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Der Schlüssel zum Erfolg

Ihr Romandebüt „Maria, ihm schmeckt's nicht“ verkaufte sich über 1,7 Millionen Mal. Wie erklären Sie sich den Erfolg ihres Romans „Maria, ihm schmeckt's nicht“? Hatten Sie (dafür) und haben Sie (noch) literarische Vorbilder?
Nein, habe ich nicht. Ich glaube auch nicht, dass Schreiben funktioniert, indem man sich an Vorbildern abarbeitet. Man braucht eine Geschichte und muss dann den richtigen Ton treffen, um sie erzählen zu können. Dafür muss man herumprobieren und arbeiten. Vorbilder helfen dabei, glaube ich, nicht sehr.
Der Roman wurde 2009 verfilmt. Das Drehbuch schrieben Sie selbst. Wie sind Sie mit dieser neuen Art von Arbeit zurecht gekommen? Was ist es für ein Gefühl, den Personen aus dem Buch plötzlich im „wahren Leben“ gegenüber zu stehen?
Drehbücher zu schreiben, ist ziemlich anstrengend, weil man dabei ganz spezifische Regeln beachten muss, die es erst einmal zu lernen gilt. In einem Roman ist man in dieser Hinsicht viel freier. Spätestens durch das Casting sind die Figuren dann sehr festgelegt, sie bekommen ein Gesicht und es ist tatsächlich sehr merkwürdig, denen dann am Filmset gegenüber zu stehen, besonders wenn sie wie in diesem Fall lebende Vorbilder haben. Aber wir waren sehr zufrieden mit den Schauspielern und sie werden hoffentlich auch alle im zweiten Teil mitspielen, der nun gerade in Planung ist.
„Maria, ihm schmeckt's nicht“, ebenso wie Ihr Nachfolgeroman „Antonio im Wunderland“, handelt von den Erfahrungen des Erzählers mit seinen italienischen Schwiegereltern. Die Handlung weist einige sehr offensichtliche Parallelen zu Ihrem eigenen Leben auf, ist nach eigenen Angaben jedoch nicht autobiografisch zu verstehen. Wie sieht es hingegen mit Ihren Kolumnen aus? Wie viel davon geschieht Ihnen wirklich und was ist Fiktion?
Die Kolumnen knüpfen sehr direkt an die Romane an, das Personal ist identisch. Genau wie in den Romanen gibt es also eine echte Familie, aber die Namen sind verändert und die Geschichten sind – meistens – erfunden.
Wie geht Ihre Familie überhaupt damit um, ein beständiger Teil ihrer Geschichten zu sein?
Es amüsiert sie. Da ich ja nicht wirklich intime Details aus deren Leben ausplaudere, macht es ihnen nichts aus.
Wie kann man sich den typischen Jan-Weiler-Konsumenten vorstellen? Gibt es eine bestimme Zielgruppe, die Sie vielleicht auch bewusst ansprechen wollen?
Nein, gar nicht. Ich glaube auch nicht, dass es den typischen Leser gibt. In den Lesungen sitzen ebenso Schüler und Studenten wie Hausfrauen oder ältere Leute. Allerdings kommen mehr Frauen, soviel kann man sagen.
Nach einer zweijährigen Veröffentlichung im Stern erscheint Ihre Kolumnenserie „Mein Leben als Mensch“ nun in der Welt am Sonntag. Ist es Ihnen wichtig, wo ihre Artikel abgedruckt werden?
Ja, klar ist das wichtig. Es muss schon irgendwie passen, es muss ein Ort sein, wo Leute auch wirklich lesen und nicht nur blättern. Insofern haben die WamS und der Stern durchaus Überschneidungen.
In Ihrem gleichnamigen Roman „Mein Leben als Mensch“ haben Sie im September 2009 eine Auswahl Ihrer Kolumnen zusammengestellt. Folgen die Texte einem größeren Thema?
Nein, es gab von Anfang an nur ein Konzept: ich kann schreiben, wozu ich Lust habe. Und ich hatte eben Lust, genau diese Texte zu schreiben. Wir haben dann ungefähr die Hälfte der im Stern erschienenen Kolumnen ausgewählt.
Sie sind sehr produktiv: Haben Sie gelegentlich auch kreative Blockaden? Was tun Sie, um den Schreibfluss dann wieder ins Rollen zu bringen?
Nichts. Ich höre einfach auf, am Schreibtisch zu sitzen, wenn ich keine Lust mehr habe oder irgendwie abgelenkt bin. Kreative Blockaden habe ich aber eher selten und ich bin da auch nicht ängstlich.
Seit 2003 reisen Sie für Romanlesungen durch ganz Deutschland. Was macht Lesungen für Sie – und wie machen Sie diese für Ihr Publikum – zu etwas besonderem?
Jeder Abend ist anders. Ich muss mich jedes Mal auf ein anderes, ein neues Publikum einstellen. Und jeden Abend ist die Herausforderung da, die Leute zu kriegen. Manchmal gelingt das ganz schnell, manchmal muss ich dafür richtig arbeiten. Aber wenn es dann schließlich gelingt, macht es mich sehr zufrieden. Und die Zuschauer auch. Das ist der Kick.
Ist zwischen all ihren beruflichen und familiären Tätigkeiten überhaupt noch Platz für den Menschen Jan Weiler?
Nein. Ich bin ein Fulltime-Typ, arbeite im Prinzip immer. Aber das macht mir nichts aus, im Gegenteil. Ich habe Angst, dass ich mich sonst sehr schnell mit mir selber langweilen würde.
Wo entspannen Sie sich von der Schreibarbeit und wie sieht für Sie der perfekte Urlaub aus?
Ich entspanne mich sehr schnell vor dem Kamin oder im Sommer im Garten. Ich lese dann stundenlang und bin leicht zufrieden zu stellen, wenn man mich in Ruhe lässt. Im Urlaub fahren wir in der Regel in irgendwelche gemieteten Ferienhäuser, nie in Hotels. Da bin ich schon genug, das ganze Jahr über. Perfekt ist ein Urlaub, wenn die Kinder Schwimmhäute vom in den Pool springen bekommen und ich drei oder vier Bücher schaffe.
Warum denken Sie zählt Italien zu einem der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen und was haben Sie selbst für ein Bild von diesem Land?
Mein Bild von Italien ist natürlich stark von der Verwandtschaft geprägt. Ich finde, es ist nach wie vor das deutsche Sehnsuchtsland Nummer eins. Die Deutschen bekommen dort alles, was ihnen vielleicht manchmal Zuhause fehlt: Sonne, Lässigkeit und das Gefühl allgemeiner Entspanntheit.
In Ihren Romanen zeigen Sie Italien und seine Bewohner als eigenwillig, aber durchweg herzensgut und liebenswert. In den Medien zeigen Schlagzeilen über Berlusconi oder die Machenschaften der Mafia jedoch ein anderes Bild. Wie wichtig ist Ihnen Realitätsnahe?
Das sind nun einmal die beiden Seiten der Medaille. Ich finde beide Ebenen berichtenswert und realistisch. Und ich zeige ja genau genommen nicht die Bewohner Italiens, sondern die Familie meiner Frau. Das ist ein Unterschied.
Haben Sie in Zukunft vor auch einmal über den komödiantischen Tellerrand hinaus zu blicken und sich in einem anderen, vielleicht ernsteren Genre zu versuchen? Haben Sie neue Projekte geplant?
Habe ich schon gemacht. Elf Jahre lang beim Magazin der Süddeutschen Zeitung, in zahllosen Reportagen und Interviews sowie im Roman „Drachensaat.“ Der war Einigen sogar viel zu ernst.
In einigen Interviews offenbaren Sie sich als uncool, als latent ängstlicher und leicht zu verunsichernder Mensch. Wie viel können und wollen Sie von Ihrem Privatleben und Ihrer Persönlichkeit preisgeben? Wie beurteilen Sie die wachsende emotionale „Freizügigkeit“, die durch Internetportale wie msn, Facebook ect. immer gängiger wird?
Ich gebe gar nichts preis. Ich habe mich selbst mitsamt meiner Geschichten erfunden und bin sehr glücklich mit meinem Privatleben und der darin gut versteckten Persönlichkeit. Facebook und andere emotionale Netzwerke sind mir wurscht. Ich gucke da zwar manchmal nach, aber ich habe dort noch nie etwas gefunden, was mich wirklich umgehauen hätte.
Was wünschen Sie sich für das Jahr 2010?
Einen Schlüsselbund, der kommt, wenn man ihn ruft.
Termin 2.2.
Ort Buchhandlung Graff (BS)
Web www.janweiler.de










