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11 Freunde Chefredakteur Philipp Köster im Interview

»Lange durchgehalten«

Unterhaltsame und dennoch anspruchsvolle Fußballbericht-erstattung fernab von Tabellen- und Statistikwahn hat einen guten Namen: 11 Freunde. Diesen Monat erscheint das 100. Magazin zum 10. Geburtstag. SUBWAY beglückwünschte Chef-Heft-Trainer Köster mit einem Interview.

100 Hefte 11 Freunde. Wie lautet dein Resume?
Ich hätte nicht gedacht, dass wir so lange durchhalten. Vor allem nach der ernüchternden ersten Ausgabe, die wir vor dem Berliner Olympiastadion absetzen wollten – und acht Exemplare los wurden. Die logische Konsequenz wäre gewesen es wieder sein zu lassen, Gott sei Dank haben wir das nicht getan. Obwohl die Anfangstage abenteuerlich waren, wir das Magazin zu zweit und unbezahlt aus dem Wohnzimmer gemacht haben und nach drei Jahren 50 000 Euro Schulden angehäuft hatten. Andererseits möchte ich die vielen Erlebnisse nicht missen, die damit verbunden sind. Ein legendäres Erlebnis hatten wir bereits in Ausgabe 3, in der wir gefälschte Leserbriefe an den Kicker geschrieben haben und die Kollegen es nicht merkten, dass da Leute wie Klaus Töpper aus Wien, A. Dorno aus Tübingen und F. Lostel schrieben. Das war ein frühes Highlight, dass uns über die nächsten Jahre getragen hat.
Stichwort Kicker und Sport Bild. Wie schwer war es sich auf dem hart umkämpften Fußballmagazin-Markt durchzusetzen?
Ich glaube, dass wir in den ersten fünf Jahren gar nicht ernst genommen wurden, was sich darin zeigte, dass wir selten Spieler zum Interview bekommen haben, mit denen wir uns gerne unterhalten hätten. Wir sind allerdings auch keine wirkliche Konkurrenz für die Kollegen, die ja auf dem Sektor der aktuellen Berichterstattung zu Hause sind. Wir wollen hingegen den tiefgründigen Blick hinter die Kulissen wagen, den Menschen mit seinen Ängsten und Wünschen kennenlernen.
Wie würdest du jemandem 11 Freunde erklären, der das Magazin noch nicht kennt?
Wir sind ein Magazin, dass von der Fankurve auf das Spielfeld blickt. Natürlich mit dem Wissen, dass Fußballfans prinzipiell wahnsinnig sind, indem sie weite Teile ihrer Zeit einem Fußballverein widmen, andererseits diesen Wahnsinn humorig und selbstironisch zu kommentieren, also tatsächlich zu erkennen, dass daraus Humor entspringt. Ein humorvoller, gleichzeitig informativer und hoffentlich intelligenter Blick auf den Fußball – jenseits von Tabellen und Statistiken.

Hat 11 Freunde den Humor in die Fußballberichterstattung gebracht?

Es gab auch vorher schon humorige Auswüchse in den Qualitätszeitungen, aber es war eine Bewegung, wie sie in den letzten 15 Jahren aufgekommen ist, die 11 Freunde sicher befördert hat. Zum Beispiel durch ständige Rubriken wie „Bei der Geburt getrennt“ in der wir unterschiedliche Persönlichkeiten wie Jabba The Hutt und Rainer Calmund oder das Sams und Bastian Schweinsteiger zusammengeführt haben.
Welche Spieler und Trainer würdet ihr gern noch mal interviewen? Was waren bis heute eure Interview-Highlights?
Gesprochen haben wir mit sehr vielen, interessant wären noch ein paar internationale Topstars, wobei die meist gar nicht so viel zu sagen haben. Viele Fußballer bewegen sich in einem dichten Netz aus nichtssagenden Phrasen und Satzbausteinen, die manche Gespräche extrem ungenießbar machen. Einfach auch aus der Angst heraus sich in die Nesseln zu setzen und Schlagzeilen zu produzieren. Das ist eine Begleiterscheinung eines Betriebs, in dem Fußball so eine wichtige gesellschaftliche Rolle spielt. Spannende Interviews haben wir z.B. mit César Louis Menotti, Martin Jol oder auch mit Kevin Kurani, von dem man es nicht erwartet hätte, geführt. Übrigens mussten wir, bis auf das mit Ansgar Brinkmann, bislang alle Interviews authorisieren lassen.
Euer Magazin heißt 11 Freunde. Wie viel Zusammenhalt gibt es noch im bezahlten Fußball?
Ohne Zusammenhalt geht es nicht, aber es sind eben nicht elf Kumpels die Abends im Bus zusammensitzen und Lieder singen. Jeder guckt, dass er sein Auskommen hat. Wenn sich darüber hinaus eine gewisse Kumpelhaftigkeit im Team einstellt, ist es dem Erfolg förderlich. Tatsächlich ist die Vorstellung von elf Freunden, die selbstlos füreinander kämpfen eine Illusion. Letztendlich lebt Fußball von dieser Illusion, deswegen sagt unser Heft wenig darüber aus, wie es ist, sondern wie es am besten sein sollte.

Termin 17.3.
Ort LOT-Theater (BS)
Web www.11freunde.de

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