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Minikaufhaus Charity 2nd Hand am Neustadtring 15

Feilschen für andere

Was ist das bloß für ein seltsamer Mini-Laden da, direkt neben dem Maxi-Konsum-Tempel „Weißes Ross“? Kein normales Second-Hand-Geschäft, eher eine provisorische 2nd-Hand-Einkaufs-Wohnung. Am Fenster bilden unscheinbare, unsymmetrisch geschnittene Folienbuchstaben den Geschäftsnamen und an der Tür begrüßt die Kunden ein handgeschriebenes „Geöffnet“-Schild. In den drei unrenovierten Altbauräumen findet sich auf rund 70m² alles und nichts. Krims-Krams, Krempel, Nippes, Trödel und Firlefanz wohin man blickt. Zeit muss man mitbringen, will man sich hier umsehen, denn zwischen Regalen voll mit Glaswaren, Klamotten, Schallplatten, Lampen, Fotoapparaten, Radios, DVDs und Kinderspielzeug findet jeder etwas, das er gern mit nach Hause nehmen würde. „Das meiste ist eigentlich relativ normal“, erklärt Betreiberin Annegret Müller. „Ich hab so das Gefühl, da geht 'ne ganze Menge weg in dem Laden. Sehr viel Kleidung. Eine ganze Menge Bücher. Viel Deko. Alles ein bisschen. Was richtig gut geht, sind Haushaltswaren. Teller, Gläser, superschönes Geschirr mit Goldrand.“
Die Waren sind größtenteils für den Sperrmüll bestimmte Sachspenden aus dem Freundes- und Bekanntenkreis der ehrenamtlichen Mitarbeiter, kommen aber auch aus Haushaltsauflösungen und werden größtenteils von den Leuten aus der sozial schwachen Nachbarschaft gekauft. „Es gibt eine bestimmte Sorte von Menschen, denen ist es nicht wichtig für eine Hose viel Geld auszugeben, weil sie neu ist, sondern die würden lieber weniger Geld ausgeben und dafür Markenklamotten kaufen. Manche kommen und sagen: 'Wieso kostet bei euch ein T-Shirt 4 Euro, bei Kik kostet's 3,50'. - Das Kik-Shirt ist eben keine Marke. Wir haben teilweise wirklich hochwertige Kleidung zum superkleinen Preis.“
In Stil und Schick des Ladens fließt nicht viel Budget. Da könnte z.B. hier und da mal gestrichen werden. Aber diese Sparsamkeit hat ihren Grund: Die Erlöse kommen dem afrikanischen Dritte-Welt-Land Liberia zu Gute. Annegret ist 1. Vorsitzende im Rotkreuzverein Nord-West und Leiterin des „Projekts für Liberia“, das regelmäßig Sachspenden für den Infrastrukturaufbau des von 14 Jahren Bürgerkrieg zerrütteten Landes sammelt und verschifft. Die Container werden mit Näh- und Schreibmaschinen, Gartengeräten, englischsprachigen Büchern, Büromaterialien und Unterrichtsutensilien gefüllt. „Alles, was man dort brauchen kann. Sogar Kerzenreste schicken wir hin, weil in Liberia eigentlich die ganze Infrastruktur zerstört ist. Obwohl man dort in Wohnungen mit Badewanne, Steckdosen usw. wohnt, funktioniert vieles oft nicht.“
Mit einer handvoll Gleichgutgesinnter hat sie schon 1995 angefangen Wegwerf-Waren für Liberia zu sammeln. „Dann hat eine Frau aus unserem Projekt die Idee gehabt, wir bräuchten mal einen Laden. 2006 war es dann soweit, wir haben dieses kleine Geschäft hier gefunden, das uns mietfrei zur Verfügung gestellt wird, da noch nicht zu Ende renoviert ist. Wir haben alles grob zurecht gemacht, kurz drüber gestrichen, Regale geliehen.“

Unscheinbar, aber auffällig
Unscheinbar, aber auffällig
Mit den Erlösen werden nur die Nebenkosten gedeckt. „Das ganze Projekt lebt eigentlich von ehrenamtlicher Leitung. Das Büro ist z.B. in meiner privaten Wohnung.“ Schon lange ist der Charity-Laden auf der Suche nach trockenen, mäusesicheren, stadtnahen Lagerräumen. „Da würden wir auch Geld für ausgeben, denn das würde unserem Laden langfristig richtig gut den Rücken decken.“
Das „Projekt für Liberia“ hat in 15 Jahren schon große Erfolge gefeiert. So gab es nicht etwa nur mal eine halbe Stunde Kerzenlicht zum Lesen, sondern eine ganze Schule mit 26 Klassenzimmern für 1400 Kinder wird derzeit errichtet.
Die Motivation ist hoch und auch langfristig da: „So einen Laden zu haben macht einfach irre Spaß. Das ist toll. Die Sachspenden, die kommen... Man hat das ganze Jahr Weihnachten, staunt, wenn man die Kisten aufmacht, guckt, sortiert... Vieles ist klasse für Liberia. Den Leuten kann man so auch sehr gut vermitteln, wie die Leute da leben. Sachspenden sortieren, auspacken. Mir macht das riesigen Spaß.“ Und etwas Gutes tut sie dabei auch noch.

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