder katzenartige oder geflügelte Rassen, die zusammen mit den Menschen auf dem Planeten „Kenlyn“ leben. Ich wollte meine Welt mit vielen verschiedenen Kreaturen bevölkern, aber es sollten nicht die altbekannten Elfen und Zwölfen sein. Woher die Entscheidung kam, dass die Skria eher an Löwen erinnern und die Draxyll Reptilien sind, weiß ich nicht mehr. Mir war auf jeden Fall wichtig, das alte Fantasy-Klischee zu vermeiden: Warum kann es zum Beispiel keine netten Orks geben? Dementsprechend gibt es unter allen Bewohnern Kenlyns Lügner, Heilige, Wahnsinnige – und alle möglichen Schattierungen dazwischen. Nur eben keine klare Aufteilung zwischen Gut und Böse.
Hast du auch Charaktere aus deiner unmittelbaren Umgebung in den Büchern verarbeitet? Welcher Rasse, außer den Menschen, fühlst du dich am ehesten zugehörig und warum?
Die Charaktere in „Kenlyn“ sind keinen bestimmten Personen nachempfunden – aber sie tragen Wesenszüge, die ich an mir selbst oder meinen Mitmenschen beobachtet habe. Ich selbst kann mich am ehesten mit gewissen Charakterzügen der Figuren als mit ihrer Rasse identifizieren: Xeahs ruhige, meditative Art zum Beispiel gefällt mir gut. Oder Endriels Unvermögen aufzugeben.
Siehst du dich eher als Fantasy- oder Science-Fiction-Autor?
Eigentlich sehe ich mich eher als Autor, der mal Fantasy, mal Science Fiction, mal Krimis und dann wieder Historisches schreibt.
Anstatt wie ursprünglich angekündigt zwei liegen nun inzwischen drei Bände vor. Wie kam es dazu? Wird es weitere „Kenlyn“-Bücher geben?
Tatsächlich war ursprünglich eine Trilogie geplant. Dann dachte ich, ich könnte die ganze Geschichte in zwei Bänden erzählen. Das war natürlich ein Irrtum, denn es gab sehr viel zu erzählen. Also kehrten der Verlag und ich quasi im letzten Moment zum ursprünglichen Plan zurück. Mit dem dritten Band ist nun aber die Geschichte von Kenlyn erzählt: alle Fragen wurden geklärt, alle Handlungsfäden zu Ende geführt. Eine Fortsetzung ist zur Zeit nicht geplant – aber man soll ja niemals nie sagen.
Ist die Trilogie eine Art „Genre-Pflicht“?
Jede Geschichte hat einen Anfang, einen Mittelteil und einen Schluss – von daher bietet sich eine Trilogie vielleicht an, wer weiß?
Es gibt auch Hörspiele von dir. Gibt es schon Pläne, „Kenlyn“ zu vertonen?
Zwar haben der Verlag und ich kurz darüber gesprochen, aber bislang ist nichts Konkretes geplant. Aber wie gesagt: sag niemals nie.
Wie stellst du dir eine Verfilmung der Reihe vor: Animations- oder Real-Film? Wer wären Deine Wunschkandidaten für Hauptrollen?
Angesichts der ganzen exotischen Wesen und Landschaften böte sich wohl ein Animationsfilm an. Ich glaube, ich würde zu einem klassischen Zeichentrickfilm tendieren – manchmal kommt mir der Zeichentrick wie eine verlorene Kunstform vor. Und damit würde sich die Frage nach den Hauptdarstellern natürlich erübrigen.
Was für Projekte hast du als nächstes geplant?
Dieses Jahr erscheinen noch zwei neue Hörspielserien von mir, vielleicht sogar noch ein neuer Roman. Außerdem arbeite ich noch an meiner allerersten Hörspielserie „Grüße aus Gehenna“, von der dieses Jahr Folge fünf und sechs erscheinen. Ach ja: und ein Kurzfilmdrehbuch von mir wird verfilmt. Nächste Woche beginnt das Casting – das wird noch mal spannend!
Was darf der Zuschauer von deiner bevorstehenden Lesung bei Graff erwarten?
Einen Autor, der sich tierisch darüber freut, in seinem Lieblingsbuchhandel eine Lesung halten zu dürfen – und der hofft, dass er trotz seiner Aufregung spannend und unterhaltsam aus seinem ersten Roman liest.

Termin: 26.2.10, 20:15 Uhr
Ort: Buchandlung Graff -  Sack 15, 38100 BS
Web: www.dane-rahlmeyer.de

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