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Puppencomedian Sascha Grammel im Interview

»Die gute alte Kunst«

Puppencomedy boomt, nicht nur Achmed, der gescheiterte Selbstmörder des US-Amerikaners Jeff Dunham („Silence, I kill you!“), sorgen im Netz für Millionen Klicks begeisterter Surfer. Auch in Deutschland beginnen sich Bauchredner mit fantasievoll gestalteten Figuren langsam durchzusetzen. Einer von ihnen ist der bekennende Berliner Dunham-Fan Sascha Grammel, der im März seine „Puppet Comedy“ auch nach Braunschweig bringt. Im SUBWAY-Interview sprach er – nicht nur – aus dem Bauch heraus.

Wie kommt ein junger Mensch auf die Idee, Bauchredner zu werden?
Also bei mir war’s so: Weil ich nicht rauche, hatte ich schon immer eine Hand frei. Zum Papierflieger Falten braucht man zwei Hände, für Kopfstand gar keine. Als halbstarker Spandauer blieb also quasi nur noch das Bauchreden übrig.
Wie wird man zum "Deutschen Vizemeister der Zauberkunst"?
Indem man penibel darauf achtet, immer etwas schlechter zu sein als der Deutsche Meister der Zauberkunst.
Machst du deine Figuren selbst?
Ja und Nein. Professor Hacke hat sich z.B. selbst erfunden - im Dienste der Wissenschaft. Frederic ist mir zugelaufen, `tschuldigung: zugeflogen. Josie habe ich beim Speed-Dating kennengelernt.
Wieso gerade Dr. Peter Hacke, Freiherr von Furchensumpf und Josie?
Ich selbst quäle mich mit einer geradezu unnatürlichen Nähe zum Fastfood herum. Auch meine Strubbelhaare werden von vielen als Friseur-Unfall bezeichnet. Und ich habe eine EC-Karte.
Woher nimmst du die Ideen für deine Show?
Eigentlich machen die Puppen, was sie wollen. Ich achte lediglich darauf, dass sie sich gut ernähren und vor zwölf ins Bett gehen.
Wer sind deine großen Vorbilder? Sind sie Comedians oder Puppenspieler?
Jeff Dunham, Jim Henson. Und Josie.
Worüber lacht Sascha Grammel privat?
Jeff Dunham, Jim Henson. Und Josie.
Mit wem würdest du gern mal zusammen auf der Bühne stehen?
Jeff Dunham, Jim Henson. Und Josie.
Was ist dir schon mal so richtig schief gegangen?
Oh Gott. Das lässt sich gar nicht alles aufzählen. Die Frage wäre eher, ob auch mal was perfekt läuft. Ich empfinde Fehler aber als nichts Schlechtes. Im Gegenteil. Sie bereichern einen. Bei meiner DVD-Aufzeichnung hatte ich z.B. einen kompletten Blackout und wusste nicht mehr, wie die Nummer weitergeht. Ich war gezwungen zu improvisieren. Aus dieser Situation ist, wie ich finde, einer der lustigsten Momente der ganzen DVD entstanden.
Wie entsteht dein Humor?
Ich binde mir eine handelsübliche Schürze um, nehme etwas Butter oder Margarine, schlage zwei bis drei Eier in eine Pfanne und lasse sie dort solange brutzeln bis der Rand braun, das Dotter aber weiterhin weich bleibt. Dann nehme ich die handelsübliche Schürze wieder ab. Fertig.
Was braucht man heutzutage, um auf der Bühne zu bestehen?
Das A und O sind festes Schuhwerk. Wer schon einmal mit Nylon-Söckchen oder barfuß die Bretter, die die Welt bedeuten, betreten hat, musste das - besonders auf Bühnen alteingesessener Häuser – teuer bezahlen. Und ein Handy mit GPS: oft sind die Wege von Garderobe zu Bühne wahre Irrgärten.
Achmed, der tote Terrorist, von Jeff Dunham begeistert auch in Deutschland Millionen von Internet-Usern. Was hältst du von seinen Performances?
Einen Jeff Dunham kenne ich nicht. Ach Quatsch, natürlich. Ein großes Vorbild - wobei wir besonders bei den Puppencharakteren doch auch sehr unterschiedlich sind.
Dunham, Marik, Grammel – weshalb, glaubst du, ist "Puppet Comedy" momentan so angesagt?
Vorweg: Ich fühle mich in dieser Reihe wirklich sehr wohl. Und sehr geehrt.
Tja, warum ist Puppet Comedy gerade so angesagt? Zum einen liegt der Höhepunkt des „klassischen“ Stand-Up sicherlich hinter uns, zum anderen – und da kann ich natürlich nur für meinen eigenen Bereich sprechen - versuche ich, die gute, alte Kunst des Bauchredens mit heutigen, aktuellen Elementen zu verbinden und zu ergänzen.
Wie bewertest du den Einfluss des Internets auf die Comedy-Landschaft?
Sehr groß. Wenn ich heute am Abend auftrete, kann ich mir meist schon in der Garderobe nach der Show einen Handymitschnitt davon auf Youtube anschauen…
Wo liegt deine persönliche Humor-Schmerzgrenze?
Irgendwo zwischen Heinblödistan und den Pillepalle-Inseln.
Wie erklärt sich dein Programmname "Hetz mich nicht!"?
„Hetz mich nicht!“ ist der versteckt-subtile Hinweis auf die oft übermenschliche rasante Geschwindigkeit, mit der ich mich im Spandauer Alltag bewege. Nicht aus Versehen nennen mich viele auch den „Turbo-Grammel“. Und nicht nur weil mir beim Joggen im Wald öfter etwas Efeu um die Füße wuchert. 
Was erwartet uns in Zukunft von Sascha Grammel? Wird es weitere Figuren geben?
Ich denke, dass ich recht bald ins Action-Film-Genre wechseln werde. Ich stelle mir da so eine Mischung aus Conan, der Babar und Johann, der Barbier vor. Nein, im Ernst, natürlich arbeite ich auch an neuen Puppen (aber verraten sie’s nicht den alten, die zwei Herren und die Dame sind nämlich verdammt eifersüchtig). Soll heißen, es gibt sicherlich neue Figuren, aber auch in Zukunft werden Hacke, Frederic und Josie feste Bestandteile des Programms bleiben.
Wie wird sich die deutsche Comedy-Szene deiner Meinung nach entwickeln?
Das kommt sehr stark auf den Mond an. Und ob Lachen versteuert wird. Ich persönlich denke - und gehe fest davon aus - dass der nächste Präsident der Vereinigten Staaten eine Handpuppe sein wird.
Jetzt wollen wir es natürlich alle wissen: Wie geht Bauchreden? Wie lange muss man es üben?
Zum Bauchreden braucht man einen Freund, der Bauchreden kann. Der bringt’s einem dann bei.
Oder man besorgt sich Fachliteratur (z.B. „Bauchreden lernen mit Sascha Grammel“ vom aufstrebenden Jungautor Sascha G.), ignoriert konsequent, was drinsteht, und sucht sich lieber doch ’nen Freund, der Bauchreden kann.
Bekommt man davon nicht manchmal Bauchschmerzen?

Viel öfter als Bauchschmerzen bekommt man einen steifen Arm. Besonders Frederic hat stark zugenommen. Und wie schwer Schildkröten sind, kann man sich sicher vorstellen…

Termin 04.03
Ort Brunsviga (BS)
Web www.sascha-grammel.de

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